Guillemets und andere Besonderheiten in der französischsprachigen Typografie

Seit einem guten Jahr habe ich das Vergnügen, das Deutsche Forum für Kunstgeschichte Paris typografisch betreuen zu dürfen. Die Gestaltung ist meistens zweisprachig. Ein Spielplatz für Mikrotypografie!

Im Ver­gleich zum deutsch­spra­chigen Text­satz ist fran­zö­si­sche Detail­ty­po­grafie etwas auf­wen­diger ein­zu­richten. Sie lässt sich aber mit­hilfe von GREP in InDe­sign gut bewerk­stel­ligen. Die fol­genden Emp­feh­lungen basieren auf einem Blog­bei­trag der Über­set­zerin Andrea Alver­mann. Falls Du fran­zö­si­sche Texte im Detail auf andere Art behan­delst, freue ich mich über einen Kom­mentar.

 

Leerzeichen vor doppelten Satzzeichen

Dop­pelte Satz­zei­chen werden mit einem geschützten Leer­zei­chen vom vor­her­ge­henden Wort getrennt. Dop­pelte Satz­zei­chen sind Aus­ru­fe­zei­chen (!), Fra­ge­zei­chen (?), Dop­pel­punkt (:), Semi­kolon (;), Anfüh­rungs­zei­chen (« ») und Pro­zent­zei­chen (%). Manche Kol­legen meinen, dass der Leer­raum ver­rin­gert werden sollte, andere wider­spre­chen. Ich emp­fehle das anhand der Lauf­weite der ver­wen­deten Schrift zu ent­scheiden.

 

Anführungszeichen

Die Anfüh­rungs­zei­chen heißen im Fran­zö­si­schen Guil­le­mets. Sie zeigen mit der Spitze nach außen, genau umge­kehrt zur deut­schen Vari­ante. Sie zählen zu den dop­pelten Satz­zei­chen. Zitate inner­halb der wört­li­chen Rede werden ent­weder mit Anfüh­rungs­zei­chen oben (eng­li­sche Anfüh­rungs­zei­chen) oder eben­falls mit Guil­le­mets gekenn­zeichnet.

 

Semikolon und Doppelpunkt

Nach Dop­pel­punkt und Semi­kolon wird im Fran­zö­si­schen immer klein wei­ter­ge­schrieben.

 

etc.

Vor „etc.“ wird im Fran­zö­si­schen immer ein Komma ein­ge­fügt.

 

Gliederung

In fran­zö­si­schen Glie­de­rungen gibt es eine Beson­der­heit, die das jeweils erste Ele­ment betrifft. Es han­delt sich dabei immer um eine Ord­nungs­zahl. Das bedeutet, es ist „article pre­mier (oder article 1er), alinéa 1er, livre pre­mier, pre­mière page, pre­mier cha­pitre usw. und nicht „article 1“. Die wei­teren Zahlen sind dann ganz nor­male Kar­di­nal­zahlen, also article 2 usw.

 

Aufzählungszeichen

Auf­zäh­lungen mit Auf­zäh­lungs­zei­chen (z.B. Gedan­ken­strich) erhalten im Fran­zö­si­schen stets ein Semi­kolon am Ende jedes Glie­de­rungs­ele­ments, der letzte Spie­gel­strich wird mit einem Punkt beendet.

 

Datumsangaben

In Zahlen geschrie­bene Daten werden im Fran­zö­si­schen durch Schräg­striche getrennt. Bei aus­ge­schrie­benen Datums­an­gaben bekommt der Tag im Gegen­satz zum Deut­schen keinen Punkt.

 

Uhrzeit

Die Uhr­zeit wird im Fran­zö­si­schen mit einem kleinen »h« zwi­schen den Zahlen gekenn­zeichnet. Ach­tung: Vor und nach dem kleinen »h« steht jeweils 1/​8 Geviert.

 

Zahlen

Im Fran­zö­si­schen wie im Deut­schen werden Zahlen in Drei­er­blöcke unter­teilt. Im Deut­schen sind diese durch Punkte oder geschützte schmale Leer­zei­chen zu trennen, wäh­rend im Fran­zö­si­schen immer 1/​8 Geviert ein­ge­fügt wird.

 

Auslassungspunkte

Im Fach­jargon nennt man die Aus­las­sungs­punkte Ellipse. Sie werden im Fran­zö­si­schen ohne Leer­zei­chen direkt an das letzte Wort gesetzt, wäh­rend im Deut­schen vor und hinter den Aus­las­sungs­punkten ein Leer­zei­chen ein­zu­fügen ist.

 

Weiterführende Informationen

Eine zuver­läs­sige Quelle zu den mikro­ty­po­gra­fi­schen Spe­zia­li­täten des deut­schen Satzes fin­dest Du bei typefacts​.com. Dieses prak­ti­sche PDF listet die wich­tigsten Tas­ta­tur­kürzel für Mikro­ty­po­grafie in InDe­sign.