Führe Schafe nicht in Versuchung

Der typo­gra­fi­sche Gestal­ter besitzt eine große Ver­an­wor­tung gegen­über der Bot­schaft und der Ziel­gruppe. Seine Auf­gabe ist es, eine ange­mes­sene typo­gra­fi­sche Über­set­zung zu fin­den. Dabei geht es um mehr als eine pas­sende Schrift­wahl und gefäl­lige Pro­por­tio­nen. Inhalt­li­che Gewich­tun­gen müs­sen sich in typo­gra­fi­schen Hier­ar­chien wider­spie­geln. Wich­tige Infor­ma­tio­nen müs­sen prio­ri­siert wer­den, wäh­rend gleich wich­tige Inhalte nicht dif­fe­ren­ziert wer­den dür­fen. Denn Hier­ar­chien sind Aus­druck von Macht­ver­hält­nis­sen. Diese poli­ti­sche Dimen­sion steckt in jeder Form schrift­lich fixier­ter Kom­mu­ni­ka­tion. Ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel für miss­lun­gene typo­gra­fi­sche Gestal­tung war ein Papier­bo­gen, der den Lauf des Welt­ge­sche­hens ändern sollte.

Der US-​Präsidentschaftswahlkampf 2000

Im Herbst des Jah­res 2000 kämpf­ten der Repu­bli­ka­ner George W. Bush und der Demo­krat Al Gore um die US-​Präsidentschaft. Beide Kan­di­da­ten lie­fer­ten sich ein hei­ßes Kopf-​an-​Kopf-​Rennen, das auf der Ziel­ge­rade zur Farce wurde. Eine Ursa­che für das dama­lige Wahl­chaos war das kom­pli­zierte ame­ri­ka­ni­sche Wahl­sys­tem, bei dem nicht die Wäh­ler direkt abstim­men kön­nen. Statt­des­sen ist für die Beru­fung des US-​Präsidenten die Anzahl der Wahl­män­ner­stim­men aus­schlag­ge­bend. Die Wahl­män­ner wer­den den Bun­des­staa­ten nach ihrer Ein­woh­ner­zahl zuge­wie­sen. Für den Chef­pos­ten im Wei­ßen Haus benö­tigte einer der Kan­di­da­ten min­des­tens 270 Stim­men.

Zunächst schien Bush das Ren­nen zu machen, bis im Süden der USA Unstim­mig­kei­ten auf­tra­ten. Flo­rida wurde zum Brenn­punkt des Gesche­hens, da seine Wahl­män­ner­stim­men die Wahl ent­schei­den wür­den. Cor­pus Delicti war der Wahl­zet­tel des Ver­wal­tungs­be­zirks County Palm Beach. Um den vie­len älte­ren Bür­gern eine bes­sere Les­bar­keit des Wahl­zet­tels zu bie­ten, ver­grö­ßerte man die Schrift­dar­stel­lung. Diese gut gemeinte Maß­nahme führte jedoch zu einer miss­ver­ständ­li­chen Anord­nung der Kan­di­da­ten­rei­hen­folge. Die Liste musste auf zwei Spal­ten auf­ge­teilt wer­den, die leicht ver­setzt war. Al Gores Name tauchte an zwei­ter Stelle auf, direkt unter George W. Bush. Doch wegen des »Schmetterling-​Designs« musste der Wäh­ler das dritte Loch durch­boh­ren, um Gore seine Stimme zu geben. Als Folge wur­den im County Palm Beach 19120 Stim­men ungül­tig gezählt und viele Stim­men falsch zuge­ord­net.

Der Lochkarten-​Stimmzettel sollten eine schnelle Lesbarkeit durch Computer gewährleisten. Der Wähler musste den Stimmzettel in die sogenannte Wahlkladde schieben (ein Rahmen mit einer gelben Lochleiste) und ein Loch neben das Namensfeld des Kandidaten bohren. Weil sich die Namen der zehn Präsidentschaftskandidaten in größerer Schrifttype nicht in einer Spalte unterbringen ließen, wurden sie zweispaltig und leicht versetzt angeordnet. Durch das vorgegebene »Schmetterlings-​Design«, das es in Florida nur in Palm Beach gab, führte George W. Bush die linke Spalte vor Al Gore an. Gegenüber stand leicht versetzt der Name Pat Buchanans von der Reformpartei. Obwohl Gores Name an zweiter Stelle auftauchte, musste zur Wahl das dritte Loch von oben in den Stimmzettel gebohrt werden. Viele Wähler, die bei Pat Buchanan zupieksten und dann den Fehler bemerkten, bohrten daraufhin ein zweites Loch bei Al Gore, was die Ungültigkeit des Stimmzettels zu Folge hatte.

 

In den fol­gen­den fünf Wochen ent­brannte ein hef­ti­ger Streit zwi­schen Anhän­gern der Repu­bli­ka­ner und der Demo­kra­ten um die Recht­mä­ßig­keit der Stimm­ab­ga­ben. Ver­schie­dene Nach­zäh­lun­gen von Hand wur­den durch­ge­setzt und durch rich­ter­li­che Ver­fü­gun­gen wie­der gestoppt. Schließ­lich setzte das oberste Bun­des­ge­richt dem Trei­ben ein Ende: mit 5 zu 4 Stim­men lehn­ten die Ober­rich­ter die Hand­aus­zäh­lung von mehr als 40.000 unkla­ren Voten ab. Die Judi­ka­tive befand, dass die Zeit für eine »ver­fas­sungs­kon­forme Lösung« der unkla­ren Abstim­mungs­lage abge­lau­fen sei. Der demo­kra­ti­sche Kan­di­dat Al Gore konnte lan­des­weit und mög­li­cher­weise auch in Flo­rida die Stim­men­mehr­heit der Wäh­ler für sich ver­bu­chen. Doch sei­nem Her­aus­for­de­rer George W. Bush wurde ein offi­zi­el­ler Vor­sprung von 537 Stim­men (0,009%) bei 6 Mil­lio­nen Wäh­lern in Flo­rida zuge­spro­chen. Mit den resul­tie­ren­den 25 Wahl­män­ner­stim­men bekam er ins­ge­samt eine Stimme mehr, als er zum Sieg benö­tigte. Die Fol­gen der Prä­si­dent­schaft des George W. Bush sind uns bekannt.

Quellen:
SPIEGEL 46/​2000, SPIEGEL 51/​2000
www.wahlrecht.de

 

Die Süddeutsche ab morgen im neuen Layout

Es pas­siert nich allzu oft, dass eine tra­di­ti­ons­be­wusste Zei­tung ihr Erschei­nungs­bild umstellt. Vor weni­gen Wochen ging die Neue Zür­cher Zei­tung (NZZ) mit einem kom­plett neuen Infor­ma­ti­ons­por­tal online und setzt ganz klar auf den digi­ta­len Ver­triebs­weg (Web, E‑Paper, iPad-​App). Die Print- und Online­jour­na­lis­ten wur­den zu einer gro­ßen Redak­tion zusam­men­ge­legt. In Zukunft sol­len sämt­li­che Inhalte aus der gedruck­ten Tages­zei­tung auch on Screen ver­füg­bar sein. Mit einer so genann­ten Pay­wall will man nun nach den Som­mer­fe­rien Bezahl­ge­büh­ren für Online-​Artikel ein­füh­ren.

Die Kol­le­gen der Süd­deut­schen Zei­tung gehen einen etwas ande­ren Weg: ab mor­gen erscheint die gedruckte SZ in neuem Gewand. Die Print­aus­gabe soll behut­sam an aktu­elle Gege­ben­hei­ten ange­passt wer­den. Wie auf der Web­site zu lesen ist, wird die SZ »kla­rer, les­ba­rer, auf­ge­räum­ter — und den­noch unver­kenn­bar« sein. Beson­de­res Augen­merk sei der Wahl neuer Schrif­ten zuge­fal­len. Der Autor betont, dass die Neue­run­gen auf For­schungs­er­geb­nis­sen der Redak­tion und Befra­gun­gen der Leser beru­hen. Der Ver­lag möchte auch zukünf­tig eine klas­si­sche Zei­tung für Leser anbei­ten, die gerne Zei­tung lesen. Das eigene Credo lau­tet »Exklu­si­vi­tät schlägt heute Schnel­lig­keit«. Ich bin sehr gespannt und hole mir mor­gen früh meine Aus­gabe …

Unternehmenskommunikation bei Schlecker: Mangelhafte Typografie im Krisenfall

Die Krise ist überall. Europa, Griechenland und jetzt auch noch Schlecker. Anfang 2011 startete Deutschlands größte Drogerie-​Kette mit »Fit for Future« ein  Zukunfts- und Investitionsprogramm. Auch visuell änderte sich einiges: Im Rahmen eines neuen Corporate Designs wurde eine neue Wortmarke eingeführt, ergänzt um einen Farbkreis als Bildzeichen (siehe Designtagebuch). Dazu gesellte sich ein wirklich bescheuert klingender Werbespruch: FOR YOU. VOR ORT. Beitrag zu Ende lesen

Typographica. Schrift-​Empfehlungen, Buch-​Rezensionen, Kommentare

Typo­gra­fie erlebte in den letz­ten Jah­ren in der Design­szene einen klei­nen Boom. Die Gründe sind viel­fäl­tig und für mich nicht ein­deu­tig erklär­bar. Eine der Gründe ist aber die inter­na­tio­nal ver­netzte Typo-​Szene, die sich in zahl­rei­chen Blogs, Foren und via Social Web aus­tauscht. Zu den qua­li­ta­tiv bes­ten Foren zählt Typo­gra­phica, her­aus­ge­ben von Ste­phen Coles (u.a. Fonts in Use). Es wer­den neue und hoch­wer­tige Schrif­ten von bekann­ten Type-​Designern und New­co­mern vor­ge­stellt. Die rezen­sierte Buch­aus­wahl ist recht über­schau­bar aber emp­feh­lens­wert. In unre­gel­mä­ßi­gen Abstän­den erschei­nen sehr lesens­werte Arti­kel und Kom­men­tare über Schrift und Typo­gra­fie im All­ge­mei­nen und Spe­zi­el­len.

Im neu­es­ten Bei­trag wer­den die Top 50 Schrif­ten 2011 vor­ge­stellt, aus­ge­wählt durch Autoren, Dozen­ten, Type-​Designern und Typo­gra­fen.

Typografie ist mehr als Erfahrung und Regelwerk

Ges­tern erschien unter designmadeingermany.de der lesens­werte Essay Typo­gra­phie Den­ken über die Denk- und Pra­xis­dis­zi­plin Typo­gra­fie. Johan­nes Steil beschreibt darin einige Bei­spiele aus dem typo­gra­fi­schen All­tag und warum der typo­gra­fi­sche Desi­gner nicht nur auf hand­werk­li­che Erfah­rung bauen son­dern auch selbst lesen und ver­ste­hen muss. Hier fasse ich die Kern­aus­sa­gen zusam­men.

Kurt Wei­de­manns Zitat »Die Typo­gra­phie ist die Kunst, von sich sel­ber abzu­se­hen.« ist recht bekannt. Ich pflichte Johan­nes Steil bei, daß diese Pole­mik Unfug ist, weil es nicht darum geht, tra­dierte Regeln stumpf zu befol­gen son­dern bewusste Ent­schei­dun­gen zu tref­fen, wie man einen Text inter­pre­tiert. Er stellt drei Fra­gen, die bei der Lösungs­fin­dung eine wich­tige Rolle spie­len:

  • Will ich eine klas­si­sche Erschei­nung, die (fast) so auch ein- oder drei­hun­dert Jahre alt sein kann?
  • Will ich ganz von heute sein auf die Gefahr hin, schon nächste Woche unin­ter­es­sant zu sein?
  • Oder viel­leicht zei­gen: ich kenne die Geschichte der Gestal­tung und inter­pre­tiere die klas­si­schen Ele­mente auf eine zeit­ge­mäße Art?

Im fol­gen­den gibt der Autor eine plau­si­ble Ant­wort: »Die Schrift­wahl wird genauso von der ande­ren Seite bestimmt, von der Leser­schaft und ihren aus Gewohn­heit und Erfah­rung gewach­se­nen Erwar­tun­gen.« Was so schein­bar banal klin­gen mag, gefällt den­je­ni­gen Gestal­tern nicht, die Design als Mit­tel zur Selbst­ver­wirk­li­chung sehen. Der typo­gra­fi­sche Gestal­ter muss die Erwar­tungs­hal­tung der Leser ken­nen. Ob er diese nun bedient (und so viel­leicht auch Kli­schees pflegt) oder bewusst bricht, ist eine zen­trale Frage sei­nes Tuns.

Die letz­ten vier Absätze lesen sich wie eine Anti­these zu Wei­de­manns Zitat. »Es muss Gefühl dabei sein beim Typo­gra­phie Den­ken, denn es geht um letzt­lich will­kür­li­che Ent­schei­dun­gen.« (…) »Es gibt in der Typo­gra­phie nicht die eine rich­tige Lösung, es gibt pas­sende und unpas­sende Lösun­gen. Eine pas­sende Lösung ist eine, bei der Stim­mung und Aus­sage des Inhalts eine Ent­spre­chung in der Typo­gra­phie fin­den, sei es eine har­mo­ni­sche und ver­stär­kende Ent­spre­chung, sei es eine auf­re­gend andere oder gar ver­stö­rende. Um gute Typo­gra­phie zu machen, muss man lesen. Auch lesen.« (…) Lesen sollte ver­stan­den wer­den nicht ein­fach als die pas­sive Auf­nahme von Wör­tern, son­dern im Sinn des Durch­drin­gens des Gegen­stan­des, der Erkennt­nis der Kern­aus­sage. (…) »Außer die­ser Kopf­ar­beit bedarf es dann noch der Hand­ar­beit der schwar­zen Kunst und der Phan­ta­sie, um nicht das immer glei­che zu machen, um weder in falsch ver­stan­de­ner Tra­di­tion zu ver­stei­nern oder in stu­rer Befol­gung der Regeln in der töd­li­chen Lan­ge­weile der Ras­ter zu erstar­ren.«

Wei­tere Lite­ra­tur zum Thema:
thin­king with type, Ellen Lupton

Letterpress: handgepresste Typo

Hin­ter Let­ter­press Daily steht der US-​Grafikdesigner David Wol­ske. Im Blog zeigt er typo­gra­fi­sche Arbei­ten aus der Dru­cker­presse, 100 pro­zen­tig hand­ge­presst. Es gibt Buch­sta­ben in allen erdenk­li­chen Schrift­ar­ten und Schrift­grö­ßen zu sehen, his­to­ri­sche Schrift­mus­ter und Akzidenz-​Drucksachen.

Druckkunst, bewegte Schrift, typografische Manifeste: Auf nach Mainz, ins Gutenberg-​Museum!

Wahrscheinlich kennen die meisten Leser dieser Zeilen das Gutenberg-​Museum und ich muss die Bedeutung dieses Kultur- und Technikschatzes nicht betonen. Zur Zeit sind dort aber gleich zwei temporäre Ausstellungen über Schrift und Typografie zu sehen: Moving Types und ON-​TYPE.

Beide Aus­stel­lun­gen alleine sind bereits sehens­wert, doch die Par­al­le­li­tät an die­sem beson­de­ren Ort, ist ein Glücks­fall, ein Muss für jeden Typografie-​interessierten Men­schen.

Moving Types

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Die Aus­stel­lung des Zen­trum Zeit­ba­sierte Gestal­tung (FH Mainz und FH Schwä­bisch Gmünd) ver-​führt den Besu­cher in die Welt der beweg­ten Schrif­ten. Bereits lange bevor es Grafik-​PCs gab, wur­den Film­ti­tel ani­miert. Der Mann mit dem Gol­de­nen Arm (1955) ist solch ein Klas­si­ker. Aber selbst­ver­ständ­lich sind viele der gezeig­ten Clips, Ani­ma­tio­nen und Kurz­filme digi­tal ent­stan­den. Das Aus­stel­lungs­spek­trum reicht von Film­ti­teln, über Com­mer­ci­als, Video­clips, freien, expe­ri­men­tel­len und künst­le­ri­schen Arbei­ten, bis hin zu ani­mier­ten Infor­ma­tion Gra­phics und Cor­po­rate Motion. Zu jedem Bereich gibt es the­ma­tisch ein­füh­rende Filme. Auch einige preis­ge­krön­ten Macher die­ser beein­dru­cken­den Typo­filme kom­men in Inter­views zu Wort und ver­ra­ten einen Blick hin­ter die Kulis­sen.

Das Aus­stel­lungs­kon­zept über­zeugt: die Besu­cher lau­fen mit einem iPad aus­ge­stat­tet durch eine Raum­in­stal­la­tion mit vie­len klei­nen beleuch­te­ten Wür­feln; scannt man den Bar­code auf einem Wür­fel, wird der ent­spre­chende Clip auf dem iPad gela­den.

ON-​TYPE Texte zur Typografie

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»Eines der spre­chends­ten Aus­drucks­mit­tel jeder Stil-​Epoche ist die Schrift. Sie gibt, nächst der Archi­tek­tur, wohl das am meis­ten cha­rak­te­ris­ti­sche Bild einer Zeit und das strengste Zeug­nis für die geis­tige Entwicklungs-​Stufe eines Vol­kes.« Die­ses Zitat stammt aus dem Buch »Schrif­ten, Initia­len und Schmuck nach Zeich­nun­gen von Prof. Beh­rens«. Es reiht sich ein in eine Samm­lung vie­ler Aus­sa­gen, The­sen und Mani­feste über Typo­gra­fie des 20. Jahr­hun­derts im deutsch­spra­chi­gen Raum. Der fach­kun­dige Besu­cher trifft auf alte Bekannte: Lázló Moholy-​Nagy, Jan Tschi­chold, Her­bert Bayer, Willi Bau­meis­ter, Max Bill, Emil Ruder, Otl Aicher, Hans-​Peter Will­berg, Fried­rich Friedl … Die typo­gra­fi­schen Aus­sa­gen wer­den auf Zet­teln prä­sen­tiert, meis­tens unmit­tel­bar über den Original-​Quellen. Mus­ter­pro­ben zeit­ge­nös­si­scher Schrif­ten und eine Aus­wahl wich­ti­ger Typo­gra­fie­werke und aktu­el­ler Typo-​Magazine run­den die Aus­stel­lung ab.

Mein Fazit: Hin­ge­hen, fünf Euro zah­len und drei High­lights in Einem erle­ben: das Beste aus 500 Jah­ren Druck­kunst, Posi­tio­nen der Prot­ago­nis­ten der typo­gra­fi­sche Moderne und eine Ent­de­ckungs­reise in die Welt der bewe­gen­den Schrif­ten. Der Besuch ist die per­fekte Gele­gen­heit, die Gestal­tungs­viel­falt, Aus­drucks­mög­lich­kei­ten und Macht des Medi­ums Schrift in so einer beein­dru­ckende Band­breite zu erle­ben.

Moving Types ist bis 22. April 2012 zu sehen.
ON-​TYPE Texte zur Typo­gra­fie ist bis 6. Mai 2012 zu sehen.
Beide Aus­stel­lun­gen wer­den mit einem Rah­men­pro­gramm beglei­tet.

Webdesign ist 95 % Typografie

Gerade zurück vom Web­font­day in Mün­chen, schwir­ren mir noch viele Dinge zu Web­fonts und Screen-​Typografie durch den Kopf. In Kürze mehr dazu. Ganz und gar pas­send zu die­sen The­men ist die­ses Inter­view von Elliot Jay Stocks mit Erik Spie­ker­mann. Wenn es um redak­tio­nelle Inhalte geht, arbei­ten Web Desi­gner und Typo­gra­fi­sche Desi­gner letzt­lich ähn­lich:

»A Typo­gra­phic Desi­gner starts to look at the copy. So what is your smal­lest ele­ment — the copy, maybe even the foot­no­tes. And then you go up from there. Whe­reas the Gra­phic Desi­gner has an image in his or her head. Like you know, this page is gonna look wha­te­ver — blue and so wob­bly. And the Gra­phic Desi­gner will make this page look blue and wob­bly. And wha­te­ver it will mean it takes.
As a Typo­gra­phic Desi­gner you first define the type — the actual type its­elf. The size, the lea­ding and then you move upwards. And you have a column. And then you say, how many hier­ar­chies do I have? So I work mys­elf up from the first decision, which is pro­bably the copy, like 9 point or wha­te­ver 12 or in my case 4.5 mil­li­me­tres or some­thing. And then ever­ything works out from there. This is exac­tly how Web Desi­gners have always worked any­way.«

Hier geht’s zum Video.

Ich finde es amü­sant, dass erst jetzt vie­len Web­de­si­gnern klar wird, dass Web­de­sign viel mehr mit (Mikro-) Typo­gra­fie zu tun hat, als Ihnen je bewusst war. Oli­ver Rei­chen­stein hat das ges­tern auf dem Web­font­day in sei­nem bemer­kens­wer­ten Vor­trag auf den Punkt gebracht: »Web­de­sign ist 95 Pro­zent Typo­gra­fie.«

Wei­tere lesens­werte Bei­träge zum Thema Typo­gra­fie im Web­de­sign: Blog von Elliot Jay Stocks

Belles Lettres

Unter dem geschmei­di­gen Namen Bel­les Let­tres erscheint das Online­ma­ga­zin und Video-​Pod­cast für Sprach­kunde und Sti­li­stik. Die bei­den Macher sind Daniel Schol­ten (Redak­tion: Pod­cast und Inhalt) und Rúna Gís­la­dót­tir (Schreib­fee). Nach eige­ner Defi­ni­tion rich­tet sich die Web­site »an alle, die es beim Umgang mit der deut­schen Spra­che genau neh­men müs­sen oder wol­len, nicht nur an Auto­ren und Leser von Schönlitera­tur«. Neben aktu­el­len und prak­ti­schen Fra­gen zur Sti­lis­tik und Gram­ma­tik gibt es auch lesens- und sehens­werte Bei­träge zum Thema Ortho­gra­fie und Detail­ty­po­gra­fie.