Virtuosa – Hermann Zapfs erste Schreibschrift

Im aktuellen Grafikdesign begegnen uns überall Schreibschriften. Sie sind Ausdruck von Spontanität, Spaß und Individualität. Dabei geht die Vielfalt der Schreibschriften weit über das Lettering an der Fassade von hippen Cafés oder über handgekritzelte Produktnamen auf Bio-​Food-​Verpackungen hinaus. Das vorliegende Schriftmuster stellt die Virtuosa vor, eine feine, kalligraphische Schrift, die in der Tradition der englischen Künstlerschreibschriften steht.

Her­mann Zapf ist nicht nur für seine Optima, Pala­tino und Zapf Ding­bats berühmt, son­dern auch für seine aus­la­dende Schreib­schrift Zap­fino. Ihre Vor­läu­fe­rin war die bereits Jahr­zehnte vor­her, ab 1948 von ihm ent­wi­ckelte kal­li­gra­phi­sche Vir­tuosa.

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Schriftmuster der bahnbrechenden Memphis

Die Schriftfamilie Memphis ist die erste geometrische serifenbetonte Linearantiqua und markiert somit einen Meilenstein in der Schriftgestaltung. Dr. Rudolf Wolf entwarf die Schrift 1929 für Stempel und vereinte in ihr die Kraft, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts populären Egyptienne-Schriften, mit der technischen, geometrischen Klarheit von Futura und Co.

Die Memphis besticht durch monolineare Buchstaben mit einer kühlen, technischen Ausstrahlung. Für den technisch glatten Eindruck verdünnte Wolf die Strichstärken der Kurven minimal an den Übergängen zu den Stämmen und Serifen. Zudem zeichnete er die Serifen ein wenig feiner als die Stämme und verwendete symmetrische Serifen.

 

Die Memphis zählt ein paar charakteristische Buchstaben, anhand derer sie sich gut von ähnlichen Egyptiennes (z.B. Beton, Stymie, Rockwell) unterscheiden lässt:

  • Das große und kleine »o« sind perfekte Kreisformen ohne optische Anpassung.
  • Die gebogene Unterlänge des kleinen »g« ist kurz und flach, ähnlich wie der Fuß des kleinen »t«.
  • Das kleine »r« besitzt als Tropfen einen Kreis, der formal auf Egyptiennes aus dem 19. Jahrhundert verweist.
  • Der Stamm des kleinen einbäuchigen »a« besitzt oben und unten eine Serife.
  • Die Unterlänge des kleinen »y« schließt mit einer flachen Serifen nach links und rechts ab.

Das als Faltblatt gestaltete Schriftmuster stellt die komplette Familie mit 13 Schnitten vor: Zarte Memphis, Magere Memphis und entsprechende Kursive, Halbfette Memphis und entsprechende Kursive, Fette Memphis und Memphis Buchschrift mit halbfetter Auszeichnung; dazu gesellen sich die schmalen Schnitte magere Memphis-Universal, halbfette Memphis-Universal und fette Memphis-Universal; schließlich wird die Schriftfamilie durch die beiden Displayschnitte Memphis-Luna mit einer dreidimensionalen Anmutung und die konturierte Lichte Memphis vervollständigt.

Der überwältigende Erfolg der Memphis führte damals zu einer wahren Flut serifenbetonter Linearantiquas, weil die anderen großen Schriftgießereien (Linotype, Monotype, Berthold) versuchten, mit ähnlichen Schriften zu konkurrieren.

Die Hintergrundinformationen und Schriftbeschreibung entstammt dem Buch ›The Visual History of Type‹ von Paul McNeil.
Hochaufgelöste Fotos findest Du auf flickr.

 

Blanco – eine feine Satzschrift aus Down Under

Dass nicht nur etablierte Schriftdesigner hochwertige Schriften entwickeln, beweisen immer wieder angehende Schriftgestalter aus dem Masterstudiengang Type and Media in Den Haag. 2012 wurde ich auf eine wunderschöne Serifenschrift aufmerksam, gezeichnet vom Absolventen Dave Foster. Blanco erinnerte mich ein wenig an Lyon Text, Tiempos und Plantin, besaß aber einen eigenen Charakter mit gut ausbalancierten Kontrasten und einem klaren Schriftbild. Nachdem die Schrift in der Schublade verschwanden war und Dave als Schriftgestalter bei einigen der wichtigsten Typefoundries gearbeitet hatte, nahm er sich der Blanco noch einmal an. Er überarbeitete das Design der Schriftfamilie von A bis Z, baute den Umfang aus und optimierte sie für die Lesbarkeit am Bildschirm. Blanco ist gerade zum Relaunch von Daves Website erschienen. Vorhang auf für eine großartige Satzschrift!

Der Name ›Blanco‹ geht zurück auf Daves Stu­di­en­kol­le­gin Noe Blanco. Für eine Desi­gn­übung bei Peter Biľak beschrieb sie die Eigen­schaf­ten ihrer am hei­ßes­ten gelieb­ten Schrift:

Use: Long texts; Tone: Con­tem­porary with a dis­tinc­tive cha­rac­ter; Ascen­ders and descen­ders: Not too long; Con­trast Type: Trans­la­tion /​ broad nib; Con­trast Amount: Visi­ble but not high; Serifs: No bra­cke­ting; Stems: Com­ple­tely strai­ght; Fea­tures: Sharp, angu­lar details

Auf die­ser Grund­lage schrieb Dave ein Alpha­bet, dass er dann als rasche Schrift­stu­die digi­ta­li­sierte. Spä­ter im Stu­dium bemerkte er, dass viele die­ser Eigen­schaf­ten ihm selbst bei Seri­fen­schrif­ten magisch anzo­gen. Als Mas­ter­schrift ent­wi­ckelte er schließ­lich eine No-​Nonsens-​Schrift für lange Texte.

Eine rasche Design­stu­die einer huma­nis­ti­schen Anti­qua war der Ursprung der Blanco

Die Blanco ver­leiht Text­ko­lum­nen einen sehr gleich­mä­ßi­gen Grau­wert und bleibt for­mal dezent im Hin­ter­grund. Sprich, der Leser kann den Inhalt lesen und wird nicht durch her­vor­ste­chende Merk­male im Schrift­de­sign abge­lenkt. Dank mode­ra­ter Strich­kon­traste, gerin­ger Ober- und Unter­län­gen und einem per­fekt aus­ba­lan­cier­ten Ver­hält­nis von Zei­chen­for­men, Binnen- und Zwi­schen­räu­men ergibt sich ein ruhi­ger Zei­len­fluss.

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Schriftmuster der Pro Arte von Max Miedinger

Das waren Zeiten, als Schriftmuster noch aufwendig gestaltet und sogar gedruck wurden. Nun gut, Schriften werden natürlich noch immer attraktiv inszeniert und manchmal auch gedruckt. Aber selten ist der Schriftschöpfer zugleich Gestalter des Schriftmusters, wie in diesem Fall.

Der Helvetica-​Vater Max Mie­din­ger schuf 1954 eine rein ver­sale Ita­li­enne für Wer­bung und Ver­kauf. Das mehr­far­bige Schriftmuster-​Prospekt der Haas’schen Schrift­gie­ße­rei AG führt viele Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten vor Auge. Im Vor­wort heißt es: »Ob sie nun in schwar­zer oder bun­ter Farbe, für Zeit­schrif­ten, Geschäfts- und Ein­la­dungs­kar­ten, Pro­spekte, Buch­ti­tel, Brief­bo­gen, Pro­gramme, Spei­se­kar­ten und dgl. ver­wen­det wird: Über­all ergibt die Schrift reiz­volle Wort­bil­der und inter­es­sante Kon­traste mit der gleich­zei­tig gezeig­ten Text­schrift.«

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Schriftmuster der Breite Fette Information

Die Breite Fette Information brachte Stempel 1958 als Display-​Ergänzung zur serifenlosen Schriftfamilie Information auf den Markt. Ihr Schöpfer war der Grafiker und Schrifgestalter Friedrich Karl Sallwey. Die Information-​Schriftfamilie hieß ursprünglich Reform-​Grotesk B und erschien Ende der 1920er /​ Anfang der 1930er Jahre bei der Gebrüder Klingspor Schriftgießerei Offenbach in 12 Schnitten.

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Spiel, Spaß und Freude mit LiebeGerda

Es gibt Schriften wie Sand am Meer. Aber einige verdienen besondere Aufmerksamkeit. LiebeGerda zum Beispiel. Diese reizende Schrift mit vier Schnitten imitiert eine flüssig geschriebene Handschrift auf perfekte Weise. Dank raffinierter OpenType-​Funktionen lassen sich abwechslungsreiche Textfiguren zaubern. Das macht wirklich Spaß! Mehr dazu in meinem Tutorial bei FontShop.com.

Tuna – eine charakterstarke Antiqua für Screen und Print

Wenn zwei Schriftgestalter mit unterschiedlichen Gestaltungsansätzen an einer Schrift arbeiten, kann man gespannt sein. Felix Braden und Alex Rütten haben das Experiment gewagt und die erfrischende Antiqua Tuna geschaffen, die im Print und auf Bildschirmen gleichermaßen gut lesbar ist. Ich hatte vor der Veröffentlichung Gelegenheit, die Schrift zu testen und Felix und Alex ein paar Fragen zu stellen.

Erster Eindruck

Als ich die Schrift­mus­ter­bei­spiele der Tuna das erste mal sah, gefiel mir sofort das infor­melle, kal­li­gra­phisch anmu­tende Schrift­bild. Meine Augen konn­ten kaum vom brei­ten, herr­lich agi­len klei­nen e las­sen oder dem schnit­ti­gen s wider­ste­hen. Und dann die flüs­sige Kur­sive! Nun wirkt eine Schrift in gro­ßer Dar­stel­lung natur­ge­mäß anders als im Men­gen­text. Auf­fäl­lige Solis­ten tre­ten zurück, mar­kante Details ver­schwin­den im orches­tra­len Klang. In mei­nen eige­nen Schriftsatz-​Mustern (6 bis 12 Punkt) wirkt der Grau­wert der Tuna fle­cken­los und gleich­mä­ßig. Trotz­dem ist das Schrift­bild leben­dig, die Zei­len­bil­dung fan­tas­tisch und der Text her­vor­ra­gend les­bar.

Konzept

Der Tuna liegt die Annahme zugrunde, dass hori­zon­tal betonte Buch­sta­ben­teile die Les­bar­keit einer Schrift posi­tiv beein­flus­sen. Felix und Alex war die gute Les­bar­keit von Seri­fen­lo­sen wie ›Antique Olive‹ (Roger Excof­fon), ›Balance‹, ›FF Legato‹ (beide Evert Blo­emsma) oder ›Signo‹ (Rui Abreu) auf­ge­fal­len, die die waa­ge­rech­ten Ele­mente beto­nen. Als Felix einen Vor­trag von Alex zum Thema Bild­schirm­op­ti­mie­rung hörte, ent­stand die Idee, beide Kon­zepte zu kom­bi­nie­ren und eine cross­me­diale Text­schrift zu ent­wi­ckeln. Das Ziel war eine Schrift, die in Fließ­text­grö­ßen auf dem Bild­schirm genauso gut funk­tio­niert wie auf dem Papier.

Schreibtechnik und Darstellung auf der Bildschirmmatrix

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Pensum Pro – ein wahres Textmonster

Buchypografen aufgepasst: Mit der Pensum Pro bietet TypeMates ein vielseitiges Textmonster für lange Textstrecken an. Auf MyFonts.de stelle ich die Schriftfamilie vor und befragte deren Entwerfer Nils Thomson über ihre Entstehungsgeschichte und besonderen Merkmale.

Lei­der ste­hen die MyFonts-​Schriftporträts nicht mehr online zur Ver­fü­gung. Inter­es­sante Infos über die Pen­sum Pro und Pen­sum Dis­play kannst Du direkt auf der TypeMa­tes Web­site nach­le­sen.

Digitale Schriftmuster

Auf typespecimens.io fin­dest Du eine feine Aus­wahl digi­ta­ler Schrift­mus­ter von ver­schie­de­nen Type­found­ries. Ich finde es sehr beein­dru­ckend, wie auf­wen­dig und lecker viele Schrif­ten mit eige­nen Mini-​Websites prä­sen­tiert wer­den. Mein Tipp: GT Ame­rica ist ganz vorne dabei.

Meh­rer Schrift­mus­ter als the­ma­ti­sche »Wim­mel­bil­der« und Fund­grube für wirk­lich tolle Schrift­mi­schun­gen prä­sen­tiert Hoefler & Co. Dis­co­ver Typo­gra­phy: ame­ri­ka­nisch, retro und state of the art!

Eine rich­tig tolle Geschichte mit fan­tas­ti­schen Illus erzählt die Micro­site zur Mort Modern. Diese ame­ri­ka­ni­sche Bodoni-​like Anti­qua ist in zwei­er­lei Hin­sicht umfwer­fend. Ers­tens bie­tet sie 56 Schnitte, dar­un­ter drei opti­sche Grö­ßen (Large, Sub­ti­tel, Text) und jede Menge raf­fi­nier­ter OpenType-​Features. Zwei­tens ist die Mort Modern für den pri­va­ten Gebrauch sehr güns­tig zu erwer­ben (Pay as you want).