Mein Wahrzeichen Hamburgs

Seit ich das erste mal in Ham­burg war, liebe ich dieses Bau­werk. Wie ein Raum­schiff schwebt es ele­gant und majeste­tisch über den Dächern der Stadt. Schon aus der Ferne prägt es die Stadt­sil­hou­ette und gibt mir Ori­en­tie­rung. Was wäre Ham­burg ohne seinen Telemichel?

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Die Balance des Weißraums

Eine der wich­tigsten Auf­gaben in der Typo­grafie ist das bewusste Balan­cieren von Weiß­raum. Über die Buch­sta­ben­ab­stände, Wort­zwi­schen­räume und den Zei­len­ab­stand steuert man den Grau­wert, abhängig von der Schriftgröße.

Kleine Schrift — grö­ßere Weißräume

Hin und wieder ergeben sich in einem Layout wegen zu langer Texte Platz­pro­bleme. Viel­leicht ist man in der glück­li­chen Lage, den Text selbst kürzen zu dürfen oder kann dies an den Texter zurück­spielen. Wenn das nicht geht, hilft even­tuell eine Ver­klei­ne­rung von Textblöcken.

Beim Ver­klei­nern von Text ändert sich aller­dings der Grau­wert, denn der Weiß­raum im Text — Buch­sta­ben­zwi­schen­raum, Wort­ab­stand und Zei­len­ab­stand — geht ein kleines Stück weit ver­loren. Mit zwei kleinen Ein­griffen ver­bes­sert man nun die Lesbarkeit:

  • Mehr Lauf­weite
    Grund­sätz­lich sollten kleine Schrift­größen unter 8 bis 9 Punkt etwas mehr Lauf­weite erhalten. Der Wert hängt immer von der Schrift selbst ab. Manche Schriften sind von Haus aus schon recht luftig und benö­tigen nur wenig zusätz­liche Lauf­weite. Andere Schriften, die bei­spiels­weise eher schmale Buch­staben besitzen, benö­tigen hin­gegen mehr Lauf­weite. Der Buch­sta­ben­zwi­schen­raum ist der kleinste Leer­raum im Text.
  • Mehr Zei­len­ab­stand
    Der Zei­len­ab­stand ist der größte Leer­raum im Text­block. Daher sollte man ihn behutsam vergrößern.

kleine-schrift_mehr-luft

Im Bei­spiel wurde der Text auf 75 % ska­liert. Links ist die 1:1 Ska­lie­rung, rechts die opti­mierte Fas­sung: Die Lauf­weite wurde in InDe­sign um 20/1000 Geviert (bzw. um 4/1000 Geviert in Quar­kX­Press) erhöht und der Durch­schuss* um 2,75 0,6 pt angehoben.

Das Ergebnis ist ein luf­ti­gerer Text, der in der Anmu­tung deut­lich näher am Ori­ginal ist. Zwar benö­tigt man etwas mehr Raum. Das ist aber ange­sichts der ver­bes­serten Les­bar­keit absolut in Ordnung.

Große Schrift — klei­nere Weißräume

Bei richtig großen Über­schriften im Magazin oder auf einem Plakat wirkt ein Wort oder kurzer Text oft zu luftig. Die Buch­sta­ben­zwi­schen­räume wurden vom Schrift­de­si­gner für nor­male Lese­grade in kurzer Dis­tanz opti­miert. Hier sind sie aber deut­lich zu groß, denn das Ver­hältnis von Schwarz (Buch­stabe) und Weiß ist unaus­ge­wogen: Der Weiß­raum ist zu aktiv.

Die Lösung: Lauf­weite redu­zieren und das Kerning von kri­ti­schen Buch­sta­ben­paaren nach­jus­tieren. Auch hier gibt es keine Standard-Regel. Die Abstände müssen bei jeder Schrift indi­vi­duell ein­ge­richtet werden. Grund­sätz­lich ver­meide ich, dass sich Buch­staben, bei­spiels­weise an den Serifen, berühren. Aber manchmal ist gerade das ein bewusster Effekt. Für Über­schriften eignen sich spe­zi­elle Display-Fonts, die detail­rei­cher gezeichnet sind und schmaler laufen.

Lauf­weite in InDesign

Das Maß für Lauf­weite und Kerning ist das Geviert. InDe­sign lässt als kleinste Ände­rung 1/1000 Geviert zu. Im Zei­chen­menü ent­spricht die Zahl ›1‹ 1/1000 Geviert. Quar­kX­Press hin­gegen ist weniger fein. Hier ent­spricht die Zahl ›1‹ 1/200 Geviert. 5 InDesign-Einheiten sind dem­nach 1 Quark-Einheit.

InDesign-Zeichenpalette

Links: das Kerning, rechts: die Laufweite

Ich emp­fehle die Laufweiten-Voreinstellung von InDe­sign auf den Wert 5 zu ver­rin­gern (Stan­dard 20). Damit kann man Ände­rungen wesent­lich feiner jus­tieren. Mit­hilfe der Tas­tatur geht eine Ände­rung ganz schnell. Den Text mar­kieren (min­des­tens zwei Zei­chen) und Lauf­weite anpassen oder den Text­cursor zwi­schen zwei Zei­chen setzen und das Kerning ändern:

  • Lauf­weite erhöhen / ver­rin­gern: Alt + Pfeil nach rechts / links
  • Lauf­weite um den Faktor 5 erhöhen / ver­rin­gern: Alt + Com­mand + Pfeil nach rechts / links

 

* Der Begriff Durch­schuss stammt aus dem Blei­satz: er bezieht sich auf den Abstand von Buch­sta­ben­ke­geln im Blei­satz. Im digi­talen Satz ent­spricht der Durch­schuss dem Leer­raum zwi­schen Unter­kante der p-Linie zur Ober­kante der H-Linie eines Buch­sta­bens in der fol­genden Zeile.

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Schriftmuster Bodoni

Die Schrift­gie­ßerei D. Stempel AG hatte als Klas­si­zis­ti­sche Schrift eine Bodoni im Pro­gramm. Neben den Handsatz-Schnitten wurden in der kleinen Schriftmuster-Broschüre auch Linotype-Bleilettern für den Maschi­nen­satz beworben.

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Spurensuche in Oberfranken

Den Alltag ver­gessen, abschalten, genießen. Das kann man beson­ders gut im Got­tes­garten. Die herr­liche Gegend rund um Bad Staf­fel­stein bietet abwechs­lungs­reiche Land­schaften, viel Kultur und Well­ness. In fast jedem Dorf laden Brauerei-Gasthöfe zur Rast ein mit leckeren Bieren und frän­ki­scher Küche. Boden­ständig zeigt sich auch die regio­nale Typo­grafie. Als ich neu­lich dort wan­derte, sprangen mich Beschrif­tungen am Weges­rand an. Manche wirkten rus­tikal, andere unfrei­willig komisch oder hatten reich­lich Patina.

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Neuauflage von read + play

Typo­grafie ist eine spröde Lei­den­schaft. Die Wege zu ihr sind viel­fältig, zufällig, ver­worren. Wer sich im Dschungel der Grund­lagen und Publi­ka­tionen ori­en­tieren möchte, dem emp­fehle ich die Neu­auf­lage von read + play — Ein­füh­rung in die Typo­grafie von Ulysses Voelker.

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Hallo Zweitausendfünfzehn

Laboe

Ich wün­sche allen Lese­rinnen und Lesern ein erfülltes und gesundes neues Jahr.

Die Zeit scheint in der Schwebe. Der ruhige Jah­res­aus­klang klingt nach und der Alltag beginnt erst kom­mende Woche. Von Null auf Hun­dert. Stress und Rast­lo­sig­keit wird auch in Zwei­tau­send­fünf­zehn manchmal zur großen Belas­tung für jeden selbst. Viel­leicht tut gerade dann ein bewusstes Inne­halten gut. Mehr Gelas­sen­heit und Acht­sam­keit, das wün­sche ich mir und allen, die sich gerade in hek­ti­schen Zeiten getrieben fühlen.

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typecast für alle

Anfang 2013 schrieb ich über type­cast als prak­ti­sches, kos­ten­loses Werk­zeug, um ein­fache Weblay­outs direkt im Browser zu gestalten und testen. Der Clou dabei ist die gigan­ti­sche Aus­wahl von Web­fonts, die live getestet werden können. Kurz darauf wurde aus dem Ser­vice im Betasta­dium ein teuerer Bezahlservice.

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Eleganter von B bis Z.

Mar­ke­ting ist alles. Das weiß auch Apple – Meister im Ver­kaufen. Dem aktu­ellen Betriebs­system Yose­mite haben die Pro­dukt­ver­ant­wort­li­chen und Desi­gner eine neue Schrift beschert: Hel­ve­tica. Bereits von iOS bekannt, ärgert die Schrift nun auch den einen oder anderen Benutzer auf Desktop- und Laptoprechnern.

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Webfontday 2014

Am 8. November findet der nächste Web­fontday der Typo­gra­phi­schen Gesell­schaft Mün­chen (tgm) statt. Unter dem Motto »Modern Times in Digital Typo­graphy« werden euro­päi­sche und ame­ri­ka­ni­sche Font­ex­perten über die aktu­ellen Ent­wick­lungen in der Typo­grafie auf dem Bild­schirm spre­chen. Wei­tere Infor­ma­tionen zu Pro­gramm, Spre­chern und Kosten unter 2014.webfontday.de

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