Schreibnvaren

Das w in alternativer Buchstabenform

In den Weiten des Buchstabenkosmos tummeln sich allerlei Exoten. Manche sind ausgesprochen seltene Spezies. Eine solche ist das eigenwillige w, das wie eine Ligatur von n und v erscheint.

Die ursprüng­li­che Zeich­nung die­ser w‑Form sei wahr­schein­lich auf die Frak­tur zurück­zu­füh­ren, so Flo­rian Hard­wig. Bis in die Mitte des 20. Jahr­hun­derts war die­ses w in Deutsch­land häu­fi­ger anzu­tref­fen, wie die Fas­sa­den­re­klame eines Mem­min­ger Schreib­wa­ren­ge­schäfts zeigt. Heut­zu­tage besit­zen aller­dings nur wenige Fonts die­ses eigen­wil­li­gen w. Meine Favo­ri­ten sind FF Hertz und die für Land­kar­ten ver­wen­dete Kur­siv­schrift. In die­ser Liste fin­dest Du wei­tere Schrif­ten.

Gimlet – im Rausch einer neuen Schriftfamilie

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Direkt vorweg: Gimlet ist heiße Anwärterin für meine Lieblingsschrift des Jahres und das auch nach dem zweiten, dritten, vierten und fünften Blick! Dass sie sich deutlich von der Masse abhebt und Texten zu einem starken Auftritt verhilft, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis hervorragender Konzeptarbeit und Handwerk. Hier stelle ich Euch die Gimlet und ihren Entwerfer David Jonathan Ross vor, mit dem ich ein sehr interessantes Interview geführt habe.

Der in New Hamp­shire lebende Desi­gner und Pro­gram­mierer David Jona­than Ross ist mei­ner Mei­nung nach einer der talen­tier­testen jun­gen Typen­de­si­gner aus den USA. Schon wäh­rend sei­nes Stu­di­ums am Hamp­shire Col­lege begann er Fonts zu ent­wi­ckeln und betreibt, nach sei­ner Zusam­men­ar­beit mit Font Bureau, seit Mai die­sen Jah­res sein eige­nes Schrift-​Label DJR. Zu sei­nen Schrif­ten zäh­len u.a. Mani­cotti, Tur­nip, Input, Out­put und Bun­gee.

Vor drei Jah­ren habe ich David geschrie­ben, wie begeis­tert ich von sei­ner Tur­nip sei (die Text­schrift die­ses Blogs) und fragte ihn, woran er gerade arbeite. Dar­auf­hin schickte er mir Schrift­muster einer in der Ent­wick­lung befind­li­chen gro­ßen Schrift­fa­milie. Ich konnte es kaum glau­ben: Sie basierte auf der Scha­dow Anti­qua über die ich kurz zuvor einen Arti­kel geschrie­ben hatte. Im Mai erschien dann zum Start sei­nes frisch gegrün­deten Schrift-​Labels die wun­der­bare Gim­let!

Schadow Antiqua – Historie einer Patchworkfamilie

Die Ein­zig­ar­tig­keit der Gim­let ver­steht man am bes­ten mit einem Blick auf die 1938 erschie­nene Scha­dow Anti­qua von Georg Trump. Lei­der ist sie — zu unrecht, wie ich finde — in Ver­ges­sen­heit gera­ten und das vor allem, weil sie als Blei­satz­schrift den Sprung in die Fotosatz-​Ära nicht geschafft hat. Grob beschrie­ben, würde man die Scha­dow Anti­qua als Text­schrift mit Dis­play­qua­li­täten bezeich­nen. Ihre Abstam­mung von der klas­si­zis­ti­schen Anti­qua zeigt sich an der ver­ti­kalen Schat­te­nachse mit Beto­nung der ver­ti­kalen Stämme. Cha­rak­te­ris­tisch sind ihre eckig ange­setzten Seri­fen und aus­ge­prägte Kon­traste. Das Neue daran war damals die super­el­lip­ti­sche Form der run­den Buch­staben — die wenig spä­ter in der Melior wie­der auf­tau­chten — und die breit pro­por­tio­nierten Buch­staben der mage­ren und leich­ten Schnitte. Obwohl man die Scha­dow Anti­qua den sei­fen­be­tonten Anti­quas zuord­nen kann, ist sie weni­ger modu­lar und in vie­len Details ver­spielter als zeit­ge­nös­si­sche Schrif­ten wie Beton oder Mem­phis.

Schadow-​Antiqua Werk, Blei­satz, 36 pt

Schadow-​Antiqua mager, Blei­satz, 36 pt

Ins­ge­samt umfasst die Schrift 8 Schnitte, die über einen Zeit­raum von 14 Jah­ren ent­wi­ckelt und ver­öf­fent­licht wur­den. Nach heu­tigen Maß­stäben würde man jedoch kaum von einer ech­ten Fami­lie spre­chen, denn die Scha­dow Anti­qua wirkt for­mal unein­heit­lich. In jedem Schnitt gibt es unter­schied­liche Form­de­tails. Selbst Buch­staben wie das kleine ›g‹, ›k‹ oder ›ß‹ vari­ieren zwi­schen den Schnit­ten. Bei­trag zu Ende lesen

Interview with David Jonathan Ross

I talked with David about Gimlet, his own type label DJR and new typefaces in progress.

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Hi David, you recently founded your own type label DJR. What was your motivation? Which meaning does the Type Network have for you?

In recent years, I have taken a more active role in the licen­sing and mar­ke­ting of my typefaces, in addi­tion to the design and pro­duc­tion. I have released my typefaces with Font Bureau for years, but we rea­li­zed that I could take this fur­ther as an inde­pen­dent foundry. Cur­r­ently, the font mar­ket is short on inde­pen­dent dis­tri­bu­tors, which is why I am happy that Type Net­work exists and that it encou­ra­ged me to join as an inde­pen­dent foundry. They have been very sup­por­tive of me as I’ve under­gone this whole pro­cess.

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Hart aber Her(t)zlich

Letzten Herbst feierte das Genre der Zeitungsschriften mit der FF Hertz einen bemerkenswerten Zuwachs. Die Schriftfamilie leistet besonders im harten Brotgeschäft mit langen Texten gute Dienste. Dabei bietet sie die ein oder andere Überraschung und empfiehlt sich für viele unterschiedliche Anwendungen. Auf MyFonts.de erschien heute meine Font-​Rezension.

Lei­der ste­hen die MyFonts-​Schriftporträts nicht mehr online zur Ver­fü­gung. Inter­es­sante Infos über die FF Hertz ver­rät ihr Ent­wer­fer Jens Kutí­lek im Inter­view auf FF Font­shop.

Montag ist »The Pyte Typefoundry« Tag

Der norwegische Designer Ellmer Stefan veröffentlicht auf thepytefoundry.net jeden Montag einen Display-​Font. Das Projekt ist eine Hommage an die große Schriftvielfalt des 19. Jahrhunderts. Alle digitalen Schriftentwürfe basieren auf modularen Buchstabenelementen und können für jeweils 7 Tage kostenlos heruntergeladen werden.

5 praktische Werkzeuge für die rasche Schriftidentifizierung

Im Gestalteralltag taucht immer mal wieder ein unbekannte Schrift auf, die für eine akute Adrenalinausschüttung sorgt. Die wäre doch was für ein CD oder ein Magazinlayout … Guter Rat bei der Identifizierung muss nicht teuer sein, denn es gibt nützliche Helfer für umsonst. Hier stelle ich kurz 5 dieser Werkzeuge vor.

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Frische Schriften aus Italien: Zenon, Brevier, Gramma

In der italienischen Typo-​Szene sorgt das Kollektiv CAST für frischen Wind. Die 2013 gegründete »Cooperativa Anonima Servizi Tipografici« vertreibt eigene Schriften und bietet typografische Dienstleistungen. Ich habe Riccardo Olocco — einen der Gründer — zu seinen dort veröffentlichten Schriften Zenon, Brevier und Gramma befragt. Meine dreiteilige Fontschau erscheint ab heute bei MyFonts.de.

Lei­der ste­hen die MyFonts-​Schriftporträts nicht mehr online zur Ver­fü­gung. Schrift­mus­ter zu allen drei Schrif­ten kannst Du direkt auf Ric­cardo Oloc­cos Web­site anschauen und down­loa­den.

Neuland

Rudolf Koch war einer der bedeutendsten deutschen Schriftkünstler des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Er schuf als Mitarbeiter der Gebrüder Klingspor Gießerei Offenbach viele noch heute bekannte Schriften, darunter die Wilhelm-​Klingspor-​Schrift, Kabel und Neuland.

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Italy, stencils and social media type hype — an interview with Fred Smeijers

Fred Smei­jers hands out advice how to improve let­ter shapes

During the ISIA Type Design Week 2015 I had the pleasure of talking to Fred Smeijers about this workshop, what students can learn by using stencils and about type design in general.

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