Das große Einmaleins der Typografie für Nicht-​Gestalter

Matthew Buttericks neue Website ist ein Online-​Buch über Typografie für Nicht-​Gestalter. Also alle jene, die selbst Texte schreiben oder fürs Büro in Form bringen müssen.

Mat­thew ist ein umtrie­biger Gestalter, Typo­graf, Typede­si­gner und Anwalt. Er ver­öf­fent­lichte 2008 seine Web­site typo​gra​phy​for​la​wyers​.com, um seinen Kol­legen Tipps für eine bes­sere Typo­grafie bran­chen­ty­pi­scher Doku­mente zu bieten. Und weil die Reso­nanz so über­wäl­ti­gend war, machte er daraus ein pra­xis­nahes Buch.

Dieses Buch ist Grund­lage für seine neue Web­site. Anders als dort, ist Butterick’s Prac­tical Typo­graphy für eine breite Ziel­gruppe geschrieben; näm­lich alle jene, die Text­do­ku­mente für Büro, Uni, Verein oder Behörde erstellen müssen. Wie aber ver­mit­telt man die Rele­vanz von guter Typo­grafie einem Nicht-​Gestalter? Mat­thew schreibt dar­über im Kapitel why Typo­graphy mat­ters auf über­zeu­gende Art und stellt die rich­tigen Fragen: what is typo­graphy? (Über seine Defi­ni­tion kann man streiten, daher unbe­dingt Erik Spie­ker­manns Vor­wort lesen.) who is typo­graphy for? why does typo­graphy matter? what is good typo­graphy? where do the rules come from?

Der Autor schreibt in einem lockeren, ver­ständ­li­chen Stil über alle Typo-​Belange, die einem bei der Arbeit mit Office-​Programmen berühren können. Liebe pro­fes­sio­nelle Desi­gner und DTP-​Freunde, nicht mit der Nase rümpfen. Denn unab­hängig von der Office-​Software-​Umgebung hält er viele wich­tige Regeln und Emp­feh­lungen für Satz und Layout bereit. Und dar­über hinaus berück­sich­tigt er auch das Thema Web-​Typografie.

Ganz selbst­be­wusst heißt das erste Kapitel Typo­graphy in ten minutes, das zweite Sum­mary of key rules. Alleine damit lernt jeder Typografie-​Einsteiger die wich­tigsten Begriffe kennen und ver­meidet Standard-​Fehler, wie z.B. über­mäßig groß gesetzten Fließ­text oder zu lange Zeilen. Leider sind die Texte in Eng­lisch geschrieben. Typo­gra­fi­sche Fach­be­griffe sind für deutsch­spra­chige Leser im Fließ­text manchmal schwer ver­ständ­lich. Aber jeder Begriff ist in Kapi­täl­chen her­vor­ge­hoben und führt bei Klick zu einer Art Glossar, das diesen anschau­lich erläu­tert.

Wei­tere Kapitel sind Type Com­po­si­tion (die rich­tige Zei­chen­wahl), Text For­ma­ting, Times New Roman, Font Recom­men­da­tions, Page Layout, Sample Docu­ments und Appendix.

Kurz ein paar Worte zum Layout: sehr klar struk­tu­riert, sehr gut lesbar, ein­fach klasse gesetzt, ein über­zeu­gendes (respon­sives) Layout und eine her­vor­ra­gende Navi­ga­tion. Typo­grafie par excel­lence!

Mat­thews Hybrid-​Website ist zugleich ein Expe­ri­ment in Sachen Ver­trieb und mone­täre Ein­nah­me­quelle. So appel­liert er an seine Leser, sich für die wert­vollen Infor­ma­tionen erkennt­lich zu zeigen.

Fazit:

Ich lehne mich bestimmt nicht zu weit aus dem Fenster, dass Butterick’s Prac­tical Typo­graphy DIE neue eng­lisch­spra­chige Web-​Referenz zum Thema Typo­grafie für Nicht-​Gestalter UND Gestalter werden wird. Der lockere, ame­ri­ka­ni­sche Schreib­stil nimmt den manchmal tro­ckenen Themen (z.B. Regeln) seine Härte. Natür­lich ist pro­fes­sio­nelle Typo­grafie in der Summe viel mehr als das Aus­wen­dig­lernen von Regeln und stumpfe Befolgen von Emp­feh­lungen. Aber das ist auch nicht Ziel der Lek­türe. Mat­thews prag­ma­ti­sche Emp­feh­lung für seine Ziel­gruppe: »I as­sume that your goal is to get the best ty­po­graph­ic re­sults for the low­est cost, and that noth­ing is more cost­ly than your time.«