Von Gänsefüßchen und Deppenapostrophen

In meinem neuen FontShop-​Blogartikel kommen die kleinsten Zeichen ganz groß raus. Die Rede ist von den Interpunktionen: Komma, Strichpunkt, Punkt, Doppelpunkt, Fragezeichen, Ausrufezeichen, Klammern, Schrägstrich, Bindestrich und Gedankenstrich. Dort erfahrt ihr, warum diese Satzzeichen für das Textverständnis so wichtig sind und wie sie typografisch richtig gesetzt werden. Tschüss Deppenapostroph!

Wie findet sich eine geeignete Satzschrift?

Schrift ist mehr als Informationsträger. Sie weckt Erwartungen, sorgt für Orientierung und stiftet Identität. Die Anforderungen an eine Textschrift sind also vielschichtiger, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. In meinem Artikel für FontShop erläutere ich die wichtigsten Kriterien und Tipps für eine erfolgreiche Suche nach einer geeigneten Satzschrift.

Fragen und Antworten zur Typografie im Netz

Typografie ist ein weites Feld. Egal ob Du Laie bist oder Dich professionell damit beschäftigst, es kommt der Punkt, am dem sich eine ganz spezifische Frage auftut. Ein paar Wissensquellen zu Grundlagen (Satz, Orthografie, Lesbarkeit) habe ich in einem älteren Beitrag empfohlen.

Zu spe­zi­fi­schen Fra­gen erhälst Du kom­pe­tente Ant­wor­ten in ein­schlä­gi­gen Foren, bei­spiels­weise Typografie.info oder typedra­wers oder typo­phile. Da sich hier viele Typo-​Liebhaber enga­gie­ren, sind die Ant­wor­ten in der Regel sehr hilf­reich. Wie in jedem Forum gilt das Gebot der Höf­lich­keit, zuerst die The­ment­hreads nach der eige­nen Fra­ge­stel­lung zu durch­fors­ten, bevor Du einen Bei­trag erstellst.

Eine wei­tere nütz­li­che Quelle ist das eng­lisch­spra­chige Por­tal Quora. Hier bie­tet der Typo­graf und Fach­au­tor Ste­phen Coles seine Exper­tise an. Der Schwer­punkt liegt auf Schrift. Also alles rund um Schrift­i­den­ti­fi­zie­rung, Schrift­emp­feh­lung, Schrift­for­mate und ‑lizen­zen.

Die Balance des Weißraums

Eine der wichtigsten Aufgaben in der Typografie ist das bewusste Balancieren von Weißraum. Über die Buchstabenabstände, Wortzwischenräume und den Zeilenabstand steuert man den Grauwert, abhängig von der Schriftgröße

Kleine Schrift — größere Weißräume

Hin und wie­der erge­ben sich in einem Lay­out wegen zu lan­ger Texte Platz­pro­bleme. Viel­leicht ist man in der glück­li­chen Lage, den Text selbst kür­zen zu dür­fen oder kann dies an den Tex­ter zurück­spie­len. Wenn das nicht geht, hilft even­tu­ell eine Ver­klei­ne­rung von Text­blö­cken.

Beim Ver­klei­nern von Text ändert sich aller­dings der Grau­wert, denn der Weiß­raum im Text — Buch­sta­ben­zwi­schen­raum, Wort­ab­stand und Zei­len­ab­stand — geht ein klei­nes Stück weit ver­lo­ren. Mit zwei klei­nen Ein­grif­fen ver­bes­sert man nun die Les­bar­keit:

  • Mehr Lauf­weite
    Grund­sätz­lich soll­ten kleine Schrift­grö­ßen unter 8 bis 9 Punkt etwas mehr Lauf­weite erhal­ten. Der Wert hängt immer von der Schrift selbst ab. Man­che Schrif­ten sind von Haus aus schon recht luf­tig und benö­ti­gen nur wenig zusätz­li­che Lauf­weite. Andere Schrif­ten, die bei­spiels­weise eher schmale Buch­sta­ben besit­zen, benö­ti­gen hin­ge­gen mehr Lauf­weite. Der Buch­sta­ben­zwi­schen­raum ist der kleinste Leer­raum im Text.
  • Mehr Zei­len­ab­stand
    Der Zei­len­ab­stand ist der größte Leer­raum im Text­block. Daher sollte man ihn behut­sam ver­grö­ßern.

kleine-schrift_mehr-luft

Im Bei­spiel wurde der Text auf 75 % ska­liert. Links ist die 1:1 Ska­lie­rung, rechts die opti­mierte Fas­sung: Die Lauf­weite wurde in InDe­sign um 20/​1000 Geviert (bzw. um 4/​1000 Geviert in Quar­kX­Press) erhöht und der Durch­schuss* um 2,75 0,6 pt ange­ho­ben.

Das Ergeb­nis ist ein luf­ti­ge­rer Text, der in der Anmu­tung deut­lich näher am Ori­gi­nal ist. Zwar benö­tigt man etwas mehr Raum. Das ist aber ange­sichts der ver­bes­ser­ten Les­bar­keit abso­lut in Ord­nung.

Große Schrift — kleinere Weißräume

Bei rich­tig gro­ßen Über­schrif­ten im Maga­zin oder auf einem Pla­kat wirkt ein Wort oder kur­zer Text oft zu luf­tig. Die Buch­sta­ben­zwi­schen­räume wur­den vom Schrift­de­si­gner für nor­male Lese­grade in kur­zer Distanz opti­miert. Hier sind sie aber deut­lich zu groß, denn das Ver­hält­nis von Schwarz (Buch­stabe) und Weiß ist unaus­ge­wo­gen: Der Weiß­raum ist zu aktiv.

Die Lösung: Lauf­weite redu­zie­ren und das Ker­ning von kri­ti­schen Buch­sta­ben­paa­ren nach­jus­tie­ren. Auch hier gibt es keine Standard-​Regel. Die Abstände müs­sen bei jeder Schrift indi­vi­du­ell ein­ge­rich­tet wer­den. Grund­sätz­lich ver­meide ich, dass sich Buch­sta­ben, bei­spiels­weise an den Seri­fen, berüh­ren. Aber manch­mal ist gerade das ein bewuss­ter Effekt. Für Über­schrif­ten eig­nen sich spe­zi­elle Display-​Fonts, die detail­rei­cher gezeich­net sind und schma­ler lau­fen.

Laufweite in InDesign

Das Maß für Lauf­weite und Ker­ning ist das Geviert. InDe­sign lässt als kleinste Ände­rung 1/​1000 Geviert zu. Im Zei­chen­menü ent­spricht die Zahl ›1‹ 1/​1000 Geviert. Quar­kX­Press hin­ge­gen ist weni­ger fein. Hier ent­spricht die Zahl ›1‹ 1/​200 Geviert. 5 InDesign-​Einheiten sind dem­nach 1 Quark-​Einheit.

InDesign-Zeichenpalette

Links: das Ker­ning, rechts: die Lauf­weite

Ich emp­fehle die Laufweiten-​Voreinstellung von InDe­sign auf den Wert 5 zu ver­rin­gern (Stan­dard 20). Damit kann man Ände­run­gen wesent­lich fei­ner jus­tie­ren. Mit­hilfe der Tas­ta­tur geht eine Ände­rung ganz schnell. Den Text mar­kie­ren (min­des­tens zwei Zei­chen) und Lauf­weite anpas­sen oder den Text­cur­sor zwi­schen zwei Zei­chen set­zen und das Ker­ning ändern:

  • Lauf­weite erhö­hen /​ ver­rin­gern: Alt + Pfeil nach rechts /​ links
  • Lauf­weite um den Fak­tor 5 erhö­hen /​ ver­rin­gern: Alt + Com­mand + Pfeil nach rechts /​ links
* Der Begriff Durchschuss stammt aus dem Bleisatz: er bezieht sich auf den Abstand von Buchstabenkegeln im Bleisatz. Im digitalen Satz entspricht der Durchschuss dem Leerraum zwischen Unterkante der p‑Linie zur Oberkante der H‑Linie eines Buchstabens in der folgenden Zeile.

Das große Einmaleins der Typografie für Nicht-​Gestalter

Matthew Buttericks neue Website ist ein Online-​Buch über Typografie für Nicht-​Gestalter. Also alle jene, die selbst Texte schreiben oder fürs Büro in Form bringen müssen.

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InDesign Tastaturkürzel

Dieses PDF-​Dokument beinhaltet die wichtigsten Tastaturkürzel für Typografie und Satz in InDesign CS5 (Mac OS X und Windows).

Detailtypografie — Regeln und Empfehlungen zum Nachschlagen

Man wer­kelt gerade am Fein­satz einer Dop­pel­seite und plötz­lich kommt wie aus dem Nichts einer die­ser Spe­zi­al­fälle. Wie war das noch mal mit den Aus­las­sungs­punk­ten am Ende eines Sat­zes — danach ein Schluß­punkt, ja oder nein? Der Teu­fel steckt im Detail. Zum Glück gibt es für alle Fra­gen Regeln oder Emp­feh­lun­gen, sowohl in gedruck­ter Form, wie auch online. Hier ist eine kleine, feine Liste (ohne  Anspruch auf Voll­stän­dig­keit) zum schnel­len Nach­schla­gen oder ankli­cken:

1. Bücher

Mikro­ty­po­gra­fie all­ge­mein
Das Detail in der Typo­gra­fie, Jost Hoch­uli
Detail­ty­po­gra­fie, Fried­rich Forss­man, Ralf de Jong
The Ele­ments of Typo­gra­phic Style, Robert Bring­hurst

Digi­tal­satz mit InDe­sign
InDe­sign Type: Pro­fes­sio­nal Typo­gra­phy with Adobe InDe­sign, Nigel French

Ortho­gra­fie
Detail­ty­po­gra­fie, s.o.
The Chi­cago Manual of Style — Ortho­gra­fie und Stil für US-​Englisch
Style Manual — Ortho­gra­fie und Stil für Britisch-​Englisch

2. Internet

Mikro­ty­po­gra­fie & mehr
typefacts
typografie.info

Ortho­gra­fie
Tipp­Tipps
typo­kurz

Typo­gra­fi­sches Lexi­kon
Typo­le­xi­kon

Spra­che & Stil
bel­les­let­tres

Hausschriften bekannter Unternehmen

Wer die Hausschrift eines bestimmten Unternehmen sucht, dem sei die folgende, gut ausgebaute Liste auf typografie.info empfohlen.

Auch sonst bie­tet das größte deutsch­spra­chige Forum um Typo­gra­fie und Schrift viel Lesens­wer­tes und zeich­net sich durch eine hilfs­be­reite und freund­li­che Com­mu­nity aus, die auf ziem­lich jede Frage eine Ant­wort hat.

Schriftwahl professionell, Teil 4 — Displayschriften

Der Begriff Display-​Schrift wird heute recht schwammig verwendet. Oft fasst man sehr verallgemeinernd alle Schriften zusammen, die keine Satzschriften sind. Tatsächlich leitet sich der Begriff von dem englischen Verb ›to display‹ ab (etwas zur Schau stellen). Der entsprechende deutsche Begriff Schaugrad bezeichnet Schriftgrade ab 14 pt.

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