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FF Franziska – Jakob Runge über die Neuveröffentlichung seiner Schriftfamilie

Letztes Jahr veröffentlichte der Designer Jakob Runge seine Masterthesis-Schrift Franziska im Eigenvertrieb. Die hochwertige Antiqua-Schrift hat in der Typo-Szene viel positive Resonanz geerntet. Zwischenzeitlich konnte Jakob FontFont von den Qualitäten seiner Franziska überzeugen, wo sie in Kürze als Teil der FontFont-Bibliothek erscheinen wird. Für mich Anlass, ein exklusives Vorab-Interview mit dem sympathischen Schriftgestalter zu führen.

Jakob Runge ist spe­zia­li­siert auf die Ent­wick­lung von Schrif­ten und Wort­mar­ken für Cor­po­rate und Edi­to­rial Design. Nach dem Stu­dium im Fach­be­reich Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­sign an der Fach­hoch­schule Würz­burg (BA) und der Muthe­sius Kunst­hoch­schule in Kiel (MA) arbei­tet er aktu­ell in Mün­chen als selb­stän­di­ger Schrift- und Mar­ken­ge­stal­ter sowie typo­gra­fi­scher Bera­ter.

Jakob, Deine Schrift Franziska hast Du bislang selbst vermarktet, am kommenden Mittwoch erscheint sie als FF Franziska beim Berliner Label FontFont. Welche Idee steckt hinter Deiner Schrift?

Die Aus­gangs­idee der Fran­ziska war schlicht und ein­fach: Ich wollte mal eine Text­schrift machen — sozu­sa­gen als Gesel­len­stück — um zu lernen, wie ich eine zurück­hal­tende und funk­tio­nale Schrift mit künst­le­ri­schen Formen in Ein­klang bringe und letzt­lich auch ein ganzes System aus Gewich­ten und Aus­zeich­nungs­schnit­ten orga­ni­sie­ren kann. Meine Mas­ter­the­sis an der Kunst­hoch­schule in Kiel war dazu eine gute Gele­gen­heit: Ich hatte Zeit und u.a mit Albert-Jan Pool einen Betreuer, der mir viele Kniffe bei­brin­gen konnte. Im Feld der Text­schrif­ten mit Seri­fen, also dem was wir oft gesetzt in Antiqua-Schriften lesen, habe ich mir dann noch einige kon­zep­tio­nelle Punkte gesetzt, um der Fran­ziska einen eige­nen Cha­rak­ter zu geben. Ideen, die letzt­lich auch Font­Font über­zeugt haben, die Schrift zu publi­zie­ren.

Der tat­säch­li­che Kern­ge­danke der Fran­ziska lässt sich als einen Mix aus Beob­ach­tun­gen in vor­han­de­nen Text­schrif­ten und Schrift­klas­si­fi­ka­tio­nen zusam­men­fas­sen: Die Ana­to­mie der Fran­ziska ist ähn­lich der huma­nis­ti­schen Schrif­ten der Renais­sance gestal­tet; der sta­ti­sche Über­zug stammt aus dem Klas­si­zis­mus und der Strich­stär­ken­kon­trast wie­derum ist eine Syn­these aus robus­ter Egyp­ti­enne und feiner Anti­qua. Dieses Prin­zip setzt sich dann in den ein­zel­nen Gewich­ten fort: Die dünns­ten Extreme haben, ähn­lich einer Slab Serif, einen kaum merk­li­chen Kon­trast, die kräf­ti­gen Extreme ten­die­ren ein­deu­tig zur kon­trast­be­ton­ten Anti­qua. Runde Trop­fen­se­ri­fen sind hart ange­schnit­ten und die für gewöhn­lich kan­tige Seri­fen dage­gen leicht abge­run­det. Und dann kommt noch eine Kur­sive, die schon fast wieder auf­recht ist, zugleich aber viele Ele­mente aus einer schnel­len und geneig­ten Hand­schrift über­nimmt. Fran­ziska ist also im Großen und Ganzen recht durch­schnitt­lich, weil sie von allem etwas hat und haben möchte, lässt sich aber auch nicht auf ein bestimm­tes Kli­schee fest­na­geln. 

Diese ver­schie­de­nen Ideen und der grund­sätz­li­che Gedanke des Hybri­den haben aber auch funk­tio­nale Gründe: Die Schrift wirkt — durch den leich­ten Kon­trast – wie eine bekannte Text­schrift, bleibt aber, durch den Ver­zicht auf sehr feine Linien, robust. Das ist, gerade unter schlech­ten Druck­be­din­gun­gen oder auf nied­rig auf­lö­sen­den Bild­schir­men, ein Vor­teil. Zudem machen die ver­schie­de­nen Ten­den­zen inner­halb der Fami­lie die Schrift zu einem sehr facet­ten­rei­chen Gestal­tungs­werk­zeug. 

Die Kursive ist recht lebendig, auch als Auszeichnung innerhalb eines Textabschnittes. Warum ist sie im Vergleich zur Roman extrovertierter?

Die Kur­sive ist schlicht­weg extro­ver­tier­ter, weil sie es sich leis­ten kann: Wäh­rend die Roman sei­ten­weise Fließ­texte leis­ten muss, kann die Italic ab und an ein High­light, eine kurze Aus­zeich­nung vor­neh­men. Die Kur­sive war also von Anfang an als eigen­stän­dige Schrift geplant, die sich durch die Form statt durch einen geneig­ten Winkel dif­fe­ren­ziert. Im Ent­wick­lungs­pro­zess habe ich dann auch peu à peu den Winkel der Kur­si­ven immer weiter redu­ziert und die fast hand­schrift­li­che Form immer weiter ver­stärkt, sodass Roman und Italic letzt­lich nur noch bedingt ver­wandt sind. Diese Idee zur Kur­si­ven liegt auch in der his­to­ri­schen, unter­schied­li­chen Ent­wick­lung von Roman und Italic, die ich in der moder­nen Fran­ziska wieder auf­grei­fen wollte. Darum haben auch die Groß­buch­sta­ben und Zif­fern eine eigene, kur­sive Form erhal­ten und sind nicht ein­fach nur schräg gestellt — letzt­lich ist kaum ein Zei­chen in der Italic gestal­tet wie in der Roman. Einzig beim Para­gra­phen­zei­chen (§) hat mich Font­Font über­zeugt die expres­sive Form als Alter­na­tiv­zei­chen aus­zu­la­gern.

Wie ist der Entwicklungsprozess abgelaufen? Hast Du viel mit der Hand geschrieben, hast Du Dich durch Schriftmuster-Recherche inspirieren lassen oder waren bestimmte charakteristische Formen schon im Hinterkopf?

Zunächst habe ich zeit­ge­mäße Text­schrif­ten gesam­melt, die ruhig und lesbar sind, mich dabei aller­dings größ­ten­teils auf meine per­sön­li­che Ein­schät­zung ver­las­sen. Die ana­ly­sier­ten Funk­tio­nen und Details wurden dann auf eigene Formen über­tra­gen, größ­ten­teils direkt digi­tal, um sofort ein Fließ­text­ge­fühl zu bekom­men. Es gibt aber auch die ein oder andere hän­di­sche Skizze, um erst­mal die grund­sätz­li­che Idee zu fixie­ren, bevor ich diese in Vek­to­ren trans­por­tiere und beim Trans­port etwas ver­lo­ren geht. Diese Skiz­zen waren aber nie eine Eins-zu-Eins-Vorlage son­dern immer nur ein schnel­ler Scribble.

Der Schritt zu his­to­ri­schen Schrift­mus­tern kam erst später, als der grobe Regular-Schnitt stand und die Frage aufkam: Was kannst du jetzt noch opti­mie­ren, was pas­siert mit dem Bold-Schnitt, wie schaut die Kur­sive aus? Mich wei­ter­hin an bestehen­den Schrif­ten zu ori­en­tie­ren wäre zu gefähr­lich gewe­sen, weil ich sonst etwas kre­iert hätte, was es schon gibt. 

Viele Form­ideen haben sich aber auch schlicht­weg aus den ange­streb­ten Funk­tio­nen der Schrift erge­ben: Die Seri­fen waren zunächst etwas zu kurz, um im Flie­ße­text wahr­ge­nom­men zu werden, also wurden sie länger. Anders­herum habe ich auch einige eigen­ar­tige Formen aus­pro­biert, die das Text­bild nicht ver­bes­sert aber auch nicht gestört haben, also durf­ten sie blei­ben um dem Gesamt­werk Cha­rak­ter zu ver­lei­hen.

Mit welchem Font-Editor hast Du gearbeitet und wie stark bestimmt die Software die Formgebung der Glyphen?

Ange­fan­gen hat die Umset­zung der Fran­ziska ganz klas­si­sch in Font­Lab. Die Glyphs.app von Georg Sei­fert hat später jedoch die Arbeit über­nom­men. Gerade im Hin­blick auf die Posi­tio­nie­rung von Akzen­ten und der Inter­po­la­tion von ver­schie­de­nen Schrift­schnit­ten hat diese Soft­ware mir vieles leich­ter gemacht. So leicht, dass man fast schon glau­ben könnte, der Work­flow ermög­li­che kom­plette gestal­te­ri­sche Frei­heit. So ist es natür­lich nicht ganz: Im Detail habe ich gerade über die ver­schie­de­nen Gewichte Kon­struk­tio­nen gewählt, die sich vom Hairline-Master über den Regular-Master bis hin zum Black-Master inter­po­lie­ren lassen, also mathe­ma­ti­sch gleich sind; schlicht­weg, um nicht jeden der zehn Schnitte manu­ell zu zeich­nen. Bei gut 930 Zei­chen je Master plus der Kur­si­ven mit noch mal drei Mas­tern waren es ohne­hin viele Kurven, Vek­to­ren, Anker­punkte und Tan­gen­ten, die ich bewe­gen musste.

Mittlerweile kommt Franziska in verschiedenen Projekten zum Einsatz. Sie beweist als Hausschrift für die Zeitung Bündner Tagblatt eindrucksvoll, was in ihr steckt. Welche Anforderungen hatten die Zeitungsdesigner an die neue Hausschrift und inwieweit erfüllte Franziska die Voraussetzungen?

Das Bünd­ner Tag­blatt ist eine Zei­tung mit einem kon­ser­va­ti­ven, tra­di­tio­nell ver­wur­zel­tem Publi­kum und beschäf­tigt sich viel mit loka­len Themen. Die beiden Infor­ma­ti­ons­de­si­gner Chris­tian Hruschka und Stefan Semrau von two­type aus Ham­burg haben dem Tag­blatt einer­seits eine zeit­ge­mäße Form gege­ben, ander­seits aber auch die tra­di­ti­ons­be­wusste Seite ver­stärkt: Kurzum sie haben eine moderne Text­schrift und ein span­nen­des Layout mit einem his­to­ri­schen Zei­tungs­kopf kom­bi­niert. Die Fran­ziska spielt diesen Gedan­ken recht gut mit, denke ich – sie hat ihre tra­di­tio­nel­len und boden­stän­di­gen Seiten, spie­gelt aber in ihrer For­men­spra­che auch zeit­ge­mäße Trends wieder.

Um visu­ell zu unter­hal­ten, hätten Stefan und Chris­tian — wie die meis­ten Edi­to­rial Desi­gner — wahr­schein­lich auch in der Schrift­wahl einen Mix aus ver­schie­de­nen Typen erstel­len müssen. Da die Fran­ziska aber in ihren ein­zel­nen Schnit­ten und Gewich­ten so facet­ten­reich ist, hat eine ein­zige Schrift­art mit 20 Schnit­ten voll­kom­men aus­ge­reicht. 

Gab es spezifische Anpassungen speziell für den Zeitungssatz?

Exklu­sive Anpas­sun­gen für den Zei­tungs­satz gab es nicht. Kurz kam die Frage nach einer seri­fen­lo­sen Fran­ziska auf, aber ansons­ten ent­sprach die Schrift schon den Wün­schen der Gestal­ter und Redak­teure, viel­leicht auch weil Fran­ziska eine große x-Höhe mit­bringt und in den meis­ten Schnit­ten auch mit einem groben Zei­tungs­druck umge­hen kann.

Wurde die Franziska auch schon in digitalen Projekten eingesetzt?

Ja, in den Arti­keln der Online-Ausgabe des Zeit Maga­zins macht die Fran­ziska erste Schritte in digi­ta­ler Anwen­dung. Außer­dem nutzt die App Deck­set die extre­men Schnitte der Fran­ziska für ein Theme. Aller­dings spielt dort in den genutz­ten Punkt­grö­ßen die Per­for­mance auf dem Bild­schirm keine Rolle, auch wenn die Markdown-basierte Prä­sen­ta­ti­ons­soft­ware ein digi­ta­les Pro­dukt ist. Mich freut dieses Pro­jekt aber aus einem anderrn Grund: End­lich wird mal die pla­ka­tive Seite der Fran­ziska aus­ge­spielt. Bisher kon­zen­trie­ren sich die meis­ten Anwen­dun­gen auf Fließ­texte. 

Spielt das Hinting nur (noch) eine wichtige Rolle auf normalen Displays oder ist es auch für die Darstellung auf Retina-Displays von Bedeutung?

Ich habe keine Zahlen im Kopf wie viele Nutzer noch mit älte­ren Windows-Versionen im Netz unter­wegs sind, aber ich bin über­zeugt, dass Schrift­ge­stal­tung bis­lang nicht ohne Hin­ting aus­kommt, vor allem bei Text­schrif­ten. Bei zeitmagazin.de lesen angeb­lich 40 Pro­zent der Nutzer die Arti­kel per Smart­phone. Pau­schal würde ich behaup­ten, dass die Hälfte der ande­ren 60 Pro­zent kein Retina Dis­play oder Apple End­ge­rät besitzt. Darum bin ich froh, dass das FontFont-Team den Web­font bes­tens auf­be­rei­tet hat. Die Tablet Gothic – Haupt­schrift von zeitmagazin.de – besitzt nur ein Auto­hin­ting, das nicht immer bes­tens auf die Rendering-Umgebung von Brow­ser und Betriebs­sys­tem reagie­ren kann. 

Was ist für Dich der größte Unterschied zwischen der Anwendung im Print und auf dem Screen?

Das kann ich nur aus Sicht eines Schrift­ge­stal­ters beur­tei­len: Print ist nach wie vor fle­xi­bler in der Aus­wahl an typo­gra­fi­schen Fein­hei­ten und bere­chen­ba­rer in der Erschei­nung des Lay­outs. Im Screen-Bereich ist der Gestal­tungs­spiel­raum einer Schrift etwas ein­ge­schränkt: Wenige oder zumin­dest mar­kante Details und ein nied­ri­ger Strich­stär­ken­kon­trast sind nahezu Stan­dard. Spie­le­reien wie Alter­na­tiv­zei­chen oder Text­zif­fern setze ich im Gestal­tungs­pro­zess immer mehr an die letzte Stelle, da ich davon aus­ge­hen muss, dass sie nicht immer zum Ein­satz kommen können.

Sind Projekterfahrungen in das Update der FF Franziska eingeflossen? Welche Anforderungen hatte FontFont für eine Veröffentlichung Deiner Schrift als FF-Font?

Pro­jekt­er­fah­run­gen sind recht wenige in die Ent­wick­lung der fina­len FF Fran­ziska geflos­sen. Was aber auch daran liegen kann, dass die Schrift schon nahezu fertig war bevor sie zu Font­Font gewan­dert ist und mir in den Anwen­dun­gen kaum Fehler inner­halb der Schrift auf­ge­fal­len sind – wenn dann eher Geschmacks­fra­gen, die aber zu einer neuen Schrift geführt hätten. Aller­dings habe ich mit Font­Font eine Lösung für die Kol­li­sion von »f« plus »ä, ö, ü« im Black-Schnitt gefun­den. Auf dieses Pro­blem haben mich einige der Vorab-Nutzer der Fran­ziska ange­spro­chen.

Haupt­säch­lich hat sich die Schrift im Umfang des Zei­chen­sat­zes und in mikro­ty­po­gra­fi­schen Details ver­än­dert. Das Team von Font­Font ver­tritt die Phi­lo­so­phie, dass sie sich als tech­ni­sche Unter­stüt­zer ver­ste­hen; alle Desi­gnent­schei­dun­gen blei­ben dem Gestal­ter vor­be­hal­ten. Die meis­ten meiner Kon­zepte und Form­ideen wurden also abge­klopft, solange ich aber eine Mei­nung zur jewei­li­gen Frage hatte, durfte alles blei­ben wie es ist. In diesen ein­zel­nen Proben der ursprüng­li­chen Fran­ziska hat Font­Font Unicode-Belegungen (z.B U+1F44D, Daumen-hoch-Dingbat) ergänzt, feh­lende Tabel­lenzif­fern und ent­spre­chende Wäh­rungs­zei­chen auf­ge­deckt und auch manch­mal ein­fach nur fest­ge­stellt, dass ich den fal­schen Akzent über ein mir nicht ver­trau­tes Zei­chen gesetzt habe (z.B. lcaron) oder in einem der kur­si­ven Schnitte die mathe­ma­ti­schen Zei­chen nicht mehr in tabel­la­ri­scher Breite ange­legt sind.

Wie hat sich eigentlich Deine eigene Wahrnehmung auf die Franziska verändert, nachdem es jetzt schon eine Reihe realer Projekte gibt und die Überarbeitung für FontFont abgeschlossen ist?

Auch wenn es blöd klin­gen mag, aber nach über zwei Jahren Ent­wick­lung gefällt mir die Schrift nach wie vor. Was auch ein Glück ist, da sie ja erst ab jetzt als voll­wer­ti­ges Pro­dukt wahr­ge­nom­men wird zu dem ich im Ide­al­fall auch stehen sollte. Den­noch freue ich mich, dass dieses Pro­jekt abge­schlos­sen ist und ich ab jetzt neue, andere Formen planen kann – was ich ohne­hin schon mit ein paar neuen Schrift­ent­wür­fen tue. Noch­mals aus­schließ­lich an einer ein­zi­gen Schrift feilen wäre mir jetzt, nach­dem mir Buch­sta­ben etwas ver­trau­ter sind, zu ein­tö­nig.

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Als Typedesigner musst Du ständig Entscheidungen treffen, die den Charakter und den Gebrauch der Schrift beeinflussen. Und auf der Mikroebene hast Du feinste Details im Blick, die sich an der Wahrnehmungsschwelle bewegen. Fiel es Dir schwer, hier an einem bestimmten Punkt loszulassen und Dich mit dem Ergebnis zufrieden zu geben?

Es ist nicht immer ein­fach, ein Zei­chen — das ich meist in 300 bis 600 Punkt Schrift­größe gestalte — ein­fach mal so zu lassen wie es ist und wie es bei 12 Punkt bes­tens funk­tio­nie­ren würde. Da muss man oft den Fach­idio­ten im Kopf zurück­dre­hen und sich klar machen was die Schrift im Großen und Ganzen aus­macht und welche Rolle sie wahr­schein­lich in einem Pro­jekt neben den Inhal­ten, Formen und Foto­gra­fien spie­len wird. Gerade bei der Fran­ziska ist mir das schwer­ge­fal­len, weil die Schrift meine Abschluss­ar­beit war und voller Herz­blut steckt. Es gab Momente in denen ich am liebs­ten nachts noch die letz­ten Kerning-Paare über­prüft hätte, damit das Pro­jekt end­lich abge­schlos­sen ist.

Stichwort Zurichtung und Kernig: Was war Maßgabe für die Überarbeitung? Ist das Feintuning ein weitgehend automatisierter Prozess oder musstest Du da selbst händisch nacharbeiten?

Font­Font hat mit der fina­len Fran­ziska noch einige Test durch­ge­führt und mir noch unge­löste Kerning-Probleme auf­ge­zeigt. Viel stär­ker war mein eige­ner Anspruch, der letz­ten Endes dazu geführt hat, dass ich inner­halb von drei Wochen die meis­ten Schnitte noch­mals neu zuge­rich­tet und auch das Kerning kom­plett von Neuem auf­ge­rollt habe.

Da die Fran­ziska meine erste Schrift in diesem Umfang ist, musste ich mir natür­lich viele Zurich­tungs­texte und Kerning-Paare neu erstel­len. Auto­ma­ti­sierte Pro­zesse kamen erst dann ins Spiel, als ich Kerning-Werte vom Black-Schnitt auf den Hairline-Schnitt kopie­ren konnte oder mit der wun­der­ba­ren Metrics­Ma­chine Unter­schnei­dungs­werte der Ver­sa­lien auf die Kapi­täl­chen kopiert und ska­liert habe. Letzt­end­lich ist es aber unver­meid­bar jeden kopier­ten oder inter­po­lier­ten Wert noch einmal manu­ell zu über­prü­fen. 

Hast Du vor, die FF Franziska noch weiter auszubauen, zum Beispiel mit nicht-lateinischer Sprachunterstützung oder gar Display- oder Monospace-Varianten zu ergänzen?

Ob es zur FF Fran­ziska noch Erwei­te­run­gen gibt, hängt defi­ni­tiv davon ab, wie die Schrift in nächs­ter Zeit von Gestal­tern ange­nom­men wird. An einen seri­fen­lo­sen Part­ner habe ich schon öfter gedacht (siehe spe­zi­fi­sche Anpas­sun­gen für Zei­tungs­satz), aber bis dahin wird noch einige Zeit ver­ge­hen: Ich muss noch her­aus­fin­den, wie huma­nis­ti­sch die Gro­tesk über­haupt werden soll, wie ich die Strich­stär­ken anpasse, um einen glei­chen Grau­wert inner­halb der Schrifts­ippe zu behal­ten und wie sich der mar­kante Cha­rak­ter der Kur­si­ven in der seri­fen­lo­sen Vari­ante fort­set­zen kann. Wahr­schein­lich werde ich eher die aktu­elle FF Fran­ziska um kyril­li­sche und auch evtl. um grie­chi­sche Zei­chen ergän­zen.

Spannend wird es oft, wenn eine Schrift »zweckentfremdet« verwendet wird, also in einem Kontext, an den der Schriftgestalter gar nicht dachte. Wo würdest Du die FF Franziska gerne »außerplanmäßig« sehen?

Das ist eine span­nende Frage! Da die FF Fran­ziska in vielen Punk­ten das sowohl-als-auch-Prinzip bedient, also sowohl im Fließ­text als auch in Head­lines funk­tio­nie­ren soll, lässt sie sich hof­fent­lich nur schwer zweck­ent­frem­den. Aber wie schon gesagt, gerade die Ver­wen­dung in pla­ka­ti­ven Anwen­dun­gen würde ich gerne sehen, da die Kern­kom­pe­tenz der Schrift schon sehr stark um Lese­texte kreist.

Welches ist denn Dein liebstes FF Franziska-Schriftzeichen?

Das kleine »g« ist ein­deu­tig mein Lieb­lings­zei­chen in der FF Fran­ziska. Es ist — für eine Text­schrift — etwas eigen­ar­tig in der Kon­struk­tion, sticht im Schrift­bild aber nicht zu sehr heraus. In diesem Zei­chen konnte ich sehr gut die feinen Gren­zen zwi­schen extro­ver­tier­tem Zei­chen und funk­tio­na­ler Ein­heit aus­lo­ten. Außer­dem stammt seine Idee aus einem miss­glück­ten Ver­such mit der Breit­band­fe­der und es freut mich immer wieder, dass gerade solche Fehl­tritte zu neuen Formen führen.

Und zum Schluss: Welches Schriftprojekt beschäftigt Dich zur Zeit?

Zur Zeit sind es mehre Pro­jekte: Die »Muriza«, eine Slab Serif, die ich zusam­men mit Jürgen Schwarz gestal­tet habe ist vor kurzem fertig gewor­den. Mit der »Cera«, einer geo­me­tri­schen Gro­tesk, taste ich mich an kyril­li­sche und grie­chi­sche Schrift­sys­teme heran und an der »Alva«, einem Sans-Serif-System mit star­kem Fokus auf Head­lines, beschäf­tige ich mich immer dann, wenn ich mal eine Aus­zeit vom Tages­ge­schäft brau­che und Lust habe, ein­fach nur schöne Formen zu machen.

Jakob, herz­li­chen Dank für das Inter­view.

Wei­tere Infor­ma­tio­nen:
Fran­ziska Micro­site und Jakobs Web­site