Bildmanipulation beim SPIEGEL

Fotos können durch das Einfügen von Bildelementen eine andere Bedeutung erhalten. In Verbindung mit Text ist dies ein wirksames Mittel, um falsche Tatsachen zu konstruieren. Auch seriöse Nachrichtenmagazine bedienen sich dieses Mittels, um Aufmerksamkeit und Auflage zu steigern.

Die Macher des SPIEGEL grif­fen in der Aus­gabe vom 6. April 1992 zu frag­wür­di­gen Mit­teln, um die ver­meint­li­che Bedro­hung von Asy­lan­ten zu doku­men­tie­ren. Damals gab es eine hit­zige Debatte um die Auf­nahme bzw. Abschie­bung von Asy­lan­ten, ange­facht durch men­schen­ver­ach­tende rechts­ra­di­kale Gewalt gegen Aus­län­der und Asy­lan­ten. Der Titel lau­tete »ASYL – Die Poli­ti­ker ver­sa­gen«. Das Foto zeigt einen gro­ßen Andrang von Asyl­su­chen­den vor der Antrags­stelle Berlin-Tiergarten. Der Men­schen­strom drängt durch zwei zur Seite gedrück­ten Torflügel auf den Betrach­ter zu. Zwei uni­for­mierte Bundesgrenzschutz-Beamte kön­nen die Mas­sen nicht aufhalten.

Das Titel­bild ist eine Bild­ma­ni­pu­la­tion. Tat­säch­lich wur­den die bei­den Beam­ten in das Foto hin­ein­mon­tiert, um das Bedro­hungs­po­ten­zial der angeb­li­chen Asy­lan­ten­flut zu dra­ma­ti­sie­ren. Die Kom­bi­na­tion der Über­schrift mit dem sym­bol­haf­ten Bild schürt die Angst vor den Fol­gen einer taten­lo­sen Asyl­po­li­tik. In der Art der Insze­nie­rung steckt eine ein­deu­tige Hand­lungs­an­wei­sung: »Schließt die Tore, um die Flut ein­zu­däm­men, weil die Poli­ti­ker versagen«.