Schriftwahl professionell, Teil 1 — Botschaft

Wer kennt das nicht: ein neues Projekt steht in den Startlöchern, aber die Frage nach der richtigen Schriftwahl wird zur Qual. Was tun, wenn man sich unsicher ist? Der schlechteste Ansatz ist, nach persönlichem Geschmack auszuwählen und zu hoffen, dass es schon funktionieren wird. Der richtige Ansatz ist eine Schriftwahl nach objektiv nachvollziehbaren Gründen. Wie das geht, erfahrt ihr in einer mehrteiligen Reihe.

In Teil 1 geht es zunächst um ganz grund­sätz­li­che Fra­gen, auf deren Grund­lage Kri­te­rien für eine pas­sende Schrift­wahl getrof­fen wer­den kön­nen.

Botschaft, Sprache, Medium

Fol­gende Fra­gen müs­sen geklärt wer­den: Was ist der Inhalt der Bot­schaft? Wer ist die Ziel­gruppe? Wie soll kom­mu­ni­ziert wer­den?

In der visu­el­len Kom­mu­ni­ka­tion gilt das uni­ver­selle Prin­zip von ›Absicht und Wir­kung‹. Ein Ver­gleich mit der Spra­che macht das ver­ständ­lich. Die Spra­che ändert sich, je nach­dem, mit wem man spricht: mit dem Dackel, der Schwes­ter oder dem Poli­zis­ten. Ob das Absender-Empfänger-Verhältnis hier­ar­chisch, ver­traut oder amt­lich ist, bestimmt, wie befeh­lend, ver­traut oder distan­ziert man spricht. In allen drei Bei­spie­len geht es darum, sich am ver­ständ­lichs­ten und ange­mes­sen aus­zu­drü­cken. Auf die Typo­gra­fie über­tra­gen bedeu­tet das, dass ein Gestal­ter den Inhalt und die Absicht einer Bot­schaft ver­ste­hen und sie mit Hilfe typo­gra­fi­scher Mit­tel über­set­zen muss.

Es gibt viele Mög­lich­kei­ten, eine Bot­schaf­ten zu trans­por­tie­ren: Buch, Zei­tung, Flyer, Pla­kat, Inter­net, etc. Das pas­sende Medium spielt eine wich­tige Rolle für eine erfolg­rei­che Kom­mu­ni­ka­tion. Jedes Medi­en­for­mat besitzt spe­zi­fi­sche Erschei­nungs­for­men: die Art der Gestal­tung, der Umgang mit redak­tio­nel­len Text­ebe­nen, die Ver­wen­dung von Fotos, die Bild­spra­che und die Schrift­wahl. Diese Merk­male haben sich im Laufe der Zeit durch die wie­der­keh­rende Ver­wen­dung im kol­lek­tive Bewusst­sein der Rezi­pi­en­ten gefes­tigt.

Das Bei­spiel Buch zeigt: wer eine Urlaubs­lek­türe sucht, der erwar­tet ein Taschen­buch, das er am Strand ent­spannt lesen kann. Es darf eine bestimmte Größe nicht über­schrei­ten und muss hoch­for­ma­tig sein, damit es gut in der Hand liegt. Der hand­li­che Buch­kör­per und die lineare Les­art der Texte erfor­dern eine andere Typo­gra­fie und Schrift­wahl, wie bei einem Lexi­kon oder Koch­buch.

Zusammenfassung und Ausblick

Eine Bot­schaft erreicht die Ziel­gruppe, wenn sie im geeig­neten Medium und einer, den Erwar­tungs­hal­tungen der Emp­fänger ent­spre­chenden Form gestal­tet ist. Der Gestal­ter muss daher die Erschei­nungs­formen und Wir­kungs­weisen der ver­schie­denen Medien ken­nen.

In den kom­menden Bei­trägen beschreibe ich, warum sich bestimmte Schrif­ten für bestimmte Medien beson­ders eig­nen. Den Auf­takt machen Schrif­ten für lange lite­ra­ri­sche Lese­stre­cken — den Roman.

 

Zur wei­te­ren Lek­türe:
typo­gra­phie, Otl Aicher
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