Die interessantesten Schriften aus 2012

Alle Jahre wieder: rund um den Jahreswechsel erscheinen Best-​of-​Listen der Musik-, Film- und Buchbranche. Dieses Ritual ist natürlich auch in der Typeszene beliebt. Die kommerziellen Anbieter MyFonts und FontShop bieten Best-​of-​Listen, bei denen die Verkaufszahlen eine große Rolle spielen. Lieber sind mir aber die persönlichen Listen von Ivo Gabrowitsch /​ fontwerk und Christoph Koeberlin /​ typefacts. Die beiden FontShop-​Kollegen sitzen direkt an der Quelle und wissen, wovon sie sprechen.

Meine Highlights aus 2012

MarianMarian (Commercial Type)

Paul Barnes Marian ist ein span­nendes Archäo­lo­gie­pro­jekt: die Familie redu­ziert Grund­formen großer Schrift­klas­siker wie Gara­mont, Granjon, van de Keere, Fleisch­mann, Four­nier, Basker­ville, Bodoni auf ein mono­li­neares Skelett. Jeder Schnitt ist nach dem Erschei­nungs­jahr der jewei­ligen histo­ri­schen Vorlage benannt. Die komplette Familie ist somit ein chro­no­lo­gi­sches Zeugnis der Arbeiten der bedeu­tendsten Stem­pel­schneider seit Guten­berg.

ChartwellFF Chartwell (FontShop)

Der Infografik-​Font FF Chart­well begeis­tert durch die intel­li­gente Imple­men­tie­rung von OpenType-​Technologie. Einfach Zahlen­werte tippen, Farben auswählen und das OpenType-​Feature Liga­turen akti­vieren — schon wird eine voll editier­bare Info­grafik auf den Bild­schirm gezau­bert! Sieben Schnitte/​Charts stehen zur Auswahl und der zu Grunde liegende schmal laufende Font eignet sich hervor­ra­gend für Platz sparende Legenden.

Atlas_GroteskAtlas Grotesk (Commercial Type)

Atlas Grotesk basiert auf Dick Dooijes Mercator aus dem Jahr 1957. Diese Schrift war die nieder­län­di­sche Antwort auf die kommer­ziell erfolg­rei­chen Schriften aus der Schweiz und Deutsch­land — Neue Haas Grotesk (später Helve­tica), Univers und Folio. Der digi­tale Nach­fahre Atlas Grotesk ist eine gelun­gene Hommage und stilis­tisch zwischen der Univers und den American Gothics behei­matet.

NittiNitti (Boldmonday)

Meine liebste Monospaced-​Familie gibt es schon seit 2007. Aber Pieter van Rosmalen erwei­tert die Familie laufend und hat seiner Nitti 2012 kursive Schnitte spen­diert. Und seit letztem Jahr verbucht Nitti den Titel der erste Respon­sive­schrift einer App: sie ist die Inter­face­schrift von iA Writer. Die Schrift­gra­du­ie­rung der iPad- und iPhone-​Variante ist ein wenig fetter ange­legt, um die Darstel­lung auf Reti­na­dis­play und Desk­top­dis­play anzu­glei­chen.

Welches sind Eure Schrift­fa­vo­riten des letzten Jahres? Mitma­chen und gewinnen! Unter allen Antworten mit kurzer Begrün­dung verlose ich ein Exem­plar von Read + Play. Das Los entscheidet am kommenden Freitag, den 8. Februar.

11 Kommentare

  1. Fontwerk | Die besten Schriften 2012 am 1.02.2013

    […] Auch dieses Jahr durfte ich wieder meine Vorschläge für Font­Shops Best Type of 2012 beisteuern. Selbst­ver­ständ­lich haben auch wieder die Kollegen von Typefacts, MyFonts und Youwork­forthem ihre Rang­listen veröf­fent­licht sowie erst­mals Peter Glaab. […]

  2. Typefacts | Die besten Fonts 2012 am 1.02.2013

    […] Peter Glaab […]

  3. Best Of 2012 | The FontFeed am 5.02.2013

    […] TDC | TDC Typeface Design Winners 2012 Granshan | Granshan 2012 Winners Mori­sawa | Mori­sawa Type Design Compe­ti­tion 2012 Font­Shop | Best Type of 2012 Typefacts | The best fonts of 2012 Font­werk | Die beste Schriften 2012 Peter Glaab | Die inter­es­san­testen Schriften aus 2012 […]

  4. Best Of 2012 | The FontFeed am 5.02.2013

    […] TDC | TDC Typeface Design Winners 2012 Granshan | Granshan 2012 Winners Mori­sawa | Mori­sawa Type Design Compe­ti­tion 2012 Font­Shop | Best Type of 2012 Typefacts | The best fonts of 2012 Font­werk | Die beste Schriften 2012 Peter Glaab | Die inter­es­san­testen Schriften aus 2012 […]

  5. Oliver R. am 6.02.2013

    Greta · Ich wundere mich immer, wenn ich lese dass es Typo­grafen gibt die nur mit einer hand­voll Schriften auskommen. Wenn man die Schrifts­ippe Greta als eine Schrift auffasst kann ich das dann aber wieder nach­voll­ziehen. Ich habe das Schrift­mus­ter­heft­chen vor mir liegen und bin überaus über­rascht wie viel­seitig die Schrift ist. Lässig und kühn in Lese­text­größen und dann über­ra­schend detail­reich in Schau­größe.
    http://www.typotheque.com/fonts/greta_text

    Telefon · Das beson­dere an dieser »geome­tri­schen« Grotesk sind die tief sitzenden Quer­striche z.B. beim A oder H. Diese Beson­der­heit ist mir jetzt schon zwei Mal in kürzerer Zeit bei Kino­pla­katen aufge­fallen. Viel­leicht ein neuer Trend? Sicher­lich nicht die erste Schrift die das so umsetzt, aber eine davon. Das Minuskel-​a gefällt mir auch sehr gut: mutig und damit modern.

  6. Ivo am 7.02.2013

    Wie ich in meiner Liste bereits geschrieben habe, ist mein Top-​Favorit die Harriet von Jackson Cava­n­augh. In der Zwischen­zeit habe ich mich jedoch immer mehr in die Edward von Hendrik Weber verguckt. Die wird immer besser, je mehr man sich mit ihr beschäf­tigt. Ich mag es, wie sie briti­schen Huma­nismus mit deut­scher Gründ­lich­keit verhei­ratet hat.

  7. ulli am 7.02.2013

    mein high­light aus 2012 ist die „nyte“ von dino dos santos (http://dstype.com/fonts/nyte/). diese wunder­bare schrift wurde 2009 für das new york times maga­zine entwi­ckelt und basiert auf dem grund­ge­rüst der „esta pro“. sie ist mit sieben fette­graden von thin bis black samt kursive extrem gut ausge­baut und taugt in entspre­chenden größen auch als webfont.

  8. Falki am 8.02.2013

    Defi­nitiv mein Favorit: Apercu von The Entente. Bereits 2010 erschienen bei Colo­phon und mitt­ler­weile oft zu sehen, unter anderem auch im Zeit Magazin im Einsatz. Meiner Meinung eine der neuen Groteskschriften, die wie viele zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts noch eine Form­suche aufweisen (einige Schriften aus dieser Zeit galten wohl auch als Vorlage, wie z.B. Fran­klin Gothic). Gerade dass diese Schrift nicht 100%ig perfekt ist, macht sie für mich inter­es­sant, macht den Reiz und Schön­heit aus. Etwas ruppig und sperrig, mit ein paar Kanten, nicht zu glatt und gesichtslos.

  9. Peter am 8.02.2013

    Hallo liebe Schrift­freunde, vielen Dank für die Kommen­tare zu Eurer Schrift des Jahres! Die Verlo­sung fand unter amtli­cher Aufsicht von Emma W. statt. Ein Exem­plar des groß­ar­tigen READ+PLAY geht an Oliver. Herz­li­chen Glück­wunsch!

  10. 26+ » Bestenlisten 2012 am 21.02.2013

    […] »Die inter­es­san­testen Schriften aus 2012« von Peter Glaab […]

  11. how we do it am 4.04.2013

    Exactly how did you manage to create a real great group invol­ving commen­ters to your internet site?