Tuna – eine charakterstarke Antiqua für Screen und Print

Wenn zwei Schriftgestalter mit unterschiedlichen Gestaltungsansätzen an einer Schrift arbeiten, kann man gespannt sein. Felix Braden und Alex Rütten haben das Experiment gewagt und die erfrischende Antiqua Tuna geschaffen, die im Print und auf Bildschirmen gleichermaßen gut lesbar ist. Ich hatte vor der Veröffentlichung Gelegenheit, die Schrift zu testen und Felix und Alex ein paar Fragen zu stellen.

Erster Eindruck

Als ich die Schrift­mus­ter­bei­spiele der Tuna das erste mal sah, gefiel mir sofort das infor­melle, kal­li­gra­phisch anmu­tende Schrift­bild. Meine Augen konn­ten kaum vom brei­ten, herr­lich agi­len klei­nen e las­sen oder dem schnit­ti­gen s wider­ste­hen. Und dann die flüs­sige Kur­sive! Nun wirkt eine Schrift in gro­ßer Dar­stel­lung natur­ge­mäß anders als im Men­gen­text. Auf­fäl­lige Solis­ten tre­ten zurück, mar­kante Details ver­schwin­den im orches­tra­len Klang. In mei­nen eige­nen Schriftsatz-Mustern (6 bis 12 Punkt) wirkt der Grau­wert der Tuna fle­cken­los und gleich­mä­ßig. Trotz­dem ist das Schrift­bild leben­dig, die Zei­len­bil­dung fan­tas­tisch und der Text her­vor­ra­gend lesbar.

Konzept

Der Tuna liegt die Annahme zugrunde, dass hori­zon­tal betonte Buch­sta­ben­teile die Les­bar­keit einer Schrift posi­tiv beein­flus­sen. Felix und Alex war die gute Les­bar­keit von Seri­fen­lo­sen wie ›Antique Olive‹ (Roger Excof­fon), ›Balance‹, ›FF Legato‹ (beide Evert Blo­emsma) oder ›Signo‹ (Rui Abreu) auf­ge­fal­len, die die waa­ge­rech­ten Ele­mente beto­nen. Als Felix einen Vor­trag von Alex zum Thema Bild­schirm­op­ti­mie­rung hörte, ent­stand die Idee, beide Kon­zepte zu kom­bi­nie­ren und eine cross­me­diale Text­schrift zu ent­wi­ckeln. Das Ziel war eine Schrift, die in Fließ­text­grö­ßen auf dem Bild­schirm genauso gut funk­tio­niert wie auf dem Papier.

Schreibtechnik und Darstellung auf der Bildschirmmatrix

Das Beson­dere an der Tuna ist die stark geneigte Schrift­achse mit einem Win­kel von 40°. Durch das auf der Band­zug­fe­der basie­rende Kon­struk­ti­ons­prin­zip erge­ben sich ähn­li­che Stär­ken bei den hori­zon­ta­len und ver­ti­ka­len Stri­chen und eine Beto­nung der Waa­ge­rech­ten im Schrift­bild. Die fast gleich schwe­ren hori­zon­ta­len und ver­ti­ka­len Ele­mente sind ideal für die Dar­stel­lung auf einer Bild­schirm­ma­trix, da die Buch­sta­ben­for­men beim Hin­ting im Nach­hin­ein nur gering­fü­gig ange­passt wer­den müs­sen. Die Schrift ist in allen Schrift­gra­den auf dem Bild­schirm erstaun­lich kon­sis­tent. Der Ver­gleich zu Geor­gia und Times ist beeindruckend.

Optimierung für den Bildschirm

Die Tuna ist so robust und offen gezeich­net, damit sie in allen Umge­bun­gen her­vor­ra­gend les­bar ist – auf Papier genauso wie auf dem Moni­tor, dem Tablet, Smart­phone oder E-Reader. Die sta­bi­len Buch­sta­ben­for­men und kräf­ti­gen Seri­fen hal­ten auch wid­ri­gen Druck­be­din­gun­gen stand und gehen bei star­ker Hin­ter­grund­be­leuch­tung (Hell-Dunkel-Kontrast) auf dem Bild­schirm nicht ver­lo­ren. Selbst in klei­nen Schrift­gra­den funk­tio­niert die Schrift gut, denn die Pun­zen sind groß und offen gehal­ten und die groß­zü­gige x-Höhe und brei­ten Buch­sta­ben ver­hin­dern ein opti­sches Zulau­fen der Weißräume.

Klar dif­fe­ren­zierte Buch­sta­ben­for­men tra­gen dazu bei, dass Wort­bil­der ein­deu­tig erkannt und gele­sen wer­den kön­nen. Die run­den Buch­sta­ben der Tuna sind superel­lip­tisch ange­legt – die Kreis­bö­gen sind so weit wie mög­lich an die Recht­eck­form ange­nä­hert  und pas­sen somit gut auf das Pixel­ras­ter. Durch das per­fekt aus­ba­lan­cierte Ver­hält­nis von Schwarz­an­tei­len (Buch­sta­ben) und Weiß­raum, sowie den gerin­gen Strich­stär­ken­kon­trast wirkt der Grau­wert gleich­mä­ßig und harmonisch.

Die Win­kel besit­zen ein Ver­hält­nis von gan­zen Zah­len und eig­nen sich gut für eine sau­be­res Ren­de­ring von dia­go­na­len Buch­sta­ben­ele­men­ten (z.B. Serifen).

Mit­hilfe des manu­ell opti­mier­ten TrueType-Hintings wurde die Dar­stel­lungs­qua­li­tät in klei­nen und mitt­le­ren Text­grö­ßen (9–14 pt) per­fek­tio­niert. Tuna basiert auf einem Kon­struk­ti­ons­prin­zip, durch das bei klei­nen Schrift­gra­den nur wenige Ver­än­de­run­gen an Buch­sta­ben­for­men erfor­der­lich sind. So bleibt der Cha­rak­ter der Schrift in jeder Größe erhal­ten. Das Hin­ting opti­mierte Jan Ger­ner (Yanone) spe­zi­ell für Clear­type und DirectWrite.

Ausbau der Tuna

Die Schrift­fa­mi­lie umfasst fünf Gewichte mit jewei­li­gen Kur­si­ven: Light, Regu­lar, Medium, Bold und Extra­bold. Aus den Mas­tern Light und Extra Bold wur­den die drei Zwi­schen­stu­fen mit­hilfe von Luc(as) de Groots Inter­po­la­ti­ons­theo­rie gene­riert und anschlie­ßend fein abge­stimmt. Für eine kna­ckige Überschrift-Text-Mischung eig­nen sich beson­ders Tuna Bold  / Tuna Regu­lar, Tuna Medium / Tuna Light und Tuna Extra Bold / Tuna Medium.

Kursive

Die Kur­sive ist wun­der­bar kal­li­gra­phisch anmu­tend. Man spürt förm­lich die zugrunde lie­gende schwung­volle Schreib­be­we­gung der Hand. So zum Bei­spiel bei den tie­fen Ein­ker­bun­gen des a, n, m, h, u, p, q, b, d, k und r, der Schlaufe des k und bei den gebo­ge­nen Stri­chen­den des v, w, und y. Zudem unter­stüt­zen die wei­chen, abge­run­de­ten Seri­fen den flie­ßen­den Duk­tus. Durch den kon­trast­rei­che­ren Cha­rak­ter und die schma­lere Zeich­nung bie­ten die kur­si­ven Schnitte eine gute Dif­fe­ren­zie­rung zur auf­rech­ten Tuna inner­halb eines Absat­zes. In gro­ßen Schrift­gra­den tre­ten kal­li­gra­phi­sche Details deut­lich her­vor und ver­lei­hen Wör­tern und Tex­ten eine eigen­stän­dige funky Note.

Zeichensatz

Im Zei­chen­kof­fer sind rund 720 Gly­phen ent­hal­ten, dar­un­ter Kapi­täl­chen und fünf Zif­fern­gar­ni­tu­ren: Ver­sal­zif­fern und Mediä­val­zif­fern in pro­por­tio­na­ler und gleich brei­ter Aus­füh­rung (z.B. für Tabel­len), pas­sende Zif­fern zu den Kapi­täl­chen, sowie Zif­fern für die wis­sen­schaft­li­che Hoch- und Tief­stel­lung. Dazu gesel­len sich die geläu­figs­ten Bruch­zif­fern und die Ordi­nal­zei­chen ª und º. Alle diese Gly­phen sind über OpenType-Funktionalität im Lay­out­pro­gramm wähl­bar. Sofern der Brow­ser OpenType-Funktionalitäten unter­stützt, kön­nen diese Fea­tures auch per CSS im Inter­net ver­wen­det werden.

Fazit

Den bei­den Schrift­ge­stal­tern Felix Bra­den und Alex Rüt­ten ist ein gro­ßer Wurf gelun­gen. Tuna ist eine exzel­lent les­bare Text­schrift und zugleich cha­rak­ter­starke Dis­play­schrift mit attrak­ti­ven Details. Sie ist ein wah­rer All­roun­der für den cross­me­dia­len Ein­satz und eig­net sich für Editorial-Design und Buch­satz, aber genauso gut für lange Text­stre­cken auf Bild­schirm­me­dien aller Art.

 

 

Interview mit Felix Braden und Alex Rütten

Wie entstand die Tuna?

Felix: Ich bin ein gro­ßer Fan von kopf­las­ti­gen Schrif­ten wie z.B. der ›Antique Olive‹ von Roger Excof­fon und über­zeugt davon, dass die Beto­nung der Hori­zon­ta­len die Les­bar­keit för­dert. Alex hat vor ein paar Jah­ren in Köln beim Typost­amm­tisch einen Vor­trag zum Thema Bild­schirm­op­ti­mie­rung gehal­ten wäh­rend er an einer Schrift arbei­tete. Dabei kam mir die Idee die bei­den Kon­zepte zu ver­bin­den und eine Lese­schrift für cross­me­diale Zwe­cke zu entwickeln.

Alex: Vor ein paar Jah­ren dachte man in ers­ter Linie an Hin­ting, wenn man von Bild­schirm­op­ti­mie­rung sprach. Die Idee, dass die Buch­sta­ben­for­men sel­ber einen gro­ßen Ein­fluss auf das Ren­de­ring und die Les­bar­keit am Bild­schirm haben, war nicht sehr ver­brei­te­tet. Das Thema wurde erst inter­es­sant, als die Unter­stüt­zung für Web­fonts kam. Der Ansatz, Schrif­ten spe­zi­ell in Hin­blick auf diese Anfor­de­rung zu gestal­ten, ist eher selten.

Es ist ungewöhnlich, dass zwei Typedesigner gemeinsam eine Schrift entwickeln. Wie seid ihr vorgegangen? Gab es auch mal Meinungsverschiedenheiten?

Felix: Aus der ers­ten Idee hatte ich einen Ansatz zur Schrift­ge­stal­tung ent­wi­ckelt, der sehr tech­nisch war. Ich hatte die Schrift am Rech­ner gezeich­net und aus­schließ­lich mit Win­keln gear­bei­tet, die ideal für die Bild­schirm­dar­stel­lung sind. Die Erfah­run­gen die ich Jahre vor­her mit Pixel­schrif­ten und dar­aus abge­lei­te­ten Vektor-Fonts gemacht hatte, waren dabei sehr hilf­reich. Das Ergeb­nis in klei­nen Schrift­gra­den war total über­zeu­gend und am Bild­schirm extrem gut les­bar. Lei­der wirkte es in bes­se­rer Auf­lö­sung sehr kühl, fast see­len­los. Ich habe die Schrift dann mit der Hand geschrie­ben und neu digi­ta­li­siert aber es half nichts: Ich hatte mich in eine Sack­gasse manö­vriert. Als ich Alex dann um Hilfe bat und er mir nach kur­zer Zeit ein Rede­sign vor­legte, war ich total glücklich.

Alex: Als mir Felix die Schrift zum ers­ten Mal gezeigt hat, sah sie tat­säch­lich noch gene­risch aus. Das Design hatte aber auch etwas. So dass ich gedacht habe, hier könnte sich ein zwei­ter Anlauf lohnen.

Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten gab es tat­säch­lich nur wenige. Ich denke, dass es damit zu tun hat, dass wir viele Punkte ähn­lich gese­hen und emp­fun­den haben. Des­halb konn­ten wir oft die Kri­tik vom ande­ren nach­voll­zie­hen. Ansons­ten hat gehol­fen, dass kei­ner sich an Klei­nig­kei­ten fest­ge­klam­mert hat.

Welchen Stellenwert hat das Schreiben bzw. Zeichnen der Buchstaben im Entwurfsprozess?

Felix: Ich zeichne zwar regel­mä­ßig in ein Skiz­zen­buch, weil es die schnellste und ein­fachste Mög­lich­keit ist, eine Idee fest­zu­hal­ten und kurz zu tes­ten. Aber der Rech­ner hat für mich einen wesent­lich höhe­ren Stel­len­wert im Ent­wurfs­pro­zess. Meine jüngs­ten Schrif­ten ›Capri‹ und ›FF Scuba‹ sind auch eher kon­stru­ierte, tech­ni­sche Schrif­ten und besit­zen kaum orga­ni­sche, vom Schrei­ben abge­lei­tete Formen.

Alex: Kon­stru­ierte Schrif­ten haben bei mir bis jetzt nicht sehr viel Inter­esse oder Begeis­te­rung geweckt – das ändert sich viel­leicht noch. Aber ich stehe viel mehr auf For­men, die sich aus dem Schrei­ben her­lei­ten. Trotz­dem ver­falle ich oft genug der Bequem­lich­keit des Arbei­tens am Rech­ner. Wenn ich auf Papier skiz­ziere, merke ich aber wie intui­tiv und schnell das ist. Hier kann man im Design-Prozess wirk­lich viel Zeit spa­ren, zu unge­wöhn­li­chen Buch­sta­ben­for­men kom­men und ein­fach Spaß haben.

Wie schmal ist der Grad zwischen bestmöglicher Lesbarkeit und formaler Eigenständigkeit der Schrift?

Alex: Tat­säch­lich macht für mich vor allem diese Akro­ba­tik den Reiz vie­ler Schrif­ten und des Schrift­ge­stal­tens aus. Es gibt etwas zu ent­de­cken, wenn ich näher ran gehe. Wenn da nichts eige­nes ist, wird es fad. Funk­tio­na­li­tät allein hat nicht den sel­ben Reiz.

Felix: Headline-Schriften dür­fen durch­aus einen deut­li­chen Cha­rak­ter haben und Fließtext-Schriften soll­ten in ers­ter Linie funk­tio­nal sein, also ange­nehm zu lesen. Da wir mit Tuna einen All­roun­der schaf­fen woll­ten, muss­ten wir einen Weg fin­den, beide Ansprü­che zu ver­ei­nen. Wir haben mit dezen­ten kal­li­gra­fi­schen Details und Form­kon­tras­ten gear­bei­tet, die der Schrift in gro­ßen Schrift­gra­den einen deut­li­chen Cha­rak­ter geben aber in Fließ­text­grö­ßen unsicht­bar bleiben.

Tuna ist besonders für das Lesen am Bildschirm geeignet. Warum ist sie eine gute Alternative zur Georgia und anderen Screenoptimierten Schriften?

Felix: Das Beson­dere an Tuna ist die stark geneigte Schrift­achse. Dadurch sind die waa­ge­rech­ten und die senk­rech­ten Ele­mente fast gleich schwer, was für die Abbil­dung auf einer Bild­schirm­ma­trix ein gro­ßer Vor­teil ist. Das Groß­ar­tige ist, dass diese Art der »Bild­schirm­op­ti­mie­rung« eine ganz natür­li­che ist, die nicht im Nach­hin­ein gemacht wer­den musste son­dern auf dem Kon­struk­ti­ons­prin­zip der Buch­sta­ben basiert. Starke Ver­än­de­run­gen der Buch­sta­ben­for­men im Hinting-Prozess waren daher nicht nötig – dadurch ist die Schrift in allen Schrift­gra­den extrem kon­sis­tent. Ver­gleicht man eine hoch­auf­lö­sende Dar­stel­lung von Tuna mit ihrer 10px-Version ist die Ähn­lich­keit wesent­lich grö­ßer, als das bei Times und Geor­gia der Fall ist.

Geor­gia ist trotz­dem eine groß­ar­tige Bild­schirm­schrift und in 10 oder 12 Pixel kaum zu ver­bes­sern! Aller­dings wurde sie vor zwan­zig Jah­ren ent­wor­fen und für den Bild­schirm opti­miert. Durch die höhe­ren Bild­schirm­auf­lö­sun­gen heut­zu­tage ist die reale Größe einer Schrift am Bild­schirm wesent­lich klei­ner als damals und die klei­nen Schrift­grade wer­den kaum mehr verwendet.

Alex: Die gute Geor­gia würde ich hier zum Ver­gleich nicht bemü­hen. Da ori­en­tiere ich mich lie­ber an zeit­ge­mä­ßen Schrif­ten. Da gibt es mitt­ler­weile auch an Serifen-Schriften vie­les, was mich begeis­tert. Aber eben auch noch keine Schrift, die wie die Tuna ist!

Ich muss sagen, dass ich mit Regeln für die Qua­li­tät der Bild­schirm­dar­stel­lung mitt­ler­weile so meine Pro­bleme habe. Ich ent­de­cke immer wie­der Bei­spiele von Schrif­ten, deren Merk­male nicht die Kri­te­rien für eine guten Bild­schirm­dar­stel­lung haben; aber trotz­dem funk­tio­nie­ren sie sehr gut. Da ist noch ein Fak­tor X am Werk oder die Aus­wir­kung der ein­zel­nen Merk­male ist sehr unter­schied­lich stark. Ich habe den Ein­druck, dass zum Bei­spiel die Ein­deu­tig­keit und Erkenn­bar­keit der Buch­sta­ben­for­men einen star­ken Ein­fluss hat.

Wie habt ihr die Schrift auf Praxistauglichkeit getestet?

Alex: Pra­xis­tests sind für mich das A und O und auch die ein­zige Mög­lich­keit, im Design-Prozess eine solide Basis für Ent­schei­dun­gen zu haben. Ansons­ten bin ich mir unsi­cher, was die genaue Aus­ge­stal­tung der Buch­sta­ben­form und die Zurich­tung angeht. Auch das Poten­tial einer Schrift zeigt sich hier sehr schnell. Des­halb fange ich mitt­ler­weile mög­lichst früh damit an, die Ent­würfe in allen mög­li­chen Arten von Anwen­dun­gen zu testen.

Felix: Ich schaue mir grund­sätz­lich schon die ers­ten Buch­sta­ben, die ich gestalte, im Schrift­bild und auf unter­schied­li­chen Grö­ßen an. In der Anfangs­phase haben wir uns auf Test am Bild­schirm und im Aus­druck kon­zen­triert. Tobias Frere-Jones hat auf der Typo Ber­lin im letz­ten Jahr gesagt, dass Schrif­ten, die unter schlech­ten Druck- und Lese-Bedingungen und in klei­nen Grö­ßen funk­tio­nie­ren, auch am Bild­schirm eine gute Figur machen. Diese Erfah­rung kann ich bestä­ti­gen. Bei den spä­te­ren Tests, die wir am Tablet oder mit dem Smart­phone gemacht haben, muss­ten wir eigent­lich kaum mehr etwas ver­än­dern. Nur die Satz­zei­chen und die Hoch­zah­len haben wir recht spät noch ein­mal überarbeitet.

Vie­len Dank, Felix und Alex und viel Erfolg für Eure Tuna!

 

Felix Bra­den stu­dierte Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­sign an der Fach­hoch­schule für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­sign in Trier und lebt seit 2003 als freier Schrif­ten­ent­wer­fer in Köln. 2000 grün­dete er die Freefont-Foundry Flood­fonts. Seine kom­mer­zi­el­len Schrif­ten ver­treibt er über FSI Font­shop Inter­na­tio­nal (FF Scuba), Foun­tain (Capri, Sad­ness, Gri­moire), URW++ (Super­nor­male) und Vol­ca­no­type (Bikini).

Alex Rüt­ten stu­dierte an der Fach­hoch­schule für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­sign in Trier Typo­gra­phie. Er ist Typeface- und Interface-Designer und Part­ner von Form­sport Design Stu­dio, Ber­lin. Seine Schrif­ten sind über Lino­type und FSI Font­shop Inter­na­tio­nal erhält­lich. 2009 gewann er den TDC-Award für seine erste Schrift »Ginkgo LT« und 2011 für »FF Suhmo«.

 

Wei­tere Infor­ma­tio­nen zur Tuna und den bei­den Schrift­ge­stal­tern Felix Bra­den und Alex Rüt­ten fin­det ihr auf der Tuna-Microsite.

Tuna ist bei MyFonts für Desktop- und Web­nut­zung erhält­lich. Neben Ein­zel­schnit­ten ist auch die Kom­plett­fa­mi­lie mit 10 Schnit­ten zu einem ver­güns­tig­ten Paket­preis ver­füg­bar. Die Medium-Schnitte sind kos­ten­los und frei für kom­mer­zi­elle Pro­jekte verwendbar.

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Servus Zweitausendsiebzehn!

Allen Lese­rin­nen und Lesern wün­sche ich ein kraft­vol­les und gesun­des neues Jahr.

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Fragen und Antworten zur Typografie im Netz

Typografie ist ein weites Feld. Egal ob Du Laie bist oder Dich professionell damit beschäftigst, es kommt der Punkt, am dem sich eine ganz spezifische Frage auftut. Ein paar Wissensquellen zu Grundlagen (Satz, Orthografie, Lesbarkeit) habe ich in einem älteren Beitrag empfohlen.

Zu spe­zi­fi­schen Fra­gen erhälst Du kom­pe­tente Ant­wor­ten in ein­schlä­gi­gen Foren, bei­spiels­weise Typografie.info oder typedra­wers oder typo­phile. Da sich hier viele Typo-Liebhaber enga­gie­ren, sind die Ant­wor­ten in der Regel sehr hilf­reich. Wie in jedem Forum gilt das Gebot der Höf­lich­keit, zuerst die The­menthreads nach der eige­nen Fra­ge­stel­lung zu durch­fors­ten, bevor Du einen Bei­trag erstellst.

Eine wei­tere nütz­li­che Quelle ist das eng­lisch­spra­chige Por­tal Quora. Hier bie­tet der Typo­graf und Fach­au­tor Ste­phen Coles seine Exper­tise an. Der Schwer­punkt liegt auf Schrift. Also alles rund um Schrift­i­den­ti­fi­zie­rung, Schrift­emp­feh­lung, Schrift­for­mate und -lizenzen.

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Ruhe.

ruhe

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Pensum Pro – ein wahres Textmonster

Buchypografen aufgepasst: Mit der Pensum Pro bietet TypeMates ein vielseitiges Textmonster für lange Textstrecken an. Auf MyFonts.de stelle ich die Schriftfamilie vor und befragte deren Entwerfer Nils Thomson über ihre Entstehungsgeschichte und besonderen Merkmale.

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Digitale Schriftmuster

Auf typespecimens.io fin­dest Du eine feine Aus­wahl digi­ta­ler Schrift­mus­ter von ver­schie­de­nen Type­foundries. Ich finde es sehr beein­dru­ckend, wie auf­wen­dig und lecker viele Schrif­ten mit eige­nen Mini-Websites prä­sen­tiert wer­den. Mein Tipp: GT Ame­rica ist ganz vorne dabei.

Meh­rer Schrift­mus­ter als the­ma­ti­sche »Wim­mel­bil­der« und Fund­grube für wirk­lich tolle Schrift­mi­schun­gen prä­sen­tiert Hoefler & Co. Dis­co­ver Typo­gra­phy: ame­ri­ka­nisch, retro und state of the art!

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Guillemets und andere Besonderheiten in der französischsprachigen Typografie

Seit einem guten Jahr habe ich das Vergnügen, das Deutsche Forum für Kunstgeschichte Paris typografisch betreuen zu dürfen. Die Gestaltung ist meistens zweisprachig. Ein Spielplatz für Mikrotypografie!

Im Ver­gleich zum deutsch­spra­chi­gen Text­satz ist fran­zö­si­sche Detail­ty­po­gra­fie etwas auf­wen­di­ger ein­zu­rich­ten. Sie lässt sich aber mit­hilfe von GREP in InDe­sign gut bewerk­stel­li­gen. Die fol­gen­den Emp­feh­lun­gen basie­ren auf einem Blog­bei­trag der Über­set­ze­rin Andrea Alver­mann. Falls Du fran­zö­si­sche Texte im Detail auf andere Art behan­delst, freue ich mich über einen Kommentar.

 

Leerzeichen vor doppelten Satzzeichen

Dop­pelte Satz­zei­chen wer­den mit einem geschütz­ten Leer­zei­chen vom vor­her­ge­hen­den Wort getrennt. Dop­pelte Satz­zei­chen sind Aus­ru­fe­zei­chen (!), Fra­ge­zei­chen (?), Dop­pel­punkt (:), Semi­ko­lon (;), Anfüh­rungs­zei­chen (« ») und Pro­zent­zei­chen (%). Man­che Kol­le­gen mei­nen, dass der Leer­raum ver­rin­gert wer­den sollte, andere wider­spre­chen. Ich emp­fehle das anhand der Lauf­weite der ver­wen­de­ten Schrift zu entscheiden.

 

Anführungszeichen

Die Anfüh­rungs­zei­chen hei­ßen im Fran­zö­si­schen Guil­le­mets. Sie zei­gen mit der Spitze nach außen, genau umge­kehrt zur deut­schen Vari­ante. Sie zäh­len zu den dop­pel­ten Satz­zei­chen. Zitate inner­halb der wört­li­chen Rede wer­den ent­we­der mit Anfüh­rungs­zei­chen oben (eng­li­sche Anfüh­rungs­zei­chen) oder eben­falls mit Guil­le­mets gekennzeichnet.

 

Semikolon und Doppelpunkt

Nach Dop­pel­punkt und Semi­ko­lon wird im Fran­zö­si­schen immer klein weitergeschrieben.

 

etc.

Vor „etc.“ wird im Fran­zö­si­schen immer ein Komma eingefügt.

 

Gliederung

In fran­zö­si­schen Glie­de­run­gen gibt es eine Beson­der­heit, die das jeweils erste Ele­ment betrifft. Es han­delt sich dabei immer um eine Ord­nungs­zahl. Das bedeu­tet, es ist „arti­cle pre­mier (oder arti­cle 1er), ali­néa 1er, livre pre­mier, pre­mière page, pre­mier cha­pitre usw. und nicht „arti­cle 1“. Die wei­te­ren Zah­len sind dann ganz nor­male Kar­di­nal­zah­len, also arti­cle 2 usw.

 

Aufzählungszeichen

Auf­zäh­lun­gen mit Auf­zäh­lungs­zei­chen (z.B. Gedan­ken­strich) erhal­ten im Fran­zö­si­schen stets ein Semi­ko­lon am Ende jedes Glie­de­rungs­ele­ments, der letzte Spie­gel­strich wird mit einem Punkt beendet.

 

Datumsangaben

In Zah­len geschrie­bene Daten wer­den im Fran­zö­si­schen durch Schräg­stri­che getrennt. Bei aus­ge­schrie­be­nen Datums­an­ga­ben bekommt der Tag im Gegen­satz zum Deut­schen kei­nen Punkt.

 

Uhrzeit

Die Uhr­zeit wird im Fran­zö­si­schen mit einem klei­nen »h« zwi­schen den Zah­len gekenn­zeich­net. Ach­tung: Vor und nach dem klei­nen »h« steht jeweils 18 Geviert.

 

Zahlen

Im Fran­zö­si­schen wie im Deut­schen wer­den Zah­len in Drei­er­blö­cke unter­teilt. Im Deut­schen sind diese durch Punkte oder geschützte schmale Leer­zei­chen zu tren­nen, wäh­rend im Fran­zö­si­schen immer 18 Geviert ein­ge­fügt wird.

 

Auslassungspunkte

Im Fach­jar­gon nennt man die Aus­las­sungs­punkte Ellipse. Sie wer­den im Fran­zö­si­schen ohne Leer­zei­chen direkt an das letzte Wort gesetzt, wäh­rend im Deut­schen vor und hin­ter den Aus­las­sungs­punk­ten ein Leer­zei­chen ein­zu­fü­gen ist.

 

Weiterführende Informationen

Eine zuver­läs­sige Quelle zu den mikro­ty­po­gra­fi­schen Spe­zia­li­tä­ten des deut­schen Sat­zes fin­dest Du bei typefacts.com. Die­ses prak­ti­sche PDF lis­tet die wich­tigs­ten Tas­ta­tur­kür­zel für Mikro­ty­po­gra­fie in InDesign.

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Schreibnvaren

Das w in alternativer Buchstabenform

In den Weiten des Buchstabenkosmos tummeln sich allerlei Exoten. Manche sind ausgesprochen seltene Spezies. Eine solche ist das eigenwillige w, das wie eine Ligatur von n und v erscheint.

Die ursprüng­li­che Zeich­nung die­ser w-Form sei wahr­schein­lich auf die Frak­tur zurück­zu­füh­ren, so Flo­rian Hard­wig. Bis in die Mitte des 20. Jahr­hun­derts war die­ses w in Deutsch­land häu­fi­ger anzu­tref­fen, wie die Fas­sa­den­re­klame eines Mem­min­ger Schreib­wa­ren­ge­schäfts zeigt. Heut­zu­tage besit­zen aller­dings nur wenige Fonts die­ses eigen­wil­li­gen w. Meine Favo­ri­ten sind FF Hertz und die für Land­kar­ten ver­wen­dete Kur­siv­schrift. In die­ser Liste fin­dest Du wei­tere Schriften.

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An den Haaren herbeigezogen

Hairschaftszeiten

Friseure haben es heutzutage nicht einfach: Ein geringer Verdienst knapp über dem Mindestlohn und fehlender Nachwuchs einerseits, große Konkurrenz in den Städten andererseits. Kein Wunder, daß hier ausgefallene Geschäftsnamen so populär sind.

An Hair-Designern aller Art haben wir uns ja schon lange gewöhnt. Neu­lich sah ich in der Schon­gauer Alt­stadt (Ober­bay­ern) eine beson­ders ein­falls­rei­che Ver­schmel­zung der haa­ri­gen Dienst­leis­tung mit einem baye­ri­schen Kraft­aus­druck. Was mir natür­lich beson­ders gefiel, war die zu Grunde lie­gende Schrift­wahl Peignot. Diese deko­ra­tive Type ist, wie wir schon im Grund­stu­dium lern­ten, DIE belieb­teste Schrift bei Fri­seu­ren. Warum das so ist, bleibt mir aller­dings ein Rätsel.

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