Fotosatz — eine Schriftvorlage für mehrere Größen

Berthold Diatronic Schriftschreibe

Obwohl die Berliner H. Berthold AG bereits 1993 in Konkurs ging, ist ihr Name noch immer für eine Reihe von Schriftklassikern bekannt, allen voran Akzidenz Grotesk. Neben der Schriftproduktion hat das Unternehmen u.a. ab den 1960er Jahren Fotosatzgeräte entwickelt und vertrieben. Ein kleines, kompaktes System war die diatronic von 1967.

Beim opto­me­cha­ni­schen Satz­ver­fah­ren wur­den die Schrift­zei­chen mit Hilfe einer Nega­tiv­scha­blone (Abbil­dung oben) auf Foto­ma­te­rial belich­tet. Die Zei­chen wur­den manu­ell über eine elek­tro­ni­sche Tas­ta­tur ein­ge­ge­ben. Im Ver­gleich zum DTP war das Set­zen umständ­lich, weil die Daten zei­len­weise an die Foto­ein­heit geschickt und jeweils ein­zeln aus­ge­schos­sen wur­den. Das inte­grierte Dis­play ermög­lichte ledig­lich eine Kon­trolle des zuletzt ein­ge­ge­be­nen Zei­chens, sowie wich­ti­ger Satz­pa­ra­me­ter (Schrift­größe, Zei­len­ab­stand).

Das Gerät konnte acht Schriftschei­ben in sei­nem Maga­zin auf­neh­men. Eine Schriftscheibe beinhal­tete Groß- und Klein­buch­sta­ben, Zif­fern, Inter­punk­tio­nen und eini­gen Son­der­zei­chen. Durch die Kom­bi­na­tion der Schriftschei­ben war gemisch­ter Satz mög­lich. Die oben abge­bil­dete Schrift­scha­blone zeigt Ed Ben­gui­ats Tif­fany, ursprüng­lich erschie­nen bei ITC im Jahr 1974.

Im Blei­satz wurde jeder Schrift­grad optisch ange­passt*, um den Cha­rak­ter des Schrift­bil­des und die Leser­lich­keit von der kleins­ten bis größ­ten Druck­größe wah­ren zu kön­nen. Diese Arbeits­schritte waren extrem arbeits- und zeit­auf­wen­dig. Mit Hilfe der dia­tro­nic Schrift­scha­blone wur­den dage­gen Schrift­grade von 6 bis 20 Punkt belich­tet. Eine Design­größe war nun für meh­rere Schrift­grade zustän­dig, was den Pro­duk­ti­ons­auf­wand deut­lich ver­rin­gerte, aber zu Las­ten der Schrift­bild­qua­li­tät gehen konnte.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen zur dia­tro­nic Setz­ma­schine: Wiki­pe­dia

* Diese Aussage gilt für die Zeit vor der Einführung des Pantografen Ende des 19. Jahrhunderts. Das Gerät ermöglichte die 1:1 Skalierung einer Schriftvorlage auf andere Schriftgrade.

3 Kommentare

  1. Carmen Mauerer am 31.05.2013

    Schön, danke für die kurze Erklä­rung und das Anschau­ungs­ma­te­rial! Werde dem­nächst ein Refe­rat hal­ten und da ich darin den Foto­satz kurz anspre­che, scha­det es nicht, zu wis­sen, wie die Geräte dazu aus­sa­hen! :)

  2. Peter am 31.05.2013

    Freut mich, dass Du die Infos gebrau­chen kannst :-)

  3. Harald am 3.11.2014

    Nach unse­rem Tele­fo­nat, habe ich mal wie­der ein wenig nach H. Bert­hold AG gestö­bert. Dabei bin ich auf diese Seite gestos­sen, hehe.

    Ist das die Schriftscheibe die Du von mir bekom­men hast?
    Ich glaube Du musst wirk­lich ein­mal hier vor­bei schauen. Ich habe vor kur­zem mit Bar­bara das Papier­la­ger auf­ge­räumt. Wir haben sicher einige Tau­send Pla­kate aus den 60er und 70er Jah­ren ent­sorgt, da viele Beleg­ex­em­plare vor­han­den waren. Von eini­gen Pla­kate waren noch meh­rere hun­dert vor­han­den.
    Alles alter Buch­druck.

    Liebe Grüße
    Harald