Dem attraktiven Et-Zeichen auf der Spur

Eines der formal attraktivsten Schriftzeichen fristete in vielen Fonts ein trauriges Dasein: das Et-Zeichen (&). Früher gab es davon wunderschöne Formvarianten, oft auch parallel in einem Text verwendet. Zur Freude der Typografen bieten einige Fonts mittlerweile wieder sehr verspielte Et-Zeichen.

Bedeutung

Das Et-Zeichen reprä­sen­tiert das Wört­chen »und« (latei­nisch »et«) und ist for­mal eine Ver­schmel­zung der Buch­sta­ben e und t. Heut­zu­tage spricht man auch vom Kauf­män­ni­schen Und-Zeichen oder ein­fach nur vom Und-Zeichen.

Entstehung

Das Et-Zeichen wurde im 1. Jahr­hun­dert n. Chr. von Mar­cus Tul­lius Tiro, dem Sekre­tär und Skla­ven Cice­ros, erfun­den. Tiro ent­warf sein eige­nes Sys­tem von Abkür­zun­gen, um Cice­ros Reden mit­schrei­ben zu kön­nen. Diese alt­rö­mi­sche Kurz­schrift ist seit dem 16. Jahr­hun­dert unter dem Begriff Tiro­ni­sche Noten bekannt.


Das von Tiro erfundene Et-Zeichen ist in der ursprünglichen Form heute noch in Irland gebräuchlich.*

Verwendung in der Typografie

Das Et-Zeichen kam frü­her in fast allen euro­päi­schen Schrift­spra­chen vor. Seine his­to­ri­sche For­men­viel­falt ist bemer­kens­wert, kein Ver­gleich zu den »unin­spi­rier­ten, plumpe(n) Bre­zeln«**, die in den meis­ten zeit­ge­nös­si­schen Fonts ent­hal­ten sind.

 

Früher wurde das Et-Zeichen auch in Fließtexten in verschiedenen Formen verwendet, um die Literatur abwechslungsreicher zu gestalten. Das Werk Nobiltà di dame von Fabritio Caroso aus dem Jahr 1600 ist dafür ein schönes Beispiel.

 
Glück­li­cher­weise toben sich viele Schrift­ge­stal­ter wie­der beim Et-Zeichen aus, wie die fol­gen­den Bei­spiele zei­gen.

Viel­leicht ver­an­lasste die Lust an Kur­ven und For­men­viel­falt Luc(as) de Groot, sei­ner Thesis-Schriftfamilie gleich meh­rere Vari­an­ten des Et-Zeichens zu spen­die­ren – hier The Sans.

Ric­cardo Oloc­cos Renaissance-Antiqua Zenon bie­tet sechs Ver­sio­nen des &.

Heute wird das Et-Zeichen im Fließ­text nicht mehr als Ersatz für das Wort und ver­wen­det. Laut DUDEN ist es nur in Fir­men­na­men erlaubt. Die Typo­gra­fen Fried­rich Forss­man und Ralf de Jong sind der Mei­nung, dass es auch sonst benutzt wer­den kann, wo es Spaß macht.***

Abkür­zun­gen sind heute gang und gäbe. So erfreut sich das Et-Zeichen einer brei­ten Ver­wen­dung in der Wer­bung für kurze, prä­gnante Begriffe, wie bei­spiels­weise in Rail&Fly bei der Deut­schen Bahn. Man sieht es auch im Interface-Design, wo es bei Navi­ga­ti­ons­me­nüs wert­vol­len Raum spart. Ich halte es für rich­tig, das Et-Zeichen fle­xi­bel anzu­wen­den, wenn es hilft, prä­gnante, gut les­bare Wort­bil­der zu bil­den.

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* Zitat von Robert Bringhurst, The Elements of Typographic Style (Version 2.3)
** Von unknown (9th century) – A German publication »Das Altertum«, Band 12, Heft 1, 1966, page 42, reprint of a manuscript from 9th century (Codex Casselanus ms. philol. pl. 2, 1v), commons.wikimedia.org, gemeinfrei
*** Friedrich Forssman / Ralf de Jong, Detailtypografie