Tuna – eine charakterstarke Antiqua für Screen und Print

Wenn zwei Schriftgestalter mit unterschiedlichen Gestaltungsansätzen an einer Schrift arbeiten, kann man gespannt sein. Felix Braden und Alex Rütten haben das Experiment gewagt und die erfrischende Antiqua Tuna geschaffen, die im Print und auf Bildschirmen gleichermaßen gut lesbar ist. Ich hatte vor der Veröffentlichung Gelegenheit, die Schrift zu testen und Felix und Alex ein paar Fragen zu stellen.

Erster Eindruck

Als ich die Schrift­mus­ter­bei­spiele der Tuna das erste mal sah, gefiel mir sofort das infor­melle, kalli­gra­phisch anmu­tende Schrift­bild. Meine Augen konnten kaum vom breiten, herr­lich agilen kleinen e lassen oder dem schnit­tigen s wider­stehen. Und dann die flüs­sige Kursive! Nun wirkt eine Schrift in großer Darstel­lung natur­gemäß anders als im Mengen­text. Auffäl­lige Solisten treten zurück, markante Details verschwinden im orches­tralen Klang. In meinen eigenen Schriftsatz-​Mustern (6 bis 12 Punkt) wirkt der Grau­wert der Tuna fleckenlos und gleich­mäßig. Trotzdem ist das Schrift­bild lebendig, die Zeilen­bil­dung fantas­tisch und der Text hervor­ra­gend lesbar.

Konzept

Der Tuna liegt die Annahme zugrunde, dass hori­zontal betonte Buch­sta­ben­teile die Lesbar­keit einer Schrift positiv beein­flussen. Felix und Alex war die gute Lesbar­keit von Seri­fen­losen wie ›Antique Olive‹ (Roger Excoffon), ›Balance‹, ›FF Legato‹ (beide Evert Bloemsma) oder ›Signo‹ (Rui Abreu) aufge­fallen, die die waage­rechten Elemente betonen. Als Felix einen Vortrag von Alex zum Thema Bild­schirm­op­ti­mie­rung hörte, entstand die Idee, beide Konzepte zu kombi­nieren und eine cross­me­diale Text­schrift zu entwi­ckeln. Das Ziel war eine Schrift, die in Fließ­text­größen auf dem Bild­schirm genauso gut funk­tio­niert wie auf dem Papier.

Schreibtechnik und Darstellung auf der Bildschirmmatrix

Das Beson­dere an der Tuna ist die stark geneigte Schrift­achse mit einem Winkel von 40°. Durch das auf der Band­zug­feder basie­rende Konstruk­ti­ons­prinzip ergeben sich ähnliche Stärken bei den hori­zon­talen und verti­kalen Stri­chen und eine Beto­nung der Waage­rechten im Schrift­bild. Die fast gleich schweren hori­zon­talen und verti­kalen Elemente sind ideal für die Darstel­lung auf einer Bild­schirm­ma­trix, da die Buch­sta­ben­formen beim Hinting im Nach­hinein nur gering­fügig ange­passt werden müssen. Die Schrift ist in allen Schrift­graden auf dem Bild­schirm erstaun­lich konsis­tent. Der Vergleich zu Georgia und Times ist beein­dru­ckend.

Optimierung für den Bildschirm

Die Tuna ist so robust und offen gezeichnet, damit sie in allen Umge­bungen hervor­ra­gend lesbar ist – auf Papier genauso wie auf dem Monitor, dem Tablet, Smart­phone oder E-​Reader. Die stabilen Buch­sta­ben­formen und kräf­tigen Serifen halten auch widrigen Druck­be­din­gungen stand und gehen bei starker Hinter­grund­be­leuch­tung (Hell-​Dunkel-​Kontrast) auf dem Bild­schirm nicht verloren. Selbst in kleinen Schrift­graden funk­tio­niert die Schrift gut, denn die Punzen sind groß und offen gehalten und die groß­zü­gige x-​Höhe und breiten Buch­staben verhin­dern ein opti­sches Zulaufen der Weiß­räume.

Klar diffe­ren­zierte Buch­sta­ben­formen tragen dazu bei, dass Wort­bilder eindeutig erkannt und gelesen werden können. Die runden Buch­staben der Tuna sind super­el­lip­tisch ange­legt – die Kreis­bögen sind so weit wie möglich an die Recht­eck­form ange­nä­hert  und passen somit gut auf das Pixel­raster. Durch das perfekt ausba­lan­cierte Verhältnis von Schwar­zan­teilen (Buch­staben) und Weiß­raum, sowie den geringen Strich­stär­ken­kon­trast wirkt der Grau­wert gleich­mäßig und harmo­nisch.

Die Winkel besitzen ein Verhältnis von ganzen Zahlen und eignen sich gut für eine sauberes Rende­ring von diago­nalen Buch­sta­ben­ele­menten (z.B. Serifen).

Mithilfe des manuell opti­mierten TrueType-​Hintings wurde die Darstel­lungs­qua­lität in kleinen und mitt­leren Text­größen (9–14 pt) perfek­tio­niert. Tuna basiert auf einem Konstruk­ti­ons­prinzip, durch das bei kleinen Schrift­graden nur wenige Verän­de­rungen an Buch­sta­ben­formen erfor­der­lich sind. So bleibt der Charakter der Schrift in jeder Größe erhalten. Das Hinting opti­mierte Jan Gerner (Yanone) speziell für Clear­type und Direct­Write.

Ausbau der Tuna

Die Schrift­fa­milie umfasst fünf Gewichte mit jewei­ligen Kursiven: Light, Regular, Medium, Bold und Extra­bold. Aus den Mastern Light und Extra Bold wurden die drei Zwischen­stufen mithilfe von Luc(as) de Groots Inter­po­la­ti­ons­theorie gene­riert und anschlie­ßend fein abge­stimmt. Für eine knackige Überschrift-​Text-​Mischung eignen sich beson­ders Tuna Bold  /​ Tuna Regular, Tuna Medium /​ Tuna Light und Tuna Extra Bold /​ Tuna Medium.

Kursive

Die Kursive ist wunderbar kalli­gra­phisch anmu­tend. Man spürt förm­lich die zugrunde liegende schwung­volle Schreib­be­we­gung der Hand. So zum Beispiel bei den tiefen Einker­bungen des a, n, m, h, u, p, q, b, d, k und r, der Schlaufe des k und bei den gebo­genen Stri­chenden des v, w, und y. Zudem unter­stützen die weichen, abge­run­deten Serifen den flie­ßenden Duktus. Durch den kontrast­rei­cheren Charakter und die schma­lere Zeich­nung bieten die kursiven Schnitte eine gute Diffe­ren­zie­rung zur aufrechten Tuna inner­halb eines Absatzes. In großen Schrift­graden treten kalli­gra­phi­sche Details deut­lich hervor und verleihen Wörtern und Texten eine eigen­stän­dige funky Note.

Zeichensatz

Im Zeichen­koffer sind rund 720 Glyphen enthalten, darunter Kapi­täl­chen und fünf Ziffern­gar­ni­turen: Versal­zif­fern und Mediä­val­zif­fern in propor­tio­naler und gleich breiter Ausfüh­rung (z.B. für Tabellen), passende Ziffern zu den Kapi­täl­chen, sowie Ziffern für die wissen­schaft­liche Hoch- und Tief­stel­lung. Dazu gesellen sich die geläu­figsten Bruch­zif­fern und die Ordi­nal­zei­chen ª und º. Alle diese Glyphen sind über OpenType-​Funktionalität im Layout­pro­gramm wählbar. Sofern der Browser OpenType-​Funktionalitäten unter­stützt, können diese Features auch per CSS im Internet verwendet werden.

Fazit

Den beiden Schrift­ge­stal­tern Felix Braden und Alex Rütten ist ein großer Wurf gelungen. Tuna ist eine exzel­lent lesbare Text­schrift und zugleich charak­ter­starke Display­schrift mit attrak­tiven Details. Sie ist ein wahrer Allrounder für den cross­me­dialen Einsatz und eignet sich für Editorial-​Design und Buch­satz, aber genauso gut für lange Text­stre­cken auf Bild­schirm­me­dien aller Art.

 

 

Interview mit Felix Braden und Alex Rütten

Wie entstand die Tuna?

Felix: Ich bin ein großer Fan von kopf­las­tigen Schriften wie z.B. der ›Antique Olive‹ von Roger Excoffon und über­zeugt davon, dass die Beto­nung der Hori­zon­talen die Lesbar­keit fördert. Alex hat vor ein paar Jahren in Köln beim Typost­amm­tisch einen Vortrag zum Thema Bild­schirm­op­ti­mie­rung gehalten während er an einer Schrift arbei­tete. Dabei kam mir die Idee die beiden Konzepte zu verbinden und eine Lese­schrift für cross­me­diale Zwecke zu entwi­ckeln.

Alex: Vor ein paar Jahren dachte man in erster Linie an Hinting, wenn man von Bild­schirm­op­ti­mie­rung sprach. Die Idee, dass die Buch­sta­ben­formen selber einen großen Einfluss auf das Rende­ring und die Lesbar­keit am Bild­schirm haben, war nicht sehr verbrei­tetet. Das Thema wurde erst inter­es­sant, als die Unter­stüt­zung für Webfonts kam. Der Ansatz, Schriften speziell in Hinblick auf diese Anfor­de­rung zu gestalten, ist eher selten.

Es ist ungewöhnlich, dass zwei Typedesigner gemeinsam eine Schrift entwickeln. Wie seid ihr vorgegangen? Gab es auch mal Meinungsverschiedenheiten?

Felix: Aus der ersten Idee hatte ich einen Ansatz zur Schrift­ge­stal­tung entwi­ckelt, der sehr tech­nisch war. Ich hatte die Schrift am Rechner gezeichnet und ausschließ­lich mit Winkeln gear­beitet, die ideal für die Bild­schirm­dar­stel­lung sind. Die Erfah­rungen die ich Jahre vorher mit Pixel­schriften und daraus abge­lei­teten Vektor-​Fonts gemacht hatte, waren dabei sehr hilf­reich. Das Ergebnis in kleinen Schrift­graden war total über­zeu­gend und am Bild­schirm extrem gut lesbar. Leider wirkte es in besserer Auflö­sung sehr kühl, fast seelenlos. Ich habe die Schrift dann mit der Hand geschrieben und neu digi­ta­li­siert aber es half nichts: Ich hatte mich in eine Sack­gasse manö­vriert. Als ich Alex dann um Hilfe bat und er mir nach kurzer Zeit ein Rede­sign vorlegte, war ich total glück­lich.

Alex: Als mir Felix die Schrift zum ersten Mal gezeigt hat, sah sie tatsäch­lich noch gene­risch aus. Das Design hatte aber auch etwas. So dass ich gedacht habe, hier könnte sich ein zweiter Anlauf lohnen.

Meinungs­ver­schie­den­heiten gab es tatsäch­lich nur wenige. Ich denke, dass es damit zu tun hat, dass wir viele Punkte ähnlich gesehen und empfunden haben. Deshalb konnten wir oft die Kritik vom anderen nach­voll­ziehen. Ansonsten hat geholfen, dass keiner sich an Klei­nig­keiten fest­ge­klam­mert hat.

Welchen Stellenwert hat das Schreiben bzw. Zeichnen der Buchstaben im Entwurfsprozess?

Felix: Ich zeichne zwar regel­mäßig in ein Skiz­zen­buch, weil es die schnellste und einfachste Möglich­keit ist, eine Idee fest­zu­halten und kurz zu testen. Aber der Rechner hat für mich einen wesent­lich höheren Stel­len­wert im Entwurfs­pro­zess. Meine jüngsten Schriften ›Capri‹ und ›FF Scuba‹ sind auch eher konstru­ierte, tech­ni­sche Schriften und besitzen kaum orga­ni­sche, vom Schreiben abge­lei­tete Formen.

Alex: Konstru­ierte Schriften haben bei mir bis jetzt nicht sehr viel Inter­esse oder Begeis­te­rung geweckt – das ändert sich viel­leicht noch. Aber ich stehe viel mehr auf Formen, die sich aus dem Schreiben herleiten. Trotzdem verfalle ich oft genug der Bequem­lich­keit des Arbei­tens am Rechner. Wenn ich auf Papier skiz­ziere, merke ich aber wie intuitiv und schnell das ist. Hier kann man im Design-​Prozess wirk­lich viel Zeit sparen, zu unge­wöhn­li­chen Buch­sta­ben­formen kommen und einfach Spaß haben.

Wie schmal ist der Grad zwischen bestmöglicher Lesbarkeit und formaler Eigenständigkeit der Schrift?

Alex: Tatsäch­lich macht für mich vor allem diese Akro­batik den Reiz vieler Schriften und des Schrift­ge­stal­tens aus. Es gibt etwas zu entde­cken, wenn ich näher ran gehe. Wenn da nichts eigenes ist, wird es fad. Funk­tio­na­lität allein hat nicht den selben Reiz.

Felix: Headline-​Schriften dürfen durchaus einen deut­li­chen Charakter haben und Fließtext-​Schriften sollten in erster Linie funk­tional sein, also ange­nehm zu lesen. Da wir mit Tuna einen Allrounder schaffen wollten, mussten wir einen Weg finden, beide Ansprüche zu vereinen. Wir haben mit dezenten kalli­gra­fi­schen Details und Form­kon­trasten gear­beitet, die der Schrift in großen Schrift­graden einen deut­li­chen Charakter geben aber in Fließ­text­größen unsichtbar bleiben.

Tuna ist besonders für das Lesen am Bildschirm geeignet. Warum ist sie eine gute Alternative zur Georgia und anderen Screenoptimierten Schriften?

Felix: Das Beson­dere an Tuna ist die stark geneigte Schrift­achse. Dadurch sind die waage­rechten und die senk­rechten Elemente fast gleich schwer, was für die Abbil­dung auf einer Bild­schirm­ma­trix ein großer Vorteil ist. Das Groß­ar­tige ist, dass diese Art der »Bild­schirm­op­ti­mie­rung« eine ganz natür­liche ist, die nicht im Nach­hinein gemacht werden musste sondern auf dem Konstruk­ti­ons­prinzip der Buch­staben basiert. Starke Verän­de­rungen der Buch­sta­ben­formen im Hinting-​Prozess waren daher nicht nötig – dadurch ist die Schrift in allen Schrift­graden extrem konsis­tent. Vergleicht man eine hoch­auf­lö­sende Darstel­lung von Tuna mit ihrer 10px-​Version ist die Ähnlich­keit wesent­lich größer, als das bei Times und Georgia der Fall ist.

Georgia ist trotzdem eine groß­ar­tige Bild­schirm­schrift und in 10 oder 12 Pixel kaum zu verbes­sern! Aller­dings wurde sie vor zwanzig Jahren entworfen und für den Bild­schirm opti­miert. Durch die höheren Bild­schirm­auf­lö­sungen heut­zu­tage ist die reale Größe einer Schrift am Bild­schirm wesent­lich kleiner als damals und die kleinen Schrift­grade werden kaum mehr verwendet.

Alex: Die gute Georgia würde ich hier zum Vergleich nicht bemühen. Da orien­tiere ich mich lieber an zeit­ge­mäßen Schriften. Da gibt es mitt­ler­weile auch an Serifen-​Schriften vieles, was mich begeis­tert. Aber eben auch noch keine Schrift, die wie die Tuna ist!

Ich muss sagen, dass ich mit Regeln für die Qualität der Bild­schirm­dar­stel­lung mitt­ler­weile so meine Probleme habe. Ich entdecke immer wieder Beispiele von Schriften, deren Merk­male nicht die Krite­rien für eine guten Bild­schirm­dar­stel­lung haben; aber trotzdem funk­tio­nieren sie sehr gut. Da ist noch ein Faktor X am Werk oder die Auswir­kung der einzelnen Merk­male ist sehr unter­schied­lich stark. Ich habe den Eindruck, dass zum Beispiel die Eindeu­tig­keit und Erkenn­bar­keit der Buch­sta­ben­formen einen starken Einfluss hat.

Wie habt ihr die Schrift auf Praxistauglichkeit getestet?

Alex: Praxis­tests sind für mich das A und O und auch die einzige Möglich­keit, im Design-​Prozess eine solide Basis für Entschei­dungen zu haben. Ansonsten bin ich mir unsi­cher, was die genaue Ausge­stal­tung der Buch­sta­ben­form und die Zurich­tung angeht. Auch das Poten­tial einer Schrift zeigt sich hier sehr schnell. Deshalb fange ich mitt­ler­weile möglichst früh damit an, die Entwürfe in allen mögli­chen Arten von Anwen­dungen zu testen.

Felix: Ich schaue mir grund­sätz­lich schon die ersten Buch­staben, die ich gestalte, im Schrift­bild und auf unter­schied­li­chen Größen an. In der Anfangs­phase haben wir uns auf Test am Bild­schirm und im Ausdruck konzen­triert. Tobias Frere-​Jones hat auf der Typo Berlin im letzten Jahr gesagt, dass Schriften, die unter schlechten Druck- und Lese-​Bedingungen und in kleinen Größen funk­tio­nieren, auch am Bild­schirm eine gute Figur machen. Diese Erfah­rung kann ich bestä­tigen. Bei den späteren Tests, die wir am Tablet oder mit dem Smart­phone gemacht haben, mussten wir eigent­lich kaum mehr etwas verän­dern. Nur die Satz­zei­chen und die Hoch­zahlen haben wir recht spät noch einmal über­ar­beitet.

Vielen Dank, Felix und Alex und viel Erfolg für Eure Tuna!

 

Felix Braden studierte Kommu­ni­ka­ti­ons­de­sign an der Fach­hoch­schule für Kommu­ni­ka­ti­ons­de­sign in Trier und lebt seit 2003 als freier Schrif­ten­ent­werfer in Köln. 2000 grün­dete er die Freefont-​Foundry Flood­fonts. Seine kommer­zi­ellen Schriften vertreibt er über FSI Font­shop Inter­na­tional (FF Scuba), Foun­tain (Capri, Sadness, Grimoire), URW++ (Super­nor­male) und Volca­no­type (Bikini).

Alex Rütten studierte an der Fach­hoch­schule für Kommu­ni­ka­ti­ons­de­sign in Trier Typo­gra­phie. Er ist Typeface- und Interface-​Designer und Partner von Form­sport Design Studio, Berlin. Seine Schriften sind über Lino­type und FSI Font­shop Inter­na­tional erhält­lich. 2009 gewann er den TDC-​Award für seine erste Schrift »Ginkgo LT« und 2011 für »FF Suhmo«.

 

Weitere Infor­ma­tionen zur Tuna und den beiden Schrift­ge­stal­tern Felix Braden und Alex Rütten findet ihr auf der Tuna-​Microsite.

Tuna ist bei MyFonts für Desktop- und Webnut­zung erhält­lich. Neben Einzel­schnitten ist auch die Komplett­fa­milie mit 10 Schnitten zu einem vergüns­tigten Paket­preis verfügbar. Die Medium-​Schnitte sind kostenlos und frei für kommer­zi­elle Projekte verwendbar.

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Servus Zweitausendsiebzehn!

Allen Lese­rinnen und Lesern wünsche ich ein kraft­volles und gesundes neues Jahr.

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Fragen und Antworten zur Typografie im Netz

Typografie ist ein weites Feld. Egal ob Du Laie bist oder Dich professionell damit beschäftigst, es kommt der Punkt, am dem sich eine ganz spezifische Frage auftut. Ein paar Wissensquellen zu Grundlagen (Satz, Orthografie, Lesbarkeit) habe ich in einem älteren Beitrag empfohlen.

Zu spezi­fi­schen Fragen erhälst Du kompe­tente Antworten in einschlä­gigen Foren, beispiels­weise Typografie.info oder typedra­wers oder typo­phile. Da sich hier viele Typo-​Liebhaber enga­gieren, sind die Antworten in der Regel sehr hilf­reich. Wie in jedem Forum gilt das Gebot der Höflich­keit, zuerst die Thement­hreads nach der eigenen Frage­stel­lung zu durch­forsten, bevor Du einen Beitrag erstellst.

Eine weitere nütz­liche Quelle ist das englisch­spra­chige Portal Quora. Hier bietet der Typo­graf und Fach­autor Stephen Coles seine Exper­tise an. Der Schwer­punkt liegt auf Schrift. Also alles rund um Schrift­i­denti­fi­zie­rung, Schrift­emp­feh­lung, Schrift­for­mate und -lizenzen.

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Ruhe.

ruhe

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Pensum Pro – ein wahres Textmonster

Buchypografen aufgepasst: Mit der Pensum Pro bietet TypeMates ein vielseitiges Textmonster für lange Textstrecken an. Auf MyFonts.de stelle ich die Schriftfamilie vor und befragte deren Entwerfer Nils Thomson über ihre Entstehungsgeschichte und besonderen Merkmale.

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Digitale Schriftmuster

Auf typespecimens.io findest Du eine feine Auswahl digi­taler Schrift­muster von verschie­denen Type­found­ries. Ich finde es sehr beein­dru­ckend, wie aufwendig und lecker viele Schriften mit eigenen Mini-​Websites präsen­tiert werden. Mein Tipp: GT America ist ganz vorne dabei.

Mehrer Schrift­muster als thema­ti­sche »Wimmel­bilder« und Fund­grube für wirk­lich tolle Schrift­mi­schungen präsen­tiert Hoefler & Co. Discover Typo­graphy: ameri­ka­nisch, retro und state of the art!

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Guillemets und andere Besonderheiten in der französischsprachigen Typografie

Seit einem guten Jahr habe ich das Vergnügen, das Deutsche Forum für Kunstgeschichte Paris typografisch betreuen zu dürfen. Die Gestaltung ist meistens zweisprachig. Ein Spielplatz für Mikrotypografie!

Im Vergleich zum deutsch­spra­chigen Text­satz ist fran­zö­si­sche Detail­ty­po­grafie etwas aufwen­diger einzu­richten. Sie lässt sich aber mithilfe von GREP in InDe­sign gut bewerk­stel­ligen. Die folgenden Empfeh­lungen basieren auf einem Blog­bei­trag der Über­set­zerin Andrea Alver­mann. Falls Du fran­zö­si­sche Texte im Detail auf andere Art behan­delst, freue ich mich über einen Kommentar.

 

Leerzeichen vor doppelten Satzzeichen

Doppelte Satz­zei­chen werden mit einem geschützten Leer­zei­chen vom vorher­ge­henden Wort getrennt. Doppelte Satz­zei­chen sind Ausru­fe­zei­chen (!), Frage­zei­chen (?), Doppel­punkt (:), Semi­kolon (;), Anfüh­rungs­zei­chen (« ») und Prozent­zei­chen (%). Manche Kollegen meinen, dass der Leer­raum verrin­gert werden sollte, andere wider­spre­chen. Ich empfehle das anhand der Lauf­weite der verwen­deten Schrift zu entscheiden.

 

Anführungszeichen

Die Anfüh­rungs­zei­chen heißen im Fran­zö­si­schen Guil­le­mets. Sie zeigen mit der Spitze nach außen, genau umge­kehrt zur deut­schen Vari­ante. Sie zählen zu den doppelten Satz­zei­chen. Zitate inner­halb der wört­li­chen Rede werden entweder mit Anfüh­rungs­zei­chen oben (engli­sche Anfüh­rungs­zei­chen) oder eben­falls mit Guil­le­mets gekenn­zeichnet.

 

Semikolon und Doppelpunkt

Nach Doppel­punkt und Semi­kolon wird im Fran­zö­si­schen immer klein weiter­ge­schrieben.

 

etc.

Vor „etc.“ wird im Fran­zö­si­schen immer ein Komma einge­fügt.

 

Gliederung

In fran­zö­si­schen Glie­de­rungen gibt es eine Beson­der­heit, die das jeweils erste Element betrifft. Es handelt sich dabei immer um eine Ordnungs­zahl. Das bedeutet, es ist „article premier (oder article 1er), alinéa 1er, livre premier, première page, premier chapitre usw. und nicht „article 1“. Die weiteren Zahlen sind dann ganz normale Kardi­nal­zahlen, also article 2 usw.

 

Aufzählungszeichen

Aufzäh­lungen mit Aufzäh­lungs­zei­chen (z.B. Gedan­ken­strich) erhalten im Fran­zö­si­schen stets ein Semi­kolon am Ende jedes Glie­de­rungs­ele­ments, der letzte Spie­gel­strich wird mit einem Punkt beendet.

 

Datumsangaben

In Zahlen geschrie­bene Daten werden im Fran­zö­si­schen durch Schräg­striche getrennt. Bei ausge­schrie­benen Datums­an­gaben bekommt der Tag im Gegen­satz zum Deut­schen keinen Punkt.

 

Uhrzeit

Die Uhrzeit wird im Fran­zö­si­schen mit einem kleinen »h« zwischen den Zahlen gekenn­zeichnet. Achtung: Vor und nach dem kleinen »h« steht jeweils 1/​8 Geviert.

 

Zahlen

Im Fran­zö­si­schen wie im Deut­schen werden Zahlen in Drei­er­blöcke unter­teilt. Im Deut­schen sind diese durch Punkte oder geschützte schmale Leer­zei­chen zu trennen, während im Fran­zö­si­schen immer 1/​8 Geviert einge­fügt wird.

 

Auslassungspunkte

Im Fach­jargon nennt man die Auslas­sungs­punkte Ellipse. Sie werden im Fran­zö­si­schen ohne Leer­zei­chen direkt an das letzte Wort gesetzt, während im Deut­schen vor und hinter den Auslas­sungs­punkten ein Leer­zei­chen einzu­fügen ist.

 

Weiterführende Informationen

Eine zuver­läs­sige Quelle zu den mikro­ty­po­gra­fi­schen Spezia­li­täten des deut­schen Satzes findest Du bei typefacts.com. Dieses prak­ti­sche PDF listet die wich­tigsten Tasta­tur­kürzel für Mikro­ty­po­grafie in InDe­sign.

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Schreibnvaren

Das w in alternativer Buchstabenform

In den Weiten des Buchstabenkosmos tummeln sich allerlei Exoten. Manche sind ausgesprochen seltene Spezies. Eine solche ist das eigenwillige w, das wie eine Ligatur von n und v erscheint.

Die ursprüng­liche Zeich­nung dieser w-​Form sei wahr­schein­lich auf die Fraktur zurück­zu­führen, so Florian Hardwig. Bis in die Mitte des 20. Jahr­hun­derts war dieses w in Deutsch­land häufiger anzu­treffen, wie die Fassa­den­re­klame eines Memminger Schreib­wa­ren­ge­schäfts zeigt. Heut­zu­tage besitzen aller­dings nur wenige Fonts dieses eigen­wil­ligen w. Meine Favo­riten sind FF Hertz und die für Land­karten verwen­dete Kursiv­schrift. In dieser Liste findest Du weitere Schriften.

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An den Haaren herbeigezogen

Hairschaftszeiten

Friseure haben es heutzutage nicht einfach: Ein geringer Verdienst knapp über dem Mindestlohn und fehlender Nachwuchs einerseits, große Konkurrenz in den Städten andererseits. Kein Wunder, daß hier ausgefallene Geschäftsnamen so populär sind.

An Hair-​Designern aller Art haben wir uns ja schon lange gewöhnt. Neulich sah ich in der Schon­gauer Altstadt (Ober­bayern) eine beson­ders einfalls­reiche Verschmel­zung der haarigen Dienst­leis­tung mit einem baye­ri­schen Kraft­aus­druck. Was mir natür­lich beson­ders gefiel, war die zu Grunde liegende Schrift­wahl Peignot. Diese deko­ra­tive Type ist, wie wir schon im Grund­stu­dium lernten, DIE belieb­teste Schrift bei Friseuren. Warum das so ist, bleibt mir aller­dings ein Rätsel.

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