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Schrift ist nicht alles, aber ohne Schrift ist alles nichts.

Ein Leben ohne Schrift kann ich mir nicht mehr vor­stellen. Egal was ich mache, egal wo ich bin — meine Augen bleiben an Schriften kleben, foku­sieren, suchen feinste Details, folgen gespannten Bögen, ertasten Serifen, erspüren Pro­por­tionen, schwimmen im Rhythmus von Schwarz und Weiß. Die Kurven einer fremden Schön­heit führen mich in Ver­su­chung, ver­zü­cken mich. Was wäre ein Leben ohne Schrift …?

Wer eine digi­tale Welt ohne Schrift erkunden möchte, muss nur das Plugin word­lessweb laden. Die fas­zi­nie­rende Spie­lerei, beraubt Web­sites gänz­lich ihrer Texte. Erst wenn das Gewohnte fehlt, merkt man, wie teuer es ist.

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Montan — eine verschollene Auszeichnungsschrift

Montan wurde 1954 von der Schrift­gie­ßerei D. Stempel AG für den Blei­satz ver­öf­fent­licht. Im 6seitigen Flyer heißt es: »Die D. STEMPEL AG bürgt für zweck­mä­ßige Gestal­tung und sorg­fäl­tige Aus­pro­bung von Akzi­denz­schriften. Sie ver­fügt über zwei wohl­aus­ge­baute Grotesk-Schrift-Familien: Reform-Grotesk und Neuzeit-Grotesk. Eine Ergän­zung ist unent­behr­lich. Unsere neue Montan, gezeichnet von Anna Maria Schild­bach, dient vor­nehm­lich zur Stei­ge­rung dieser end­stri­ch­losen Schriften, dar­über hinaus paßt sie zu jeder Grotesk-Type.«

Auf der Rück­seite wird die Schrift so cha­rak­te­ri­siert: »Die neue MONTAN beherrscht kräftig und zugleich elas­ti­sche Grotesk-Satzgruppen im Gesamt­be­reich der Wer­bung. Mit ihren aus­ge­run­deten Win­keln vermag sie sich aber auch mit Zeitungsantiqua-Schriften wie Melior und Excel­sior zu ver­ei­nigen. Der Wort­umriß der Montan ist recht­eckig, jedoch nie­mals starr oder hart. Die bewegte Innen­zeich­nung macht sie ange­nehm lesbar und anpassungsfähig.«

Ver­mut­lich war die rein ver­sale Aus­zeich­nungs­schrift Montan kein Ver­kaufs­schlager, denn eine Foto­satz­va­ri­ante und eine digi­tale Zeich­nung gibt es nicht.

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Urheberschaft im digitalen Zeitalter

In den letzten Wochen wütet im Netz ein erbit­tertes Gefecht um Urhe­ber­schaft, Copy­right und For­de­rung nach freiem Zugang zu digi­talen Inhalten. Beflü­gelt u.a. durch die Wahl­er­folge der Piraten und durch die Äuße­rungen Sven Rege­ners und 51 »Tatort«-Autoren, hat das Thema nun auch eine brei­tere Öffent­lich­keit außer­halb der Foren und Blogs erreicht. Leider findet kaum eine sach­liche Aus­ein­an­der­set­zung um die Sache statt. Mir scheint, als geht es hier um einen ideo­lo­gisch geführten Kampf, der vor allem von den Digital Natives geführt wird.

Urhe­ber­schaft — Nein danke

Die Befür­worter einer Was-im-Netz-steht-gehört-uns-Mentalität wollen ohne Skrupel über das geis­tige Werk anderer ver­fügen. Es wird mit absurden Argu­menten auf die Frei­heit des Netzes ver­wiesen und dass (Raub-) Kopieren ein selbst­ver­ständ­li­ches Recht im Netz sei. Diese Leute inter­es­siert es nicht, dass es viel Zeit, Können und eben oft auch Geld kostet, Inhalte zu erschaffen. Im Leben außer­halb des Netzes stellt dies komi­scher­weise kaum jemand in Frage. Wer Hunger hat, geht zum Bäcker und kauft ein Brot. Warum stiehlt man es nicht? Weil man für etwas bezahlt, was man selbst nicht her­stellen kann und weil es hier wohl ein Unrechts­ge­fühl gibt.

Das Foto zeigt eine Berthold-Disketten-Schachtel mit 8 Frutiger-Schnitten als Inhalt. Früher wurden Fonts noch auf Dis­ketten und später auf CDs ver­kauft. Die For­de­rung nach belie­bigem Kopieren digi­taler Inhalte betrifft auch Fonts, die eigent­lich als Soft­ware defi­niert sind. Nach dieser Hal­tung müssten Fonts kos­tenlos ver­fügbar sein. Ein Irr­sinn! Wer so etwas ernst­haft for­dert, der tritt die Urhe­ber­schaft und die Leis­tung der Typede­si­gner mit Füßen.

Urhe­ber­schaft — Ja klar

Die Urheber, Ver­lage und Rech­te­ver­werter wie GEMA wehren sich gegen die weit ver­brei­tete Alles-Haben-Wollen-Haltung, denn ihr Geschäfts­mo­dell ist massiv bedroht. In der ana­logen Zeit waren Texte, Musik oder Filme an einen phy­si­schen Träger gebunden. Zwar konnte damals auch kopiert werden, aber die Kopie war dann eben nur eine — mit einem gewissen Auf­wand ver­bun­dene — mate­ri­elle Kopie. Eine gren­zen­lose Ver­brei­tungs­mög­lich­keit gibt es erst, seitdem Inhalte digital gespei­chert werden. Neben der Spei­che­rung hat sich tat­säch­lich vieles geän­dert: Publi­zieren kann heute jeder. Man braucht dafür nur noch eine tech­ni­sche Platt­form und drückt aufs Publizieren-Knöpfchen, schon steht der Inhalt im Netz. Soziale Netze bieten Selbst­dar­stel­lern eine breite Bühne, jeder kann sein eigener Selbst­ver­markter sein. Aber so begrü­ßens­wert die DIY-Möglichkeiten sind, ohne eine eigene krea­tive Leis­tung sind sie nicht viel Wert. Wer nichts zu sagen hat, wer nicht ein gewisses Niveau bzw. Können vor­zu­weisen hat, der wird ein Körn­chen im Hin­ter­grund­rau­schen des Netzes bleiben.

Und jetzt?

Ich glaube, dass 98 % Aller, die die Praxis des grenzen- und kos­ten­losen Kopie­rens for­dern, selbst noch keinen nen­nens­werten Inhalt geschaffen haben, den andere Men­schen gerne nutzen würden. Der Urhe­ber­schutz sollte m.E. aber unbe­dingt über­ar­beitet werden: die über­trieben langen Lauf­zeiten von Schutz­fristen an geis­tigem Eigentum (bis 70 Jahre nach dem Tod des Urhe­bers) sind nicht sinn­voll. Hier wäre eine deut­liche Ver­kür­zung der Schutz­frist auf 10 Jahre nach dem Tod in den aller­meisten Fällen ausreichend.

Auf ZEIT Online erschien vor Kurzem ein lesens­werter Artikel, der ver­sucht, Ori­en­tie­rung im Streit übers Kopieren zu bringen. Beide Posi­tionen und mög­liche Lösungs­an­sätze werden knapp erläutert.

Update 12.05.
In der ZEIT haben mehr als 100 pro­mi­nente Kul­tur­schaf­fende einen Aufruf gegen den Dieb­stahl geis­tigen Eigen­tums unterzeichnet.

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Mustang — Reklameschrift von Imre Reiner, Stempel AG

Stempel ver­öf­fent­lichte 1956 die Rekla­me­schrift Mus­tang und bewarb sie mit  diesem kleinen Flyer. Die Schrift­schöp­fung wurde fol­gen­der­maßen cha­rak­te­ri­siert: »Imre Reiner hat nach der knor­rigen Wer­be­schrift Bazar eine zweite Schrift für uns ent­worfen, deren Art ganz anders, näm­lich dyna­misch ist. Mus­tang ist eine Lauf­schrift. Rasch und federnd, kraft­voll und ele­gant galop­pieren ihre Typen dahin, dicht gereit in ein­heit­li­cher Schräg­lage. Als Gra­phiker, Maler und Schrift­ge­stalter hat Imre Reiner inter­na­tio­nalen Ruf. Auch seine neu­este Schrift Mus­tang trägt das Siegel einer außer­or­dent­li­chen Künstlerpersönlichkeit.

Klaus Sutter über­trug die Schrift von den orginal Scha­blonen der Blei­vor­lage in eine digi­tale Fas­sung. Mus­tang ist bei Lino­type erhält­lich.

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Mein Erstkontakt mit dem (neuen) iPad

Ich gebe es zu: Bis letztes Jahr habe ich mich beharr­lich des iPads ver­wei­gert. Im Gespräch mit Kol­legen oder befreun­deten Desi­gnern habe ich stets die »Gadget-Nerds« belä­chelt. Und nun das: ich habe mir nun auch so ein Teil ange­schafft. Im Fol­genden beschreibe ich meine ersten Ein­drücke nach zwei Wochen Benut­zung und warum Screen-Typografie eine neue Dimen­sion erreicht.

Die Sicht eines Printdesigners

Für mich als typo­gra­fi­schen Gestalter sind Prin­ter­zeug­nisse aus der Druck­ma­schine das Maß aller Dinge. Das ist ein­fach eine Sache der Kon­di­tion, der inten­siven Beschäf­ti­gung mit Schrift und Typo­grafie im Print und deren Pro­duk­ti­ons­be­din­gungen. Die Haptik des Papiers, der Geruch von fri­scher Dru­cker­farbe oder der Atem eines Jahr­zehnte alten Buches formen einen sehr sinn­li­chen Erfah­rungs­hori­zont. Eines haben alle gedruckten Medien gemeinsam: die Gestal­tung ist so fest und unver­rückbar, wie die Pyra­miden von Gizeh. Und das ist der kna­ckende Punkt: Statik war ges­tern, Fle­xi­bi­lität ist heute. Wir leben in einer post­in­dus­tri­ellen Zeit, in der das Internet unseren Alltag auf den Kopf stellt. Digi­tale Kom­mu­ni­ka­tion und Ver­net­zung ist der abso­lute Mega­trend. Alles ist im Fluss, Infor­ma­tionen wan­dern dank twitter, Face­book & Co. schneller um den Globus, als es die klas­si­schen Medien zu ver­mit­teln in der Lage sind. Schrift ist letzt­lich nur eine Anhäu­fung von digi­talen Einsen und Nullen, die belie­bige Formen annehmen kann. Die klas­si­sche, nach bestem hand­werk­li­chen Können und Gefühl fest­ge­zurrte Typo­grafie gibt und gab es im Internet nicht (mit Aus­nahme von Flash). Das finde ich einer­seits bedau­er­lich, weil ich im Print gewohnt bin, Kon­trolle im 1/100 Geviert-Bereich zu haben. In der digi­talen Welt gibt es diese Fein­heiten so nicht, denn die Form des Con­t­ents ist zunächst Neben­sache. Erst die Ansteue­rung auf das End­gerät ent­scheidet, wie die Infor­ma­tion visua­li­siert wird. Die typo­gra­fi­sche Dar­stel­lung gene­riert sich aus den tech­ni­schen Gege­ben­heiten. Jeder Browser ren­dert Schrift anders, das Betriebs­system hat Ein­fluss auf die Dar­stel­lung der Schrift. Eine Web­site kann sich dank Responsive Design auf einem Smart­phone oder Tablet anders auf­bauen, als auf dem Desktop-Browser.

Meine Gründe für die Anschaf­fung des iPad

Ich bin ein Viel-Leser, der zwar nach wie vor Bücher, Maga­zine und Zei­tungen kon­su­miert, aber schon die letzten Jahre quan­ti­tativ mehr auf dem Bild­schirm liest. Es musste also ein Zweit­gerät für den digi­talen Medi­en­konsum her, auch um Arbeit und Frei­zeit wieder ein Stück besser zu trennen. Feierabend-Surfen von der Couch und schnelles Che­cken der Mails schienen mir auf einem Tablet ele­ganter und bequemer, als vom Arbeits­rechner aus.

Unter gestal­te­ri­schen und typo­gra­fi­schen Aspekten hat mich bren­nend inter­es­siert, welche Mög­lich­keiten Apps, iBooks und Response Web­sites bieten. Zwei der im Vor­feld her­bei­ge­sehnten Apps waren Insta­paper und Reada­bi­lity. Diese Tools ermög­li­chen es dem Nutzer, Artikel abzu­spei­chern und on- oder off­line zu lesen. Das geniale daran ist die ver­ein­fachte Dar­stel­lung als linearen Fließ­text mit hoch­wer­tigen Schriften, die sich gut bis sehr gut für die Dar­stel­lung auf dem Screen eignen. Insta­paper bietet u.a. Lyon Text (Com­mer­cial Type), Elena (Pro­cess Foundry), Tisa (Font­Shop), Ideal Sans (Hoefler & Frere-Jones). Reada­bi­lity setzt kom­plett auf Schriften aus dem Hause Hoefler & Frere-Jones: Whitney, Sen­tinel, Mer­cury, Gotham Narrow und Vitesse. Ich werde in einem eigenen Artikel noch genauer auf die ein oder andere hier genannte Schrift zu spre­chen kommen.

Was sich zunächst nur wie zwei kom­for­table Lese-Apps andeu­tete, stellt für mich tat­säch­lich eine Evo­lu­tion der Bildschirm-Typografie dar.
1. Der Text wird von stö­rendem Bal­last (kon­kur­rie­rende Artikel, Wer­bung, Inter­face, etc.) befreit. Der Text steht ganz pur auf dem Dis­play, ggfs. begleitet durch ein­ge­bun­dene Bilder. Meine Auf­merk­sam­keit ist durch nichts gestört.
2. Ich selbst habe nun einen deut­li­chen Ein­fluss darauf, wie ein Text dar­ge­stellt wird (Schriftart, Schrift­grad, Kolum­nen­breite, Zei­len­ab­stand, positiv, negativ).

Natür­lich bleibt die Text­struktur erhalten und sehr auf­wen­dige Artikel mit ver­schach­telten Tex­thier­ar­chien werden nicht unbe­dingt besser. Aber ein klas­si­scher, linearer Artikel wird zu einem Genuss: er regt zu Gedan­ken­gängen und Asso­zia­tionen an, neue Ver­knüp­fungen können leichter ent­stehen. In Kom­bi­na­tion mit dem fan­tas­ti­schen, hoch­auf­lö­senden Retina-Display bereitet das alles ein­fach sehr viel Freude.

Das Retina-Display

In der Bericht­er­stat­tung über das neue iPad war und ist das Retina-Display Thema Nummer 1. Zu Recht. Die Dar­stel­lungs­qua­lität ist sehr gut, denn die Auf­lö­sung hat sich um den Faktor 2 ver­grö­ßert. Ein Pixel im iPad der Vorgänger- Gene­ra­tionen wird nun durch 2x2 Pixel dar­ge­stellt. Bei nor­malem Lese­ab­stand sind ein­zelne Pixel nicht mehr bewusst sichtbar. Die Farb­dar­stel­lung und Hin­ter­grund­hel­lig­keit ist her­vor­ra­gend. Schrift steht unglaub­lich klar und kon­trast­reich auf dem Dis­play. Wäh­rend bei einem nor­malen Monitor irgend­wann Schicht im Schacht ist, Schrift nur noch als eine Anhäu­fung von sche­ma­tisch ange­ord­neten Pixeln erscheint, sind hier noch deut­liche Buch­sta­ben­formen mit cha­rak­te­ris­ti­schen Eigen­schaften zu sehen.

In meinem Blog ver­wende ich die Fedra Sans Screen als Schrift. Der Regular-Schnitt wird auch auf einem nor­malen Monitor her­vor­ra­gend dar­ge­stellt, aber der fette Schnitt schmiert in kleinen Schrift­graden zu. Auf dem iPad ist das nicht der Fall, selbst in relativ kleinen Schrift­graden wird der Schnitt sauber gerän­dert (Safari) und ist noch gut lesbar. (Der Screen­shot gibt die reale Qua­lität nicht annä­hernd wieder.)

Alles besser dank 264 ppi?

Desi­gner und Typo­grafen streiten momentan dar­über, ob die scharfe Schrift­dar­stel­lung gut oder ein zu Viel des Guten ist. Die Frage kann ich vor­erst nicht beant­worten, auch wenn die Begeis­te­rung für die prä­zise Dar­stel­lungs­qua­lität noch anhält. Ein Manko ist aber die etwas kühle, leicht ste­rile Anmu­tung der Schriften. Im Ver­gleich dazu wirkt das Schrift­bild auf einer gedruckten Seite wärmer, was u.a. am gerin­geren Kon­trast liegt. Schrift kommt mit nicht voll deckendem satten Schwarz aus der Druck­ma­schine, und das ver­wen­dete Papier hat in der Regel einen mehr oder weniger wahr­nehm­baren leichten Gilbton (richtig rein-weißes Papier hat dagegen einen leichten Blaustich). Wie sich das Retina-Schrift-Empfinden ent­wi­ckeln wird ist sicher­lich eine Sache der Gewohn­heit aber auch eine Frage, welche Lösungen man für die Kon­trast­pro­ble­matik finden wird.

Eine Sache aller­dings stört dann aber doch gewaltig: pixel­ba­sierte Inter­faces und viele Fotos wirken leider ver­wa­schen, da sie hoch­in­ter­po­liert werden müssen. Dieses Pro­blem ist aber eine ganz eigene, große Baustelle.

Hand­ge­fühl

Das Tablet ist in seiner puren Form natür­lich ein Hin­gu­cker und Hand­schmeichler. Es liegt gut in der Hand, auch wenn sich das Gewicht nach einer Weile des Hal­tens bemerkbar macht. Das Dis­play ist bei maxi­maler Ein­stel­lung sehr hell, mir rei­chen 50 % aus. Trotzdem ist das Gerät nicht für draußen im hellen Tages­licht, bzw. in der Sonne geeignet. Es spie­gelt ein­fach zu sehr.

iOS-Interface

Da ich iOS bis­lang nicht kannte, ist mir erst jetzt auf­ge­fallen, dass es eine große Kluft zwi­schen dem über jeden Zweifel erha­benen Pro­dukt­de­sign der Apple-Geräte und dem gra­fi­schen Inter­face gibt. Warum sind die sys­tem­ei­genen Basic-Apps wie Kalender, Notizen, Kon­takte und Zei­tungs­kiosk mit pseudo-realistischen hap­ti­schen Ober­flä­chen ver­sehen? Warum ver­sucht man, einen Anschein von Haptik zu erzeugen, wo keine ist? Das ist, wie Erik Spie­ker­mann es in einem sehr lesens­werten Artikel beschrieb, reiner Kitsch. Mir per­sön­lich wäre eine redu­zierte, eigen­stän­dige Interface-Ästhetik viel lieber, als das visu­elle Nach­äffen »realer Pro­dukte«. Was denkt ihr?

Arbeiten am iPad?

Wohl eher nicht, oder zumin­dest sehr ein­ge­schränkt. Apples Mar­ke­ting­ma­schine bezeichnet das iPad als Bereiter einer Post-PC-Zeit. Das mag viel­leicht für den Con­sumer Markt stimmen. Als echtes Arbeits­gerät taugt es jedoch meiner Mei­nung nicht. Das iOS ist eben ein bewusst abge­specktes Betriebs­system mit Fokus Online-Nutzung. Zu umständ­lich ist die Text­ein­gabe. Zu beschränkt sind die Sys­tem­funk­tionen, selbst Copy und Paste funk­tio­niert nur mit Hilfe von zusätz­li­chen Apps ver­nünftig. Ein Finder fehlt, o.K. hierfür gibt es auch Apps, aber ich habe keine kom­for­table Kon­trolle über die Dateien. Es gibt logi­scher­weise keine Tas­ta­tur­kürzel, die das Arbeiten im System oder in den Apps erleich­tern. Das Schreiben län­gerer Texte auf dem vir­tu­ellen Key­board ist ein Krampf. Es fehlen so grund­sätz­liche Dinge, wie ein Pfeil zum hin und her springen im Text. Zum Glück gibt es das Schreib­pro­gramm iA Writer, das in Kom­bi­na­tion mit dem Wire­less Key­board sehr gut funk­tio­niert und das wich­tigste Produktivitäts-Tool auf meinem iPad ist.

Fazit

Ich bereue den Kauf des iPads nicht, denn es ist sehr schnell zu einem selbst­ver­ständ­li­chen Teil meines All­tags geworden. Es ist ein per­fektes Kon­sum­gerät in schi­cker Lifestyle-Hülle. Es ist schnell und ein­fach in der Bedie­nung. Die unend­liche Begeis­te­rung will sich aber nicht ein­stellen. Dafür fehlt mir die unkom­pli­zierte Ver­knüp­fung zu meinem Arbeits­rechner. Meine Finger sind zu groß (oder wurstig?) für die absolut unkom­pli­zierte Ein­gabe von Text in kleinsten Fens­tern. Copy und Paste sind unausgegoren.

Das Schrif­tren­de­ring ist wirk­lich sen­sa­tio­nell. Die Dar­stel­lungs­qua­lität von Schrift auf dem Retina-Display ist sehr scharf und kon­trast­reich und kaum schlechter als auf einer gedruckten Seite. Aller­dings wirken Schriften oft auch einen Hauch zu dünn.

Ich bin gespannt, wie sich das iPad und die Konkurrenz-Tablets wei­ter­ent­wi­ckeln werden. Ob sich die hoch­auf­lö­senden Dis­plays tat­säch­lich als Stan­dard eta­blieren werden, ist für mich nicht zwin­gend klar. Es setzt sich nicht unbe­dingt immer die beste Tech­no­logie durch, son­dern die­je­nige, die von der breiten Masse bevor­zugt wird. Ich hoffe, dass das Retina-Display zum Stan­dard wird und wir neue Lösungen für digi­tale Typo­grafie finden, die unseren Seh­ge­wohn­heiten gerecht werden.

Der Text wurde mit Hilfe eines Wire­less Key­board auf iA Writer auf dem dem iPad geschrieben.

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