Alternativen zur Futura

Wer die Schriftwahl hat, hat die Qual. Ist weder Lust noch Budget für neue Schriften vorhanden, lohnt ein Blick auf bekannte Klassiker. Zugegeben, je nach Kontext wirken diese mitunter sehr verbraucht — man hat sich satt gesehen. Trotzdem kann es spannend sein, im Umfeld von Klassikern zu stöbern und Nachfahren oder »Klone« unter die Lupe zu nehmen. Sie sind den Originalen auf dem ersten Blick ähnlich und transportieren eine geläufige Grundstimmung. Aber manche Buchstaben unterscheiden sich im Detail; abweichende Proportionen, Kontraste, Zurichtung und Grauwert im Schriftbild sorgen für die gewisse Reibung.

In die­sem Bei­trag stelle ich ein paar Alter­na­ti­ven zur Futura vor. Sie ist nicht die aller­erste, aber berühm­teste Ver­tre­te­rin der geo­me­trisch kon­stru­ier­ten Seri­fen­lo­sen. Ihr Ein­fluss auf die Typo­gra­fie des 20. Jahr­hun­derts ist unbe­strit­ten. Das wür­dig­ten auch die Juro­ren des Font‐Rankings »Die 100 bes­ten Schrif­ten« mit Platz fünf.

 

Neuzeit Grotesk

Foundry: URW / Desi­gner: Wil­helm Pisch­ner / Jahr: 1930 / Schnitte: 6
Die Stem­pel AG ver­öf­fent­lichte 1930 die Neu­zeit Gro­tesk in sechs Schrift­schnit­ten. Ihre grö­ßere x‐Höhe ermög­lichte im Ver­gleich zur Futura einen kom­pak­te­ren Satz.

 

Drescher Grotesk

Bit­stream / Arno Dre­scher, Nico­lai Gogoll / 1930, 2001 / 7
Nico­lai Gogoll zeich­nete die Dre­scher Gro­tesk nach Vor­lage der Super Gro­tesk (1930−1938, Arno Dre­scher), die als eine der am häu­figs­ten in der DDR ver­wen­de­ten Schrif­ten galt.

 

 

Spartan Classified

Lino­type / Lino­type Design Stu­dio / 1936 / 2
Teil­weise sehr breit pro­por­tio­nierte Ver­sa­lien (E, F, K, R), sehr große x‐Höhe und deut­lich ver­jüngte Bogen­ein­läufe (a, b, d, p, q). Eine Schrift für sehr kleine Text­grade.

 

 

Twentieth Century

Mono­type / Sol Hess / 1937–1947 / 19
Mono­ty­pes Ant­wort auf die erfolg­rei­che Futura mit einer höhe­ren x‐Höhe und gleich­mäs­si­ge­rem Strich­stär­ken­kon­trast bei den Minus­keln. Durch den 2. Welt­krieg unter­bro­chen, wur­den die letz­ten Schnitte der Twen­tieth Cen­tury erst 1947 ver­öf­fent­licht.

 

 

Neuzeit S

Lino­type / Wil­helm Pisch­ner / 1966 / 2
Neu­zeit S basiert auf der Neu­zeit Gro­tesk. Sie war in den 1960er Jah­ren Haus­schrift bei Sie­mens (daher das »S«) und zeich­net sich durch For­men­strenge und Sach­lich­keit aus.

 

 

ITC Avant Garde Gothic

ITC / Tom Car­nase, Herb Lub­alin, Ed Ben­guiat, André Gürt­ler, Chris­tian Men­gelt / 1970 / 20
Wäh­rend der 1970er Jah­ren viel­leicht die belieb­teste Schrift­fa­mi­lie bei Wer­bern. Cha­rak­te­ris­tisch ist die enge Zurich­tung, sowie unzäh­lige Versal‐Ligaturen.

 

URW Grotesk

URW / Her­mann Zapf / 1985 / 58
Aus mei­ner Sicht Her­mann Zapfs beste Sans Serif. Ähn­lich ele­gant wie die Ave­nir strahlt sie ein wenig mehr Per­sön­lich­keit und Span­nung aus.

 

 

Avenir

Lin­po­type / Adrian Fru­ti­ger / 1988 / 12
Ave­nir ist eine der ele­gan­tes­ten kon­stru­ier­ten Sans Serie Schrif­ten mit sehr fein abge­stuf­ten Text­schnit­ten. Ihre Nach­fol­ge­rin Ave­nir Next bie­tet zudem echte Small Caps und Mediäval‐Ziffern.

 

 

Century Gothic

Mono­type / Sol Hess / 1991 / 4
Über die Cen­tury Gothic wurde mehr­fach geschrie­ben, sie spare im Ver­gleich zur Arial Tinte bzw. Dru­cker­pa­trone. Das ist natür­lich Unsinn, denn weder Arial noch Cen­tury Gothic sind echte, d.h. lese­freund­li­che Men­gen­text­schrif­ten.

 

 

DTL Nobel

Dutch Type Library / Fred Smei­jers, Andrea Fuchs / 1990–1993 / 7
Der nie­der­län­di­sche Schrift­ge­stal­ter Sjo­erd de Roos ent­warf die Nobel 1929 für die Ams­ter­dam Schrift­gie­ße­rei als Ant­wort auf die Futura und Bert­hold Gro­tesk. Die digi­tale Neu­in­ter­pre­ta­tion aus dem Hause Dutch Type Library ist näher am Ori­gi­nal als die Fas­sung der US‐Typefoundry Hoefler & Frere‐Jones.

 

 

FF Super Grotesk

Font­Font / Svend Smi­tal / 1999 / 6
Sven Smi­tal digi­ta­li­sierte, über­ar­bei­tete und erwei­terte die popu­läre DDR‐Schriftfamilie. Sie ist weni­ger geo­me­trisch streng als die Futura und wirkt im Schrift­bild leben­di­ger.

 

Neutraface

House Indus­tries / Chris­tian Schwartz / 2002 / 71
Die Schrift geht zurück auf Zif­fern und Groß­buch­sta­ben, die der Archi­tekt Richard Neu­tra auf sei­nen Bau­zeich­nun­gen ver­wen­dete. Auch Futura, Nobel und Tempo inspi­rier­ten Chris­tian Schwartz bei der Aus­ar­bei­tung der Neu­tra­face.

 

 

LL Brown

Lineto / Aurèle Sack / 2007–2011 / 12
LL Brown lehnt sich an frühe Schrif­ten des 20. Jahr­hun­derts an, dar­un­ter Johnston (1915) und Super Gro­tesk (1930). Die vier Gewichte gibt es jeweils in Regu­lar, Ita­lic und Reclin (nach links geneigt).

 

 

FF Mark

Font­Font / Han­nes von Döh­ren, Chris­toph Koeber­lin, Font­Font Type Depart­ment / 2013 / 40
FF Mark strahlt den Flair geo­me­trisch kon­stru­ier­ter Schrif­ten der 1920er Jahre aus, gemischt mit einer guten Prise Aus­ge­wo­gen­heit. Eine Viel­zahl von Schrift­schnit­ten und Extras, wie Small Caps, Mediäval‐Ziffern und Alter­na­tiv­zei­chen ermög­li­chen ein brei­tes Ein­satz­spek­trum.

 

Cera Pro

TypeMa­tes / Jakob Runge / 2015 / 12
Cera über­zeugt durch Klar­heit und Ele­ganz. Ihre fünf per­fekt abge­stuf­ten Gewichte mit jewei­li­ger Kur­sive bie­ten einen reich gefüll­ten Zei­chen­kof­fer, inklu­sive diver­sen Zif­fern­gar­ni­tu­ren, Pfei­len und Son­der­zei­chen. Die Pro‐Variante beinhal­tet kyril­li­sche und grie­chi­sche Zei­chen­sätze. Unter allen Futura‐Alternativen ist die Cera mein Favo­rit.

Cera-Pro