Illusion

Unsere tägliche Illusion gib uns heute

»Diese Bilder lügen« lautet der Titel des sehr emp­feh­lens­werten Dos­siers in der aktu­ellen ZEIT. Ein Blick hinter die Kulissen der Medi­en­branche zeigt, wie heute Bilder insze­niert und bear­beitet werden, warum dies geschieht und wie sehr ethi­sche Grenzen in der Frage nach Echt­heit verschwimmen.

Du glaubst, was du siehst!? Glaube besser nicht, was Du siehst. Jedes x-beliebige Pres­se­foto, das du heute in den Medien gesehen hast, könnte eine Fäl­schung sein. Eines aber ist gewiss: es ist kein objek­tives Abbild der Wirk­lich­keit. Das Pres­se­foto, galt lange Zeit als wahr­heits­ge­treu. Das war schon immer ein Trug­schluss, heute mehr denn je. Denn es ist ein rela­tives Kon­strukt, ein Auf­trags­pro­dukt in einem öko­no­misch knall­hart umkämpften Medienmarkt.

Am Ort des Gesche­hens muss der Foto­graf intuitiv viele Ent­schei­dungen treffen. Er wählt einen bestimmten Bild­aus­schnitt, gibt Blick­winkel und Objekt vor. Er friert das Geschehen inner­halb eines Sekun­den­bruch­teils ein. Und doch besitzt das Bild weder prä­zise Infor­ma­tionen noch eine objek­tive Wirk­lich­keit. Das Bild ist ledig­lich Beweis, dass ein Ereignis statt­ge­funden hat — wenn es als sol­ches nicht eine vor­sätz­liche Insze­nie­rung war. Ohne Foto kein Ereignis, keine Geschichte, keine Wahrnehmung.

Bewusste Zuspit­zung oder Manipulation?

Das digi­tale Abbild des Gesche­hens gelangt als RAW-Datei* vom Spei­cher des Foto­ge­räts auf den Rechner. Dann beginnt der Bild­wer­dungs­pro­zess. Kon­traste werden ver­stärkt, Bild­be­reiche selektiv auf­ge­hellt oder abge­dun­kelt, Farben ent­sät­tigt oder dyna­misch ange­zogen und der Bild­aus­schnitt weiter ver­engt. Soweit der gän­gige Bild­ent­wick­lungs­pro­zess. Doch die belie­bige Form­bar­keit der Pixel in Kom­bi­na­tion mit hartem Kon­kur­renz­druck und dem Wunsch nach Aner­ken­nung ver­leitet zur bewussten Bild­ma­ni­pu­la­tion. Die Grenzen sind sicher­lich flie­ßend und werden von Foto­grafen, Bild­re­dak­teuren, Jour­na­listen und Gestal­tern zum Teil sehr unter­schied­lich gezogen. Durch Ent­fer­nung stö­render Bild­ele­mente oder durch Com­po­sing meh­rerer Bilder zu einem neuen Motiv ent­steht mit etwas Erfah­rung ein spek­ta­ku­läres Foto. Vom World Press Photo Award, dem wich­tigsten inter­na­tio­nalen Wett­be­werb für Foto­jour­na­lismus, wurde bekannt, dass fast ein Viertel aller Ein­sen­dungen in der letzten Jury­runde wegen zu starker digi­taler Bear­bei­tung aus­sor­tiert wurden.

Es wäre jedoch unfair und ein großer Fehler, Foto­grafen unter einen gene­rellen Mani­pu­la­ti­ons­ver­dacht zu stellen. Sie arbeiten oft unter dem Exis­tenz­mi­nimum und sind blose Zulie­ferer für eine glo­ba­li­sierte Medi­en­branche, die das öko­no­mi­sche, poli­ti­sche und gesell­schaft­liche System maß­geb­lich beeinflusst.

Eine ethi­sche Frage

Man könnte nun auf eine Kenn­zeich­nungs­pflicht für stark bear­bei­tete Pres­se­fotos hoffen — als Selbst­auf­lage der Ver­lage oder als gesetz­liche Rege­lung. Ob das nun wirk­lich helfen würde, um die Wahr­heit zu schützen, bezwei­fele ich. Denn es ist nicht nur das Bild, son­dern der Kon­text, der ent­scheidet, wie man eine Nach­richt inter­pre­tiert. Die Bild­un­ter­schrift kann völlig andere Sinn­zu­sam­men­hänge her­stellen. Ein anderer, als der vom Foto­grafen gewählte Bild­aus­schnitt kann die Aus­sage ins Gegen­teil verkehren.

Ant­worten

Was also tun? Bil­dung ist eine Ant­wort. Aller­dings müsste sie um wei­tere grund­le­gende Themen erwei­tert werden. Bild­be­trach­tung, Bild­be­schrei­bung und Bild­ana­lyse wären meines Erach­tens Bestand­teil einer unver­zicht­baren Bild- und Medienkompetenz.

Eine zweite Ant­wort kann die ganz bewusste Redu­zie­rung des per­sön­li­chen Medi­en­kon­sums sein. Weniger Nach­richten, weniger Wer­bung, weniger Fern­sehen. Das scheint im ersten Moment paradox. Wer sich jedoch von Bil­dern leiten und beein­flussen lässt, bleibt in Ste­reo­typen gefangen. Er kann sich kein eigenes, reflek­tiertes und dif­fe­ren­ziertes Bild der Wirk­lich­keit erschaffen.

* Eine Raw-Datei ist eine weit­ge­hend neu­trale Roh­datei in der Digitalfotografie.

 

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Mein Wahrzeichen Hamburgs

Seit ich das erste mal in Ham­burg war, liebe ich dieses Bau­werk. Wie ein Raum­schiff schwebt es ele­gant und majeste­tisch über den Dächern der Stadt. Schon aus der Ferne prägt es die Stadt­sil­hou­ette und gibt mir Ori­en­tie­rung. Was wäre Ham­burg ohne seinen Telemichel?

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Die Balance des Weißraums

Eine der wich­tigsten Auf­gaben in der Typo­grafie ist das bewusste Balan­cieren von Weiß­raum. Über die Buch­sta­ben­ab­stände, Wort­zwi­schen­räume und den Zei­len­ab­stand steuert man den Grau­wert, abhängig von der Schriftgröße.

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Schriftmuster Bodoni

Die Schrift­gie­ßerei D. Stempel AG hatte als Klas­si­zis­ti­sche Schrift eine Bodoni im Pro­gramm. Neben den Handsatz-Schnitten wurden in der kleinen Schriftmuster-Broschüre auch Linotype-Bleilettern für den Maschi­nen­satz beworben.

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Spurensuche in Oberfranken

Den Alltag ver­gessen, abschalten, genießen. Das kann man beson­ders gut im Got­tes­garten. Die herr­liche Gegend rund um Bad Staf­fel­stein bietet abwechs­lungs­reiche Land­schaften, viel Kultur und Well­ness. In fast jedem Dorf laden Brauerei-Gasthöfe zur Rast ein mit leckeren Bieren und frän­ki­scher Küche. Boden­ständig zeigt sich auch die regio­nale Typo­grafie. Als ich neu­lich dort wan­derte, sprangen mich Beschrif­tungen am Weges­rand an. Manche wirkten rus­tikal, andere unfrei­willig komisch oder hatten reich­lich Patina.

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Neuauflage von read + play

Typo­grafie ist eine spröde Lei­den­schaft. Die Wege zu ihr sind viel­fältig, zufällig, ver­worren. Wer sich im Dschungel der Grund­lagen und Publi­ka­tionen ori­en­tieren möchte, dem emp­fehle ich die Neu­auf­lage von read + play — Ein­füh­rung in die Typo­grafie von Ulysses Voelker.

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Hallo Zweitausendfünfzehn

Laboe

Ich wün­sche allen Lese­rinnen und Lesern ein erfülltes und gesundes neues Jahr.

Die Zeit scheint in der Schwebe. Der ruhige Jah­res­aus­klang klingt nach und der Alltag beginnt erst kom­mende Woche. Von Null auf Hun­dert. Stress und Rast­lo­sig­keit wird auch in Zwei­tau­send­fünf­zehn manchmal zur großen Belas­tung für jeden selbst. Viel­leicht tut gerade dann ein bewusstes Inne­halten gut. Mehr Gelas­sen­heit und Acht­sam­keit, das wün­sche ich mir und allen, die sich gerade in hek­ti­schen Zeiten getrieben fühlen.

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typecast für alle

Anfang 2013 schrieb ich über type­cast als prak­ti­sches, kos­ten­loses Werk­zeug, um ein­fache Weblay­outs direkt im Browser zu gestalten und testen. Der Clou dabei ist die gigan­ti­sche Aus­wahl von Web­fonts, die live getestet werden können. Kurz darauf wurde aus dem Ser­vice im Betasta­dium ein teuerer Bezahlservice.

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Eleganter von B bis Z.

Mar­ke­ting ist alles. Das weiß auch Apple – Meister im Ver­kaufen. Dem aktu­ellen Betriebs­system Yose­mite haben die Pro­dukt­ver­ant­wort­li­chen und Desi­gner eine neue Schrift beschert: Hel­ve­tica. Bereits von iOS bekannt, ärgert die Schrift nun auch den einen oder anderen Benutzer auf Desktop- und Laptoprechnern.

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