Virtuosa – Hermann Zapfs erste Schreibschrift

Im aktuellen Grafikdesign begegnen uns überall Schreibschriften. Sie sind Ausdruck von Spontanität, Spaß und Individualität. Dabei geht die Vielfalt der Schreibschriften weit über das Lettering an der Fassade von hippen Cafés oder über handgekritzelte Produktnamen auf Bio‐Food‐Verpackungen hinaus. Das vorliegende Schriftmuster stellt die Virtuosa vor, eine feine, kalligraphische Schrift, die in der Tradition der englischen Künstlerschreibschriften steht.

Her­mann Zapf ist nicht nur für seine Optima, Pala­tino und Zapf Ding­bats berühmt, son­dern auch für seine aus­la­dende Schreib­schrift Zap­fino. Ihre Vor­läu­fe­rin war die bereits Jahr­zehnte vor­her, ab 1948 von ihm ent­wi­ckelte kal­li­gra­phi­sche Vir­tuosa.

Die Vir­tuosa wirkt ele­gant, wenn auch etwas weni­ger ver­spielt und auf­rech­ter als andere Schrif­ten des Gen­res Künst­ler­schreib­schrif­ten, wie bei­spiels­weise Bick­ham Script. Mit ihren nahen Ver­wand­ten teilt sie geschwun­gene Schnör­kel­for­men bei den Groß­buch­sta­ben, feine Haar­li­nien, Kon­trast­be­to­nung der Stämme und trop­fen­för­mige Abschlüsse bei c, s und x.

Her­mann Zapf musste den Duk­tus der Vir­tuosa aller­dings an die tech­ni­schen Beschrän­kun­gen des Blei­sat­zes anpas­sen. Die Let­tern ver­mei­den die für diese Schrift­art sonst übli­chen Über­hänge, damit sie auf die Blei­ke­gel pas­sen. Zudem feh­len die für den flie­ßen­den Duk­tus typi­schen naht­lose Anschlüsse.

Das Foto zeigt Groß­buch­sta­ben aus einer Gar­ni­tur der Vir­tuosa I im Schrift­grad 48 Punkt.*

Zapf ent­warf zwei Vari­an­ten der Schreib­schrift: Vir­tuosa I (1952) hat ver­schnör­kel­tere Ver­sa­lien im Gegen­satz zur Vir­tuosa II (1953), wäh­rend die Klein­buch­sta­ben iden­tisch sind. Die im Schrift­bild ruhi­gere Vir­tuosa II war dem­nach für län­gere Text­pas­sa­gen vor­ge­se­hen. Die kom­ple­xe­ren Groß­buch­sta­ben der Vir­tuosa I eig­ne­ten sich beson­ders als Initia­len und Schmuck­ver­sa­lien für den Anti­qua­s­atz. 1957 erschien die fet­tere Fas­sung Vir­tuosa kräf­tig.

Das vor­lie­gende Schrift­mus­ter ist eine sechs­sei­tige Falt­bro­schüre für den spanisch‐ und eng­lisch­spra­chi­gen Markt und wurde ca. 1953 von der Schrift­gie­ße­rei D. Stem­pel AG ver­öf­fent­licht. Die kal­li­gra­phi­sche Vir­tuosa unter­streicht durch ihre feine Aus­strah­lung die Exklu­si­vi­tät der bei­spiel­haf­ten Spei­se­karte. Die Zier­schrift war in ers­ter Linie für Akzidenz‐Anwendungen, wie bei­spiels­weise Ein­la­dun­gen, Urkun­den und kurze Texte vor­ge­se­hen.

Schrift­probe Vir­tuosa I und II in „Schreib­schrif­ten“, Schrift­mus­ter der D. Stem­pel AG, ca. 1955
Eine Ent­wurfs­skizze der Vir­tusoa kräf­tig.**

Nach mehr als 50 Jah­ren ent­warf Akira Koba­ya­shi gemein­sam mit Her­mann Zapf ein Revi­val. Vir­tuosa Clas­sic von Lino­type unter­liegt nicht mehr den tech­ni­schen Beschrän­kun­gen des Blei­sat­zes son­dern ist eine „durch­gän­gige“ Schreib­schrift mit ver­bun­de­nen Anschlüs­sen. Die OpenType‐Schrift beinhal­tet die Glyphen‐Varianten bei­der Bleisatz‐Garnituren. Zudem zahl­rei­che Alter­na­tiv­zei­chen für eine Reihe von Klein­buch­sta­ben sowie Liga­tu­ren.

Vir­tuosa Clas­sic von Lino­type: Die ver­bun­de­nen Anschlüsse der Klein­buch­sta­ben sind auf­fäl­ligs­ter Unter­schied zur Blei­satz­schrift.

Hoch­auf­ge­löste Scans der Vir­tuosa und wei­tere Schrift­mus­ter fin­dest Du bei flickr.

* Vie­len Dank für das Foto an Klaus Neu­kirch vom Bleisatzmagazin‐Rheinland. Diese und wei­tere Bleisatz‐Garnituren der Vir­tuosa und ande­rer Schrif­ten kön­nen dort erwor­ben wer­den.
** Abbil­dung aus dem Aus­stel­lungs­ka­ta­log „Her­mann Zapf – cal­li­gra­pher, type‐designer and typo­gra­pher“, The Con­tem­porary Arts Cen­ter, Cin­cin­nati Art Museum, 1960

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F***ing Fake Fabriken

Die Produktion und Verbreitung von Fake News ist ein riesiges Geschäft. Doch nicht erst seit Trumps Wahlkampf haben Lügen Hochkonjunktur. Früher war die öffentliche Lüge das Monopol der Mächtigen. Dank social media wurde die Desinformation »demokratisiert«: Jeder kann heute »alternative Wahrheiten« verbreiten und ein breites Publikum erreichen. Nicht immer stecken ideologische oder radikal-politische Absichten dahinter. Oft geht es einfach nur ums Geldmachen, so wie im mazedonischen Städtchen Veles, das als »Stadt der Lügen« berühmt wurde. Dort entstanden 2016 über 140 Fake News Websites, die darauf abzielten, Einfluss auf den US-Wahlkampf zu nehmen, um damit Werbeeinnahmen über facebook & co zu generieren.

»Desinformation versucht das Nachrichtenökosystem zu vergiften […]. Sie reduziert das Vertrauen in Institutionen aller Art und bringt Menschen dazu, der Politik entweder völlig zu entsagen oder sich starken Führern zuzuwenden.«

Ethan Zuckerman, Direktor des Center for Civic Media at MIT

In seinem Podcast-Feature Fake-Fabriken* klärt Tom Schimmeck auf, was Fake News eigentlich sind und spricht mit Wissenschaftlern, Journalisten, Fake News Machern und Konsumenten. Bei mir bleibt ein mulmiges Gefühl zurück, wenn ich höre, dass viele Menschen geradezu süchtig sind nach Verschwörung und Empörung einerseits und dass die Demokratie unter der Last der Fake News zu zerbröseln droht.

Weitere Links zum Thema:
Veles, »Stadt der Lügen«; Artikel in der ZEIT Online vom 18.12.2016

Post-Truth, Buch von Lee McIntyre; Buchbesprechung des Anfang 2018 erschienenen Titels über den Begriff des »Postfaktischen«

* Das NDR-Radio-Feature Fake Fabriken kann bis 18.11.2019 angehört und heruntergeladen werden.

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Soundeffekte in der Popmusik

Was Photoshopfilter für visuelle Gestalter sind, sind Soundeffekte für Musiker, DJs und Sound‐Designer: eine unendliche Quelle zur Erzeugung spezifischer Klangwelten. Natürlich sind solche Effekte immer auch Ausdruck von Lifestyle und kultureller Abgrenzung. In diesem Radiofeature erzählen Musiker, Produzenten, Sound‐Designer und Pop‐Journalisten spannende Geschichten über die Rolle und Wirkung von Soundeffekten in Pop und Kultur.

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Nachsaison

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Tipps zum Kauf der passenden Kamera*

Möchtest Du Fotografie lernen und Dein Smartphone gegen eine richtige Kamera tauschen? Fein. In diesem Artikel findest Du Anregungen, was bei der Entscheidung für eine Kamera wirklich eine Rolle spielt. Vergiss das Marketinggeschwätz von Megapixeln, hohen ISO-Werten und Sensorformaten.

Anmerkung: Ich bin kein Profi-Fotograf, sondern schreibe aus Sicht eines begeisterten Hobby-Fotografen. Meine Themenschwerpunkte sind Straßenfotografie und Stadtlandschaften.

Während der vorletzten Apple Keynote jubelte das Publikum, als bei den neuen iPhones ein fotografisches Superfeature vorgestellt wurde. Der Benutzer kann die Schärfentiefe im fertigen Foto nachträglich verändern und so Personen oder Objekte durch Weichzeichnung des Hintergrunds freistellen. Die Weichzeichnung nennt man Bokeh und war bis dato eines der Pro-Kaufargumente für Systemkameras. Warum soll man sich überhaupt noch eine »richtige« Kamera zulegen, wenn die Smartphones schon so nah dran sind? Für Nicht-Profis ist es tatsächlich unübersichtlich, sich im Kameramarkt zurecht zu finden. Die Hersteller übertreffen sich jedes Jahr bei den Megapixelzahlen. Unter dem Stichwort Sensorformat tummeln sich verschiedene Klassen von Micro Four Thirds (MFT), über APS-C, Mittelformat bis hin zum Vollformat. Astronomisch hohe ISO-Werte ermöglichen nahezu rauschfreie Aufnahmen bei Dunkelheit. Bigger sounds better. Stimmt. Auf dem ersten Blick. Doch sind diese technischen Details wirklich eine Garantie, dass Du tolle Fotos machen kannst?

Die raffinierteste Kamera wird Dir nichts nützen, wenn Du Dein Auge nicht schulst und einen fotografischen Blick entwickelst. Ohne Bildidee ist jedes Foto langweilig, egal wie toll die Kamera ist. Wenn Du nur im Automatikmodus fotografierst, nutzt Du ungefähr 5 Prozent der Möglichkeiten, die in einer Kamera stecken und kannst Deine Fähigkeiten kaum verbessern. Daher solltest Du Dich unbedingt mit den fotografischen Grundlagen vertraut machen. Die vier Bausteine eines guten Fotos sind Perspektive, Schärfe, Belichtung und Komposition. Hierzu empfehle ich das hervorragende Grundlagenbuch Die kreative Fotoschule von Markus Wäger. Wenn von bigger-is-better-Fähigkeiten der Kameras die Rede ist, wird eine Tatsache unter den Tisch gekehrt: alle aktuellen Kameras (auch Kompaktkameras mit fest verbauten Objektiven) bieten soviel Leistung, dass Du damit sowieso perfekte Fotos machen kannst.

Bevor Du Dir eine neue Kamera zulegst, solltest Du Dir zuerst einmal im Klaren sein, was Du fotografieren möchtest. Denn jedes Genre hat seine typischen Motive und bestimmte Anforderungen an die technische Ausstattung oder Kameragröße. Der Landschaftsfotograf bedient sich oft weitwinkliger Objektive, um Panoramen abzubilden. In der Tierfotografie sind extreme Telebrennweiten gefragt, um Tiere aus großer Entfernung einzufangen. In der Straßenfotografie möchte man sich möglichst unauffällig am Geschehen bewegen und bevorzugt eher kleine Kameras. Wer sich noch nicht sicher ist, welche Themen für ihn infrage kommen, der findet in unzähligen Fotoblogs, bei instagram oder auf youtube jede Menge Inspiration.

Tanz der Molekühle. EisArena, Planten un Blomen; Olympus 25mm F1.8

Sind die fotografischen Themen klar, bist Du schon einen großen Schritt weiter. Herzlichen Glückwunsch! Denn damit stehen die wichtigsten Kriterien, was die Kamera leisten muss. Inspiriert von Robing Wongs Blogartikel 5 Important Criteria of Camera To Consider Besides High ISO and Megapixel Count beschreibe ich im Folgenden die 5 wichtigsten Anforderungen an meine Kamera. Diese Punkte sind lediglich ein Beispiel. Sie sind nicht allgemeingültig und sehr wahrscheinlich wird sich Deine Liste davon unterscheiden.

1. Schneller, präziser Autofokus

Straßenfotografie ist eine ungestellte Momentaufnahme im Alltag. Sie lebt von spontanen Geschehen und hält den besonderen Moment fest. Das Foto nahm ich nach dem Ende des Fischmarktes auf. Ein Laster fährt an und die auf dem Dach stehenden Möwen schwingen sich in die Luft empor. Zwei Möwen bleiben zunächst auf dem wackelnden Gefährt stehen, bevor sie Sekundenbruchteile später den anderen folgen. Ich hätte keine Chance gehabt, den Fokus in der Szene manuell zu setzen und war froh, dass ich mich auf den präzisen, schnellen Autofokus verlassen konnte. Ich mache mir darüber keine Gedanken mehr, weil der Autofokus zuverlässig arbeitet und bei 80 Prozent der Aufnahmen sitzt.

Möwen zu Gast beim Hamburger Fischmarkt. Das Foto habe ich mit dem 14–42mm 1:3.5-5.6 EZ Olympus Pancake geschossen.

2. Bild-Stabilisierung

Ich fotografiere draußen frei aus der Hand und habe noch nie ein Stativ verwendet. Mir ist das einfach zu sperrig und zu unflexibel. Da meine Kamera einen leistungsfähigen 5-Achsen-Bildstabilisierung besitzt, ist das tagsüber auch nicht nötig. In der Praxis bietet mir die Bildstabilisierung 3 Vorteile:

  • Ich kann unverwackelte und scharfe Fotos schießen, einen präzise gesetzten Fokus vorausgesetzt.
  • Ich kann mit relativ langen Belichtungszeiten von 1/20 Sekunden. Bewegungen festhalten, während das Setting scharf ist.
  • Ich kann das ISO-Rauschen verringern und somit die Bildqualität verbessern. Anstelle von 1/50 Sekunden bei ISO 1.600 sind mithilfe der Bildstabilisierung 1/10 Sekunden bei ISO 400 möglich.

Frei aus der Hand geschossenes Motiv, Belichtungszeit: 1/40 Sekunden, Olympus 25mm F1.8

3. Qualität und Auswahl der Objektive

Bei den Systemkameras (mit und ohne Spiegel) handelt es sich um Zwei-Komponenten-Systeme, bestehend aus dem Kamerabody und dem Wechsel-Objektiv. Die Bildqualität hängt nicht nur von der Sensorformat ab, was sich in der Megapixelzahl ausdrückt. Entscheidend ist die Abbildungsqualität des Objektivs. Dazu zählen Schärfe, geringe Verzerrungen zu den Rändern hin, die Lichtstärke und das Bokeh. Zusammen bilden diese Eigenschaften einen spezifischen Look and Feel, das die Bildästhetik wesentlich mit prägt.

Für den Einstieg in ein Kamerasystem bieten alle Hersteller sogenannte Kit-Pakete an. Der Kamerabody wird zusammen mit einem günstigen Zoom-Objektiv gebundelt, das i.d.R. eine Brennweite vom Weitwinkel (18 mm) bis zu einer normalen Brennweite (55 mm) oder leichtem Tele (105 mm) abdeckt. Diese Kit-Objektive haben eher einen schlechten Ruf, weil die Bildqualität nicht besonders gut ist. Für den Fotografie-Neuling sind die Bundles eine preislich attraktive Möglichkeit, die Kamera kennenzulernen und mit dem flexiblen Zoomobjektiv viele Erfahrungen zu sammeln. Früher oder später kommt dann die Frage nach einem größeren Brennweitenbereich oder nach einer hochwertigeren Linse. Daher ist es empfehlenswert, sich bereits vor der Entscheidung für eine Marke / Kamerasystem zu informieren, ob alle wichtigen Brennweiten von den Objektiven abgedeckt sind und wie es um die optische Qualität steht. Festbrennweiten sind zwar unflexibler als Zoomobjekteive, bieten dafür aber eine sehr hohe Abbildungsqualität. Welche Festbrennweite unverzichtbar ist, ist individuell verschieden und hängt unter anderem von den bevorzugten Bildmotiven ab.

Das Foto vom Medienhafen Düsseldorf habe ich mit einem Olympus 25mm F1.8 Objektiv aufgenommen. Es ist selbst bei Offenblende knack scharf und zeigt nur geringe Verzeichnungen.

Die Hersteller bieten neben den Kit-Objektiven auch hochwertige Premium-Zoomgläser an, die professionellen Ansprüchen genügen. Sie zeichnen sich durch eine hohe Bildqualität, durch eine hohe oder durchgängige Lichtstärke aus und sind oft für den Einsatz im Freien staub- und spritzwassergeschützt. Diese Qualität hat aber ihren Preis.

Hier und da kann man den Spruch lesen, dass man lieber das Geld in gute Objektive steckt, als in den Kamerabody. Da ist definitiv was dran.

Diese Aufnahme entstand in Grömitz an der Ostsee mit einem Olympus 45mm F1.8 Objektiv. Es ist, wie auch die 25mm Linse lichtstark, sehr scharf und in Sachen Preisleistung das wohl interessanteste aller Olympus-Objektive.

4. Kameraergonomie und Bedienung

Blogartikel und Kamera-Rezensionen sind zwar hilfreich, können aber nicht wirklich vermitteln, wie sich eine Kamera anfühlt. Ja, richtig. Für mich muss die Kamera gut in der Hand liegen. Das Material, egal ob Metal oder Kunststoff soll sich gut anfühlen und der Hand schmeicheln. Zudem spielt die Ausbalancierung (abhängig vom verwendeten Objektiv) und das Gewicht eine wichtige Rolle. Und dann ist da noch der Griff, der einen sicheren Halt bieten sollte.

Außerdem wäre es klasse, wenn die Bedienelemente so angeordnet sind, dass man die Kamera leicht und intuitiv bedienen kann. Bei meiner Olympus OM-D MK 10 II sind die Einstellräder oben aus Metal gefertigt und haben einen leichten Widerstand beim Drehen. Da verstellt sich nichts aus Versehen. Es macht einfach Laune, dass sich die Einstellräder so wertig anfühlen. Tasten und Knöpfe können winzig und fummelig sein oder sie haben die richtige Größe, einen guten Druckpunkt und lassen sich ohne Probleme bedienen.

Die Einstellräder der OM-D MK 10 II sind auch dann bequem bedienbar, wenn man sie blind bedient, während man gerade durch den Viewfinder guckt.

Aus meiner Sicht ist ein guter Viewfinder goldwert. Mit dessen Hilfe wählt man den Ausschnitt gezielt und fotografiert präziser als mittels Display. Das Fehlen eines Viewfinders ist für mich einer der Hauptgründe, warum ich das Fotoerzeugen mit einem Smartphone als Knipserei sehe.

Ein letzter Punkt, der oft vernachlässigt wird, ist die Benutzerführung im Kameramenü und dessen Komplexität. Wenn zentrale Einstellungen wie Belichtungs-Messmethode oder Fokusierungsart in den Tiefen der Untermenüs versteckt sind, kann schnell Frust aufkommen. Es soll jede Menge Fotografen geben, die an der Überkomplexität und Optionenvielfalt derart verzweifelt sind, dass sie die neue Kamera nach kurzer Zeit frustriert eingemottet haben.

Bevor Du Dich auf die vermeintlich perfekte Kamera festlegst, empfehle ich Dir, das infrage kommende Gerät beim Händler in die Hand zu nehmen, um dafür ein Gefühl zu bekommen.

5. Das Immer-dabei-haben-wollen-Gefühl

Der letzte meiner Punkte ist subjektiver Natur. Welche Kamera ist die Beste? Die, die man am liebsten in die Hand nimmt und einfach gerne spontan einpackt, egal ob beim Spaziergang in der Stadt, bei der Wanderung im Grünen oder bei einem Treffen mit Freunden oder Familie. Deshalb ist für mich die Kompaktheit und das Gewicht eines der wichtigsten Kriterien. Ich bemitleide Besitzer von großen Spiegelreflex-Kameras mit monströsen Objektiven. Meine Olympus OM-D Kamera ist so kompakt, dass sie mit dem 14–42mm Pancake Objektiv locker in die Jackentasche passt. Mit gerade mal 650 Gramm ist das System ein Fliegengewicht. Selbst mit dem 25mm oder 45mm Objektiv ist die Kamera noch klein und belastet meine Schultern auch nach Stunden nicht. Zugegeben, die Kamera ist so winzig, dass ich mir den optionalen Griff zugelegt habe.

Fazit

Bei der Suche nach der passende Kamera kannst Du Dich weder auf Empfehlungen von Freunden, Fotobloggern oder gar Verkäufer im Laden verlassen. Welches Model zu Dir passt, kannst Du nur herausfinden, wenn Dir klar bist, was Du fotografieren möchtest. Es gibt einfach keine Kamera, die alles perfekt kann.
* Die Überschrift dieses Artikels möchte ich hier ergänzen: Mit welcher Kamera habe ich Spaß und kann mich damit weiterentwickeln? Lieber klein anfangen, viel üben und später erst auf ein größeres Modell umsteigen.

Weiter Fotos von mir gibt’s auf flickr zu sehen.

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Schriftmuster der bahnbrechenden Memphis

Die Schriftfamilie Memphis ist die erste geometrische serifenbetonte Linearantiqua und markiert somit einen Meilenstein in der Schriftgestaltung. Dr. Rudolf Wolf entwarf die Schrift 1929 für Stempel und vereinte in ihr die Kraft, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts populären Egyptienne-Schriften, mit der technischen, geometrischen Klarheit von Futura und Co.

Die Memphis besticht durch monolineare Buchstaben mit einer kühlen, technischen Ausstrahlung. Für den technisch glatten Eindruck verdünnte Wolf die Strichstärken der Kurven minimal an den Übergängen zu den Stämmen und Serifen. Zudem zeichnete er die Serifen ein wenig feiner als die Stämme und verwendete symmetrische Serifen.

 

Die Memphis zählt ein paar charakteristische Buchstaben, anhand derer sie sich gut von ähnlichen Egyptiennes (z.B. Beton, Stymie, Rockwell) unterscheiden lässt:

  • Das große und kleine »o« sind perfekte Kreisformen ohne optische Anpassung.
  • Die gebogene Unterlänge des kleinen »g« ist kurz und flach, ähnlich wie der Fuß des kleinen »t«.
  • Das kleine »r« besitzt als Tropfen einen Kreis, der formal auf Egyptiennes aus dem 19. Jahrhundert verweist.
  • Der Stamm des kleinen einbäuchigen »a« besitzt oben und unten eine Serife.
  • Die Unterlänge des kleinen »y« schließt mit einer flachen Serifen nach links und rechts ab.

Das als Faltblatt gestaltete Schriftmuster stellt die komplette Familie mit 13 Schnitten vor: Zarte Memphis, Magere Memphis und entsprechende Kursive, Halbfette Memphis und entsprechende Kursive, Fette Memphis und Memphis Buchschrift mit halbfetter Auszeichnung; dazu gesellen sich die schmalen Schnitte magere Memphis-Universal, halbfette Memphis-Universal und fette Memphis-Universal; schließlich wird die Schriftfamilie durch die beiden Displayschnitte Memphis-Luna mit einer dreidimensionalen Anmutung und die konturierte Lichte Memphis vervollständigt.

Der überwältigende Erfolg der Memphis führte damals zu einer wahren Flut serifenbetonter Linearantiquas, weil die anderen großen Schriftgießereien (Linotype, Monotype, Berthold) versuchten, mit ähnlichen Schriften zu konkurrieren.

Die Hintergrundinformationen und Schriftbeschreibung entstammt dem Buch ›The Visual History of Type‹ von Paul McNeil.
Hochaufgelöste Fotos findest Du auf flickr.

 

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Neulich auf dem Fischmarkt

Durch Klick auf das Foto gelangst Du zu weiteren Fischmarktmotiven auf meinem flickr-Account.

Er ist Kult und ein Stück Hamburg, das jeder kennt: Der ­Fischmarkt. Hier trifft der Nacht­schwärmer auf den erwartungsfrohen Touristen und auf die Frau von ­nebenan, die vollgestopfte Gemüsetaschen nach Hause schleppt. An jeder Ecke über­tönen sich stimmgewaltige Marktschreier und ­locken Schau­­lustige an ihre Stände.

Mich interessierte, wie der Platz, auf dem der Fischmarkt statt­findet, seinen Charakter verändert. Jede Stunde ist anders: Der Aufbau um vier Uhr in der Frühe bei Neonlicht. Der ­rummelige Hochbetrieb, wenn sich ­Menschenmassen durch schmale Gänge schieben. ­Müllberge gegen Ende, gespeist durch leere ­Steigen, und flankiert von unzähligen ­Ausschussware-Jägern. Und schließlich der Kehraus der städtischen Müll­reinigung.

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Bücher und Karotten

Nicht nur die Verlagsbranche ist alarmiert: die Anzahl der Menschen, die überhaupt noch lesen, ging in den vergangenen fünf Jahren dramatisch zurück.

Ist der Nie­der­gang des Lesens ange­sichts der Ver­lo­ckun­gen von face­book, insta­gram und Co. bereits besie­gelte Tat­sa­che? Wie steht es um die Lese­fä­hig­keit und Selbst­re­fle­xi­on von Schü­lern und jun­gen Erwach­se­nen? Wel­che Bedeu­tung hat es für die Demo­kra­tie, wenn das Lesen durch den pas­si­ven Kon­sum vor­ge­fer­tig­ter Bil­der ver­drängt wird? Der auf­schluss­rei­che Pod­cast des Zeitfragen‐Magazins Ver­lags­bran­che im Wan­del – Bleibt das Buch auf der Stre­cke beleuch­tet das Kul­tur­gut Buch und die Kul­tur­tech­nik Lesen mit vie­len Stim­men aus der Verlags‐ und Buch­händ­ler­bran­che (30 Minu­ten).

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Blanco – eine feine Satzschrift aus Down Under

Dass nicht nur etablierte Schriftdesigner hochwertige Schriften entwickeln, beweisen immer wieder angehende Schriftgestalter aus dem Masterstudiengang Type and Media in Den Haag. 2012 wurde ich auf eine wunderschöne Serifenschrift aufmerksam, gezeichnet vom Absolventen Dave Foster. Blanco erinnerte mich ein wenig an Lyon Text, Tiempos und Plantin, besaß aber einen eigenen Charakter mit gut ausbalancierten Kontrasten und einem klaren Schriftbild. Nachdem die Schrift in der Schublade verschwanden war und Dave als Schriftgestalter bei einigen der wichtigsten Typefoundries gearbeitet hatte, nahm er sich der Blanco noch einmal an. Er überarbeitete das Design der Schriftfamilie von A bis Z, baute den Umfang aus und optimierte sie für die Lesbarkeit am Bildschirm. Blanco ist gerade zum Relaunch von Daves Website erschienen. Vorhang auf für eine großartige Satzschrift!

Bei­trag zu Ende lesen

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