Tipps für die Suche und Lizenzierung von Web Fonts

Die Creative Suite wird es zukünftig nur noch als Creative Cloud Mietservice geben, wie Adobe vorgestern mitteilte. Des Einen Leid, des Anderen Freud: Typekit ist einer der großen Web Font Services und Bestandteil der Creative Cloud; in Kürze wird der Dienst auch Desktop Fonts bereitstellen. Für mich Anlass genug, eine Übersicht der populärsten Web Font Anbieter und Tipps für die Auswahl zusammenzutragen. 

Was bedeutet der Begriff Web Font?

Als Web Fonts bezeich­net man bestimmte Font­for­mate (u.a. EOT, WOFF, OTF), die mit Hilfe der @font-face-Regel auf einem Ser­ver abge­legt und zusam­men mit der Web­site aus­ge­lie­fert wer­den. Der tech­ni­sche Begriff sagt aller­dings nichts dar­über aus, ob ein Web Font pro­fes­sio­nel­len Ansprü­chen genügt: dazu zäh­len Leser­lich­keit, Les­bar­keit, Umfang des Zei­chen­sat­zes, Aus­bau als Schrift­fa­mi­lie, mul­ti­lin­guale Unter­stüt­zung, typo­gra­fi­sche Fea­tures wie Liga­tu­ren, Small Caps oder ver­schie­dene Zif­fern­ar­ten, etc.

Fragen zur Verwendung von Web Fonts

Das Thema Web Fonts ist recht kom­plex, weil neben gestal­te­ri­schen Ent­schei­dun­gen jede Menge tech­ni­sche Dinge und Kos­ten eine Rolle spie­len. Daher sind die fol­gen­den Fra­gen ein ers­ter Anhalts­punkt bei der Suche nach einer geeig­n­ente Schrift fürs Inter­net .

Inhalt und Ziel­gruppe
Wel­che Schrif­ten pas­sen zu den Inhal­ten? Wer ist die Ziel­gruppe? Wel­che Erwar­tungs­hal­tun­gen hat die Ziel­gruppe an Inhalt und Gestal­tung?

Kom­ple­xi­tät
Wie kom­plex sind die Text­hier­ar­chien? Wie viele Schnitte wer­den benö­tigt? Reicht eine Schrift­fa­mi­lie mit zwei oder drei Schnit­ten oder sol­len unter­schied­li­che Schrift­fa­mi­lien gemischt wer­den? Viel­leicht benö­tigt man einen Web Font nur für mar­kante Head­lines und belässt den Fließ­text in einem Sys­tem Font.

Qua­li­tät
Unter funk­tio­na­len Aspek­ten sollte die Schrift natür­lich gut les­bar sein. Für län­gere Texte hat sich in etwa eine Größe zwi­schen 12 und 17 Pixeln ein­ge­bür­gert. Bei die­sen Schrift­gra­den ist eine Bild­schirm­op­ti­mie­rung mit Hilfe von Hin­ting nötig, damit die Zei­chen­for­men mög­lichst sau­ber dar­ge­stellt wer­den. Die Dar­stel­lungs­qua­li­tät von Lucida, Ver­dana oder Geor­gia ist für diese Text­grö­ßen das Refe­renz­maß. Zudem spielt die Größe der Font­da­tei (Sub­set­ting) eine wich­tige Rolle, gerade bei Brow­ser­nut­zung auf mobi­len Gerä­ten.

Unter ästhe­ti­schen Aspek­ten spielt die Schrift­wir­kung eine wich­tige Rolle. Für Text­schrif­ten gilt, dass ein beson­ders mar­kan­ter Eigen­cha­rak­ter zu Las­ten der Les­bar­keit geht. Des­halb eig­net sich nicht jeder Cor­po­rate Font für den flä­chen­de­cken­den Ein­satz auf Web­sites: eine Dax Con­den­sed, Rock­well oder Euro­stile ist schon im Print nicht für Fließ­texte geeig­net, hier aber ein Anschlag auf des Lesers Augen. Wenn Les­bar­keit nur eine unter­ge­ord­nete Rolle spielt, weil die Schrift nur an weni­gen expo­nier­ten Stel­len ver­wen­det wird, ist man natür­lich viel freier in der Schrift­wahl.

Kos­ten
Wel­ches Lizen­zie­rungs­mo­dell hätten’s gern: eine Flat­rate nach Zeit­raum und Anzahl der Page­views oder eine Bezah­lung nach Ein­zel­schnit­ten, Zeit­raum und Daten­vo­lu­men? Alter­na­tiv wer­den oft Font­li­zen­zen für das Selbst­ho­s­ting ange­bo­ten.

Anbieter von Web Fonts

Es las­sen sich grob vier Kate­go­rien von Anbie­tern auf­stel­len:

  • Font Dis­tri­bu­to­ren, die Web Fonts ver­schie­de­ner Type Found­ries anbie­ten, ohne Hos­ting­ser­vice.
  • Font Dis­tri­bu­to­ren, die Web Fonts ver­schie­de­ner Type Found­ries anbie­ten, mit Hos­ting­ser­vice.
  • Type Found­ries, die eigene Schrif­ten als Web Fonts lizen­zie­ren und hos­ten.
  • Type Found­ries, die eigene Schrif­ten als Web Fonts lizen­zie­ren aber nicht hos­ten.

Meine Auf­lis­tung beinhal­tet die popu­lärs­ten Anbie­ter der Kate­go­rie 1 bis 3, ohne Anspruch auf Voll­stän­dig­keit und Gewähr auf Rich­tig­keit.

Die Geschäfts­mo­delle sind teil­weise recht unter­schied­lich, was die Anzahl der ver­füg­ba­ren Fonts, Page­views und Kos­ten betrifft. Dage­gen ist das Ein­rich­ten der Web Fonts oft unkom­pli­ziert und geht schnell von­stat­ten; bei den von mir getes­te­ten Hos­ting­ser­vices (Typekit, Web­type, Typo­the­que) waren die Schrif­ten inner­halb von 5 Minu­ten live.

Die hier auf­ge­führ­ten Anga­ben sind eine grobe Über­sicht, genaue Infos bitte beim jewei­li­gen Anbie­ter nach­schauen. Für Web­sites mit sehr hohen Zugriffs­zah­len (z.B. mehr als zwei Mio. Page­views / Monat) lohnt sich mög­li­cher­weise ein exklu­si­ver Ver­trag mit dem Anbie­ter der Wahl.

fonts.com
Das Ange­bot ist mit mehr als 20.000 Web Fonts rie­sig. Hier fin­det man viele Klas­si­ker wie Uni­vers, Fru­ti­ger, Trade Gothic oder Cla­ren­don, aber auch neue Fonts. Doch Vor­sicht: unter pro­fes­sio­nel­len Anfor­de­run­gen schrumpft die gigan­ti­sche Aus­wahl stark zusam­men.
Hos­ting­ser­vice: ja
Selbst­ho­s­ting: ja
kos­ten­los Tes­ten im Pro­to­ty­pen: ja
Gebühr: Ver­schie­dene Abo­mo­delle: z.B. nur Web Fonts oder die Kom­bi­li­zenz für Web und Desk­top; rela­tiv teuer
Aus­wahl von ver­trie­be­nen Type Found­ries: Lino­type / Mono­type / ITC / Adobe / Sud­ti­pos / URW++

Typekit
Ado­bes Toch­ter bie­tet zur Zeit etwa 2.000 Fonts an, die alles von Display‐ bis Lese­be­reich abde­cken. Das Preis‐Leistungsverhältnis ist m.E. fair: mit rund 50 Dol­lar im Jahr ist man in der Regel voll­kom­men ver­sorgt; für Crea­tive Cloud Abon­nen­ten ist der Dienst bereits inbe­grif­fen.
Hos­ting­ser­vice: ja
Selbst­ho­s­ting: nein
kos­ten­los Tes­ten im Pro­to­ty­pen: ja
Gebühr: beinhal­tet Flat­rate auf gesamte Biblio­thek und wird nach Pageview‐Anzahl bemes­sen (ab 50.000 / Monat); im Lauf des Jah­res wer­den auch Desk­top Fonts bereit­ge­stellt.
Aus­wahl von ver­trie­be­nen Type Found­ries: Adobe / DSType / Font­Font / Just Ano­t­her Foundry / Suit­case Type Foundry / Typo­fon­de­rie

Font­Shop
Font­Shop bie­tet seine Web Fonts mit einer ein­ma­li­gen Lizenz­ge­bühr an. Für Web­lay­outz­we­cke erhält der Benut­zer Open­Type Fonts (Comp Fonts), die aber nicht anders­wei­tig ver­wen­det wer­den dür­fen. Zusätz­lich hat Font­Shop eine eigene Kol­lek­tion von Mobile Fonts für Apps im Ange­bot.
Hos­ting­ser­vice: via Typekit
Selbst­ho­s­ting: ja
kos­ten­los Tes­ten im Pro­to­ty­pen: nein
Extra Tools: Font­Fon­ter
Gebühr: Kos­ten pro Schrift­schnitt und Page­views (Stan­dard 500.000 / Monat)
Aus­wahl von ver­trie­be­nen Schrif­ten: FF DIN / FF Meta / FF Scala / FF Clan / FF Tun­dra / FF Suhmo

Font­deck
Der bri­ti­sche Font Dis­tri­bu­tor bie­tet ein gutes Sor­ti­ment bekann­ter und exklu­si­ve­rer Fonts von über­wie­gend klei­nen und mitt­le­ren Type Found­ries.
Hos­ting­ser­vice: ja
Selbst­ho­s­ting: nein
kos­ten­los Tes­ten im Pro­to­ty­pen: ja
Gebühr: Kos­ten pro Schrift­schnitt, Pageview‐Anzahl und Jahr
Aus­wahl von ver­trie­be­nen Type Found­ries: Posi­type / Fonts­mith / Virus­Fonts / Foun­tain / Jeremy Tank­ard Typo­gra­phy / Type­Tog­e­ther
Update: Font­deck stellt sei­nen Web­ser­vice zum 1. Dezem­ber 2016 ein

WebInk
Hos­ting­ser­vice der Firma Exten­sis, die das Schrift­ver­wal­tungs­tool Suit­case Fusion anbie­tet. Neben eini­gen gro­ßen Type Found­ries sind haupt­säch­lich kleine und mitt­lere Anbie­ter im Sor­ti­ment.
Hos­ting­ser­vice: ja
Selbst­ho­s­ting: nein
kos­ten­los Tes­ten im Pro­to­ty­pen: ja
Gebühr: beinhal­tet Flat­rate auf Biblio­thek und wird nach Pageview‐Anzahl bemes­sen
Aus­wahl von ver­trie­be­nen Type Found­ries: Adobe / Para­type / Dal­ton Maag / Our­Type / Type­Tog­e­ther / Jan Fromm / URW++

Font­spring
Der US Font­dis­tri­bu­tor bie­tet Web Fonts, Desk­top Fonts, Ebook Fonts und App Fonts mit sehr benut­zer­freund­li­chen und über­sicht­li­chen Lizenz­be­din­gun­gen. Die ganz gro­ßen Type Found­ries feh­len, dafür sind eine Reihe inter­es­san­ter Inde­pen­dent Found­ries mit an Bord.
Hos­ting­ser­vice: nein
Selbst­ho­s­ting: ja
kos­ten­los Tes­ten im Pro­to­ty­pen: nein
Gebühr: ein­ma­lige Lizenz­kos­ten für Web Fonts
Aus­wahl von ver­trie­be­nen Type Found­ries: Canada Type / HVD Fonts / Lati­no­type / Mil­ler Type Foundry / Shin­n­type / Suomi Type Foundry

Cloud.typography
Hoefler & Frere‐Jones ist eine der reno­mier­tes­ten Schrift­schmie­den. Seit Juli ist nun ihr heiß ersehn­ter Web­font­ser­vice online. Die Fon­t­aus­wahl ist rela­tiv klein aber fein mit Fokus auf Edi­to­rial und Cor­po­rate Fonts. Spe­zi­ell für Lese­schrift­grade bie­tet H&FJ Fonts unter dem Label ScreenS­mart fonts an. Typo­gra­fen auf­ge­passt: indi­vi­du­el­les  Fein­tu­ning und eine breite Aus­wahl an Schnit­ten bie­ten viel Spiel­raum.
Hos­ting: ja
Selbs­hos­ting: nein
kos­ten­lo­ses Tes­ten im Pro­to­ty­pen: ja
Fonts für Mobile Apps: ja (auf Anfrage)
Gebühr: Zugriff auf gesamte Schrift­bi­blio­thek ab 99 $ im Jahr bei 250.000 Page­views pro Monat
Aus­wahl an ver­trie­be­nen Schrif­ten: Gotham / Mer­cury Text / Sen­ti­nel / Tungs­ten / Whit­ney

Web­type
Web­type ist ein Ser­vice von Font­Bu­reau, Roger Black und Petr van Blok­land. Die feine Schrift­kol­lek­tion hat einen Fokus auf Edi­to­rial Schrif­ten. Eine Beson­der­heit sind die Rea­ding Edge Schrif­ten (RE), beson­ders auf­wen­dig opti­miert für Lese­schrift­grade zwi­schen 9 und 14 px.
Hos­ting­ser­vice: ja
Selbst­ho­s­ting: ja (ab 2.5 Mio Page­views / Monat)
kos­ten­los Tes­ten im Pro­to­ty­pen: ja (30 Tage)
Extra Tools: Font Swap­per
Gebühr: Kos­ten pro Font (Schrift­schnitt), Page­views und Jahr
Aus­wahl von ver­trie­be­nen Type Found­ries: Font Bureau / Okay Type / Bold Mon­day / Mono­type / Ascen­der / Garage Fonts

Typo­the­que
Petr Bil’ak ist Desi­gner, Autor, Her­aus­ge­ber und Typede­si­gner. Seine eigene Type Foundry hat haupt­säch­lich Edi­to­rial und Cor­po­rate Schrif­ten im Pro­gramm. Wer dort eine Schrift kauft, kann ent­we­der nur eine Web­li­zenz erwer­ben oder eine Kom­bi­li­zenz für Desk­top und Web. Mobile‐ und Broad­cas­ting­li­zen­zen sind eben­falls erhält­lich.
Hos­ting­ser­vice: ja
Selbs­hos­ting: ja
kos­ten­los Tes­ten im Pro­to­ty­pen: ja (30 Tage)
Gebühr: Hos­ting ist im ein­ma­li­gen Lizenz­preis inbe­grif­fen (bis zu 500 MB / Monat)! Bei grö­ße­rem Daten­vo­lu­men kommt ein Auf­schlag hinzu.
Aus­wahl von ver­trie­be­nen Schrif­ten: Fedra / Fedra Sans / Greta / Lumin / Irma / Brioni

MyFonts
Der Schrift­dis­tri­bu­tor MyFonts bie­tet eine unglaub­li­che Aus­wahl von mehr als 30.000 Web Fonts an. Doch Vor­sicht: unter pro­fes­sio­nel­len Anfor­de­run­gen schrumpft die gigan­ti­sche Aus­wahl stark zusam­men. Web Fonts kos­ten genauso viel wie Desk­top Fonts. Es gibt auch Kom­bi­li­zen­zen, sowie Lizen­zen für EBook, App und Ser­ver.
Hos­ting­ser­vice: nein
Selbst­ho­s­ting: ja
kos­ten­los Tes­ten im Pro­to­ty­pen: nein
Gebühr: Lizenz ent­we­der nach erwar­te­tem monat­li­chen Pageview‐Aufkommen oder nach einer ein­ma­li­gen Schät­zung aller Page­views — hängt von den Lizenz­be­din­gun­gen der jewei­li­gen Type Foundry ab.
Aus­wahl von ver­trie­be­nen Type Found­ries: Mono­type / Garage Fonts / Pro­cess Type Foundry / Emigre / DSType / Hof­type

Google Web Fonts
Unter pri­va­ten Nut­zern dürfte der kos­ten­lose, gut funk­tio­nie­rende Google‐Dienst beliebt sein. Für pro­fes­sio­nelle Anwe­der eher nicht zu emp­feh­len, weil die Qua­li­tät der ange­bo­te­nen Open Source Fonts m.E. sehr unter­schied­lich ist. Neben Erst­ent­wür­fen jun­ger Typede­si­gner tum­meln sich hier eine Reihe von dreis­ten Schrift­pla­gia­ten und zwei­fel­haf­ten Dis­play Fonts.
Hos­ting­ser­vice: ja
Selbst­ho­s­ting: ja
Gebühr: keine
Aus­wahl von Schrif­ten: Open Sans / Source Sans Pro / Fjalla One / Gen­tium Basic

Adobe Edge Web Fonts
Der kos­ten­lose Adobe Dienst bie­tet das Hos­ting von Open Source Fonts an und läuft auf den Ser­vern von Typekit. Viele der hier ver­füg­ba­ren Fonts sind auch in der Google Web Fonts Biblio­thek ent­hal­ten. In Sachen Qua­li­tät gilt aller­dings das Glei­che wie dort.
Hos­ting­ser­vice: ja
Selbst­ho­s­ting: nein
Gebühr: keine
Aus­wahl von Schrif­ten: Source Sans Pro / Droid Serif / Droid Sans / Mer­ri­wea­ther

 

Der Begriff Font steht für die Schriftdatei, während ›Schrift‹ die tatsächlich sichtbare Schrift ist.

2 Kommentare

  1. Niklas am 4.04.2014

    Schöne Über­sicht. Mir war bis vor kur­zem gar nicht bewusst, wel­che Anbie­ter­viel­falt doch vor­herrscht. Vor­al­lem unter­schei­det sich der Ser­vice der vier ver­schie­de­nen Kate­go­rien von Web­fonts Anbie­tern teil­weise sehr stark! Eine schöne Über­sicht bie­tet hier auch http://webfontsanbieter.de.

    Mein per­sön­li­cher Favo­rit aus Agen­tur­sicht ist defi­ni­tiv Fonts.com wegen der vie­len regel­mä­ßi­gen Aktio­nen. Als Pri­vat­per­son habe ich mich lang­sam auf Lino­type ein­ge­schos­sen.

  2. Peter am 5.04.2014

    Danke für Dei­nen Link‐Tipp! Die Wahl des Anbie­ters hängt natür­lich von ver­schie­de­nen Fak­to­ren ab. Lino­type ist da sicher eine gute Wahl, wenn es um Schrift­klas­si­ker geht.