Außergewöhnliche Buchcover des Jahres

Angelmaker von Nicht Harkaway (Knopf)Die New York Times fragte welt­weit Gestal­ter nach dem Buch­um­schlag des Jah­res. Das Ergeb­nis ist eine Slide Show mit 20 außer­ge­wöhn­li­chen Titeln und kur­zen Wür­di­gun­gen der Arbei­ten. Jason Boo­her gestal­tete den Umschlag des hier abge­bil­de­ten Romans »Angel­ma­ker«.

Best of Webfontday 2012

wbfntdy2012

Hier ist mein per­sön­li­ches Best of des ver­gan­ge­nen Web­font­days »Type goes Inter­face«, ohne Anspruch auf Voll­stän­dig­keit. Ergän­zun­gen sind natür­lich herz­lich will­kom­men.

Tim Ahrens

  • Mit dem Web arbei­ten, anstatt dage­gen: nur die typo­gra­fi­schen Mög­lich­kei­ten aus­schöp­fen, die von den Brow­sern unter­stützt wer­den.
  • Das Leer­zei­chen (Wort­ab­stand) sollte bei Bild­schirm­schrif­ten grö­ßer sein als bei Print­fonts (siehe rie­si­ges Leer­zei­chen bei der Ver­dana).
  • Den Text mikro­typ­grafisch Fein­tu­nen per CSS: letter-​spacing, word-​spacing, line-​spacing
  • Digi­tale Texte wer­den nicht nur visu­ell gele­sen, son­dern auch mit Hilfe von Reader­soft­ware gespro­chen, daher sind gehackte Typo­t­u­nings ein NoGo (Bar­rie­re­frei­heit).
  • Web­ty­po­gra­fie ist keine Imi­ta­tion des star­ren Prints, son­dern ein neues Medium: dyna­misch, fle­xi­bel und nicht kon­trol­lier­bar.

Links zum Thema:
typecast.com /​ easel.io /​ caniuse.com /​ bramstein.com

Yves Peters

  • Schrift­wahl: »Fuse your mes­sage with extra mea­ning.«
  • Die Inten­tion ist Ziel der Web­ty­po­gra­fie, nicht das vor­her genau fest­ge­legte Aus­se­hen.
  • Erst Open­Type eröff­net einen ech­ten typo­gra­fi­schen Work­flow, da es eine Auto­ma­ti­sie­rung mikro­ty­po­gra­fi­scher Details ermög­licht.
  • Die rich­tige Anwen­dung fremd­spra­chi­ger Satz­de­tails ist auch eine Respekt­be­kun­dung gegen­über der Kul­tur (z.B. »Gän­se­füß­chen«).

Links zum Thema:
typefacts.com /​ webtypography.net

Indra Kupferschmid

  • Respon­sive Typo­gra­phy mit Gra­des für ver­schie­dene Dis­play­auf­lö­sun­gen ist nicht ent­schei­dend für die Les­bar­keit (vs. Oli­ver Rei­chen­stein). Digi­tale Typo­gra­fie hängt von zwei Din­gen ab: dem For­mat (Dis­play­größe) und dem Lese­ab­stand. Der Hardware-​Rahmen des Geräts (Smart­phone, Tablet) ist ver­gleich­bar mit dem wei­ßen Rand des Buches.
  • Wir benö­ti­gen bes­sere Media Que­ries.
  • Die Schrif­ten auf den mobile-​Websites sind meis­tens viel zu groß und zu luf­tig gesetzt.
  • Insta­pa­per & Reada­bi­lity als kom­for­ta­blere Mobile-​Reader.

Links zum Thema:
webtype.com /​ instapaper.com /​ blogging.im/rssreaders (the best alter­na­tive readers in 2018)

Marcus Greve

  • Icons als Web­fonts erstel­len: auf­lö­sungs­un­ab­hän­gig und sys­te­ma­ti­schere Hand­habe.

Links zum Thema:
symbolset.com /​ entypo.com /​ icomoon.io

Toshi Omagari

  • Latei­ni­sche und kyril­li­sche Web­fonts sind nichts Beson­de­res, aber viele asia­ti­sche, afri­ka­ni­sche oder Minderheiten-​Schriftsysteme gibt es über­haupt noch nicht als Web­fonts (z.B. Indo­ne­sisch, Mon­go­lisch, Nasta­liq, Teng­war).

Adam Twardoch

  • Was kommt nach Open­Type? Mög­li­che wären z.B. intel­li­gente Web­fonts, die selbst­stän­dig auf ändernde Spal­ten­brei­ten reagie­ren und sich anpas­sen (Brei­ten­än­de­rung via MultiMaster-​Technik).

Christian Hanke

  • Der Mythos der Kon­trolle kommt aus der Print­denke (Frage nach dem How? = Stil, Detail­gefri­ckel),  funk­tio­niert im Web­de­sign aber nicht. Das Why? ist ent­schei­dend und lässt sich nur im ech­ten Dia­log mit dem Auf­trag­ge­ber erar­bei­ten.

Link zum Thema:
The Shape of Design

Klaus Birk

  • Inter­faces wer­den in Zukunft nicht auf Dis­plays beschränkt sein. Ava­tare, Spra­che, Sounds, Bewe­gung kön­nen visu­elle Ober­flä­chen erset­zen.
  • Inter­faces soll­ten nicht nur funk­tio­nal sein, son­dern Spaß machen.

Links zum Thema:
intuity.de /​ moove

Sehr emp­feh­lens­wert ist der Blog­bei­trag von Intuity und die aus­führ­li­chere Bericht­erstat­tung von Flo­rian Fecher auf dem Blog von 26+. Die Bei­träge wer­den auch als Videos auf dem YouTube-​Kanal der Typo­gra­fi­schen Gesell­schaft Mün­chen ange­bo­ten.

Schreiben und Lesen — A Working Library

Web­de­sign, Typo­gra­fie und Ver­lags­stra­te­gien sind Ste­cken­pferde der Desi­gne­rin, Autorin und Her­aus­ge­be­rin Mandy Brown (u.a. aboo­ka­part, alista­part). In ihrem Blog beschäf­tigt sie sich beson­ders mit dem gro­ßem Umbruch im Zei­tungs­markt. Sie beschreibt, wie sich das Lese­ver­hal­ten vie­ler durch die digi­ta­len Ver­triebs­wege, Smart­pho­nes und Tabletts zuneh­mend ver­än­dert. Wir lesen nicht mehr in ein oder zwei ver­trau­ten Quel­len (die regio­nale oder über­re­gio­nale Zei­tung), son­dern in sehr vie­len unter­schied­li­chen Quel­len. Dabei muss der Qua­li­täts­jour­na­lis­mus mit lan­gen, gut recher­chier­ten Arti­keln nicht zwangs­läu­fig auf der Stre­cke blei­ben. Denn Online-​Services wie Insta­pa­per, Reada­bi­lity ermög­li­chen es, ein per­sön­li­ches Lese­ar­chiv anzu­le­gen und dann bequem (!) zu lesen, wenn wir Zeit und Lust haben. Neben den Arti­keln emp­fiehlt Mandy Brown aus­ge­wählte Bücher aus den Berei­chen Design, Essen, Wirt­schaft, Lesen und Typo­gra­fie.

Ministry of Type

Der bri­ti­sche Desi­gner Aegir Hall­mun­dur ist ein ech­tes Mul­ti­ta­lent: er ist Typo­graf, Illus­tra­tor und Front­end Web­ent­wick­ler. In sei­ner Frei­zeit betreibt er einen sehr inspi­rie­ren­den Blog mit Fokus auf Typo­gra­fie, Let­te­ring und Kal­li­gra­fie. Wer in sei­nem Archiv stö­bert, wird viele span­nende Bei­träge ent­de­cken, wie z.B. die­sen hier: New UK Coin Designs über den Sie­ger­ent­wurf eines offe­nen Wett­be­werbs im April 2008. (Mir war gar nicht bewusst, dass die Bri­ten rela­tiv neue Mün­zen haben, die unsere Euro­mün­zen — rein visu­ell — locker in die Tasche ste­cken.)

Mein ein­zi­ger typo­gra­fi­scher Kri­tik­punkt ist der deut­lich zu klein gesetzte Fließ­text. Obwohl die ver­wen­dete Bliss eine her­vor­ra­gend les­bare huma­nis­ti­sche Sans ist, ver­langt sie auf dem Bild­schirm einen grö­ße­ren Schrift­grad.

Bilder als Beweismittel

Aus Sicht der Gestalter umfasst der Bildbegriff alle visuellen Zeichen; ob Foto, ob Text, ob Symbol oder Grafik — sie alle besitzen bildhafte Ausdrucksqualitäten, die entweder visuell sichtbar oder imaginär sind. Im folgenden verwende ich den Begriff Bild als Synonym für das fotografische Bild (materielles Abbild).

Das Sprich­wort »Ein Bild sagt mehr als tau­send Worte.« stimmt nicht: Bil­der sind keine »ein­deu­ti­gen Sym­bol­kom­plexe« (1) son­dern gene­rell mehr­deu­tig. Bil­der sind bedeu­tungs­of­fen und somit inter­pre­tier­bar. Ihre Bedeu­tung wird erst durch Text und Kon­text geformt und ihre Inter­pre­ta­tion ist abhän­gig vom Erfah­rungs­ho­ri­zont des Betrach­ters. Das Bild eines Bau­mes kann in unter­schied­li­chen Asso­zia­ti­ons­ar­ten gedeu­tet wer­den: es kann eine bestimmte Schwarz­kie­fer an einem bestimm­ten Stand­ort zu einer bestimm­ten Zeit sein, es kann eine Abs­trak­tion für die Pflan­zen­art Nadel­baum sein, es kann ein Sym­bol für Holz im All­ge­mei­nen sein …

In den Medien hat die Ver­wen­dung eines Bil­des einen gro­ßen Ein­fluss auf die Rele­vanz einer Nach­richt oder eines Pres­se­be­richt­erstat­tung. Wie bereits im Essay erwähnt, sind Bil­der »Doku­men­ta­tion einer Wirk­lich­keit« und Teil einer kol­lek­ti­ven Wirk­lich­keits­re­pro­duk­tion (2). Ein Ereig­nis, von dem es kein Bild gibt, hat nicht statt­ge­fun­den. Der Medien- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft­ler Chris­tian Schicha kommt zu der Erkennt­nis: »Die Über­zeu­gungs­kraft liegt in erheb­li­chem Maße schon im Ein­satz der Bil­der selbst.« (3) Die bloße Ver­wen­dung eines Bil­des kann die Glaub­wür­dig­keit eines Ereig­nis­ses bereits nach­hal­tig unter­strei­chen. Ob es sich bei einem sol­chen Spur­bild * um ein retu­schier­tes Foto, eine nach­ge­stellte Szene oder eine Bild­mon­tage han­delt, soll hier keine Rolle spie­len (das sind The­men nach­fol­gen­der Arti­kel).

Bilder als Legitimationshilfe für den Irak-​Krieg

Die US-​Administration unter dem ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten George W. Bush war Anfang 2003 voll auf Kriegs­kurs gegen Sad­dam Hus­sein ein­ge­stellt. Um den Ein­marsch im Irak zu legi­ti­mie­ren, musste der dama­lige US-​Außenminister Colin Powell eine Rede vor der UN-​Versammlung hal­ten und Beweise für angeb­li­che Mas­sen­ver­nich­tungs­waf­fen prä­sen­tie­ren. Er zeigte unter ande­rem Satel­li­ten­fo­tos von Last­wa­gen mit angeb­li­chen mobi­len Biowaffen-​Labors. Obwohl die Prä­sen­ta­tion inter­na­tio­nal sehr skep­tisch bewer­tet wurde, besa­ßen die Satel­li­ten­fo­tos aus mei­ner Sicht ein gewis­ses Über­zeu­gungs­po­ten­tial: sie wur­den von Spio­na­ge­sa­tel­li­ten auf­ge­nom­men, deren wich­tigste Auf­gabe es ist, Ver­bor­ge­nes auf­zu­de­cken: the medium is the mes­sage. Zudem wur­den die Satelliten-​Aufnahme mit Bild­un­ter­schrif­ten ver­se­hen, die bereits eine schein­bare Kau­sa­li­tät erzeu­gen. Der Betrach­ter wird zum ver­meint­li­chen Mit­wis­ser.

Wie sich spä­ter her­aus­stellte, fan­den ame­ri­ka­ni­sche Waf­fen­in­spek­teure nach der Inva­sion kei­ner­lei Beweise für die Exis­tenz von bio­lo­gi­schen, che­mi­schen oder ato­ma­ren Waf­fen im Irak.

Anmer­kung zum Teaser-​Motiv: Die Ver­schwö­rungs­theo­rie zur Mond­lan­dung ist nach wie vor recht popu­lär: es wird behaup­tet, dass die Mond-​Aufnahmen in einem Stu­dio insze­niert wur­den, weil die NASA angeb­lich nicht in der Lage gewe­sen wäre, zum dama­li­gen Zeit­punkt die Mis­sio­nen tech­nisch über­haupt durch­füh­ren zu kön­nen.

Quellen:
1 Vilém Flusser, Stefan Bollmann (Hrsg.). Medienkultur. Frankfurt 1997
2 Haus der Geschichte der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, (Hrsg.). Bilder, die lügen. Begleit­buch zur Aus­stel­lung. Bonn 2000
3 Chris­tian Schicha. Bild­ma­ni­pu­la­tion. Visu­elle Stra­te­gien am Bei­spiel poli­ti­scher Motive. Vor­trag an der Uni Marburg, 8.11.2006
* Spurbild: Ein Bild ist nicht das Ereignis selbst sondern eine Spur des Ereignisses, das auf die Wirklichkeit verweist. Im Journalismus werden den Spurbildern Dokumentaraufnahmen und Reportagen zugerechnet. Vgl. Christian Doelker. Ein Bild ist mehr als ein Bild. Stuttgart 2002

Bilder regieren unser Leben — Essay

Dieses Essay handelt von der visuellen Manipulation in den Massenmedien. Der Fokus liegt auf der Manipulation durch Bilder (und Text) in den klassischen Massenmedien (Print, Fernsehen). Zwar hat die Kommunikation in den digitalen Medien (insbesondere Social Media), die einseitige, absolute Bildhoheit der Massenmedien angekratzt; von einer ernsthaften Konkurrenz zur professionellen Bildproduktion kann man im Moment noch nicht sprechen.
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Unsere Lese-​Zukunft

Vorbei sind die Zeiten, als man lange Texte aus dem Internet oder einem PDF ausdrucken musste, um sie überhaupt lesen zu wollen. Mittlerweile lesen wir ganz selbstverständlich kurze und lange Texte auf Bildschirmen aller Größen. Laut Gerard Unger wurde 2010 weltweit erstmals mehr auf dem Bildschirm gelesen, wie auf Papier. Beitrag zu Ende lesen

Belles Lettres

Unter dem geschmei­di­gen Namen Bel­les Let­tres erscheint das Online­ma­ga­zin und Video-​Pod­cast für Sprach­kunde und Sti­li­stik. Die bei­den Macher sind Daniel Schol­ten (Redak­tion: Pod­cast und Inhalt) und Rúna Gís­la­dót­tir (Schreib­fee). Nach eige­ner Defi­ni­tion rich­tet sich die Web­site »an alle, die es beim Umgang mit der deut­schen Spra­che genau neh­men müs­sen oder wol­len, nicht nur an Auto­ren und Leser von Schönlitera­tur«. Neben aktu­el­len und prak­ti­schen Fra­gen zur Sti­lis­tik und Gram­ma­tik gibt es auch lesens- und sehens­werte Bei­träge zum Thema Ortho­gra­fie und Detail­ty­po­gra­fie.

Webfontday 2011 in München

Der im letz­ten Jahr erst­mals ver­an­stal­tete Web­font­day der tgm, kam bei den Besu­chern so gut an, dass nun erfreu­li­cher­weise eine Fort­set­zung folgt. Es geht um den Ein­satz von Web­schrif­ten, deren Mög­lich­kei­ten und Beschrän­kun­gen, um die tech­ni­schen und lizenz­recht­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen.
Das Pro­gramm bestrei­ten Exper­ten aus den Berei­chen Web­de­sign, Typede­sign, Pro­gram­mie­rung und Schrif­ten­ver­trieb. Der Web­font­day fin­det am 19.11.2011 in Mün­chen statt. Wer Inter­esse hat, sollte nicht zu lange mit der Anmel­dung war­ten, da die Ver­an­stal­tung letz­tes Jahr kom­plett aus­ge­bucht war. Mehr Infos unter: www.webfontday.de